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ORF Bestenliste März

Im März landet Clemens J. Setz mit seinem Roman „Monde vor der Landung“ (Suhrkamp) auf Platz 1. Milena Michiko Flašar erobert mit „Oben Erde, unten Himmel“ (Wagenbach) den zweiten Platz. Platz 3 geht an Dževad Karahasan mit „Einübung ins Schweben“ (Suhrkamp).

Platz 1: Clemens J. Setz, „Monde vor der Landung“ (Suhrkamp)

Die Faszination für dubiose Weltanschauungen und skurrile historische Persönlichkeiten ist fast schon ein Markenzeichen des Clemens J. Setz geworden. Sein neuer Roman „Monde vor der Landung“ ist eine Art historischer Querdenker-Roman, Setz erzählt darin die Geschichte eines Mannes, der nicht auf, sondern in einer Kugel lebt. Peter Bender, Jahrgang 1893, erfolgloser Schriftsteller, ehemaliger Fliegerleutnant, und: glühender Verfechter der sogenannten Hohlwelt-Theorie. Das Eintauchen in ein verqueres Weltbild ist jedoch nicht das einzige, was den Reiz von „Monde vor der Landung“ ausmacht. Vom ersten Weltkrieg über die Weimarer Republik bis hin zum Nationalsozialismus – Clemens Setz gelingt es darin, deutsche Geschichte durch die Augen eines Menschen zu erzählen, der in einem völligen Paralleluniversum lebt. Der sich so tief versponnen hat, dass er nicht wahrnimmt, dass der wachsende Antisemitismus und schließlich die Machtergreifung Hitlers seine jüdische Frau in akute Gefahr bringt.

Platz 2: Milena Michiko Flašar, „Oben Erde, unten Himmel“, Wagenbach

Einsamkeit ist ein stilles aber wachsendes Problem in unserer Zeit und das Thema des neuen Buches der Autorin Milena Michiko Flašar. In ihrem fünften Roman mit dem Titel „Oben Erde, unten Himmel“ schreibt sie über Menschen, die unbemerkt in ihren eigenen vier Wänden sterben. Flašar ist Tochter einer Japanerin und eines Österreichers. Ihr neuer Roman spielt in Japan. „Kodokushi“ nennt man dort den unbemerkten Tod vereinsamter Menschen – und genau darum dreht sich der neue Roman von Milena Michiko Flašar. Flašar stellt eine zurückgezogene junge Japanerin ins Zentrum, die einen neuen Job beginnt: Bei einer Firma, die eben solche Leichenfundorte reinigt. In dem Putztrupp findet sie eine neue Familie; bricht aus ihrer eigenen sozialen Isolation aus. Einfühlsam zeigt „Oben Erde, unten Himmel“, wie lebensrettend soziale Beziehungen sein können

Platz 3: Dževad Karahasan, „Einübung ins Schweben“ (Suhrkamp)
Übersetzung: Katharina Wolf-Grießhaber

Der bosnische Schriftsteller Dževad Karahasan zählt zu den bekanntesten literarischen Stimmen des Balkans. Immer wieder wird der 1953 im ehemaligen Jugoslawien geborene Karahasan mit dem Nobelpreisträger Ivo Andrić verglichen – nicht zuletzt, weil die multikulturelle Geschichte Bosniens stets ihre gemeinsame Erzählheimat geblieben ist. In seinem neuen Roman widmet sich der „Chronist von Sarajevo“, wie Karahasan oft genannt wird, der jüngsten Geschichte seiner Heimat: der Belagerung Sarajevos während des Bosnien-Krieges. „Einübung ins Schweben“ ist ein Buch über das Leben im Krieg: Es schildert den Alltag der Menschen, die ständigen Herausforderungen, vor die sie die Belagerung stellt. Aber auch die seelischen Veränderungen, die dieser Zustand mit sich bringt. Im Zentrum steht dabei stets die Frage: Was macht der Krieg mit dem Menschen? Verhandelt wird diese über eine scheinbar außenstehende Figur, den Schriftsteller und Altphilologen Peter Hurd. Er befindet sich bei Kriegsausbruch gerade zufällig in Sarajevo und beschließt zu bleiben. Er möchte die Erfahrung einer Extremsituation nicht verpassen, möchte am eigenen Leib das moralische Vakuum des Ausnahmezustands erleben – auch wenn er spürt, wohin dieser Weg führt.

Die gesamte ORF-Bestenliste finden Sie hier.

Clemens J. Setz - Monde vor der Landung (Suhrkamp). Foto (c) Suhrkamp
Clemens J. Setz - Monde vor der Landung (Suhrkamp). Foto (c) Suhrkamp