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Michel Houellebecq erhält Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur

Der französische Romancier, Lyriker und Essayist Michel Houellebecq erhält den mit 25.000 Euro dotierten Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur 2019.

Die Begründung der Jury: „Als Schöpfer eines höchst eigenwilligen literarischen Werks ist Michel Houellebecq eine der einflussreichsten Stimmen der europäischen Gegenwartsliteratur. Seine Texte verraten ein besonderes Sensorium für Fragen von gesellschaftlicher Sprengkraft, wobei er den Konjunkturen des Feuilletons stets vorausgeeilt ist – ob es um die moderne Arbeitsrealität geht, die Möglichkeiten und Gefahren der Gentechnik, die Erscheinungsformen des religiösen Fanatismus, die Kehrseite der sogenannten sexuellen Revolution (ein Monopolkapitalismus des Sex) oder den Verfall des ländlichen Raumes. Die zum Teil extrem provokanten Diagnosen Houellebecqs setzen jene Übertreibungskunst fort, die in der Literatur des 20. Jahrhunderts die Grenzen zwischen Biografie und Werk, Kunst und Leben systematisch überschritten hat. Seine drastischen Plots verblüffen durch krasse Überzeichnungen, verquere Peripetien und sprachlichen (Wahn)Witz; der enttäuschte Idealismus seiner gebeutelten, lächerlichen, letztlich stets scheiternden männlichen Helden schlägt in grellen Zynismus um. Die Auszeichnung gilt einem Werk, das das verstörende Potenzial von Literatur exemplarisch zeigt und weitaus komplexer ist als die medialen Debatten, die sein Autor mitangefacht hat.“

Die Jury  bestand aus Benedikt Föger (Präsident des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels), Walter Grond (Europäische Literaturtage),  Claudia Romeder (Residenz Verlag), Daniela Strigl (Literaturkritikerin) und Norbert Christian Wolf (Universität Salzburg).

Der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur wird jedes Jahr für das literarische Gesamtwerk einer europäischen Autorin bzw. eines europäischen Autors verliehen, das international besondere Beachtung gefunden hat. Das Werk muss auch in deutschsprachiger Übersetzung vorliegen. Zuletzt erhielten Mircea Cărtărescu (2015), Andrzej Stasiuk (2016), Karl Ove Knausgård (2017) und Zadie Smith (2018) diese Auszeichnung.

Die diesjährige Verleihung durch Kulturminister Gernot Blümel erfolgt am 26. Juli 2019 um 13:00 Uhr im Solitär der Universität Mozarteum Salzburg.

9.5.2019

Michel Houellebecq Foto (c) Philippe Matsas
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