Ulrich Weinzierl verstorben

Am Freitag, den 13. Jänner 2023 ist in Wien der Germanist und langjährige Kulturkorrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Welt, Ulrich Weinzierl, gestorben. Der Sohn der Historikerin Erika Weinzierl und des Physikers Peter Weinzierl promovierte 1977 bei Wendelin Schmidt-Dengler mit einer Arbeit über Alfred Polgar und verfasste wegweisende Bücher über Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal und Stefan Zweig. Zuletzt edierte er 2019 eine vierbändige Ausgabe der Werke von Hermynia Zur Mühlen.

Seine Spezialität war und blieb jedoch die sogenannte kleine Form – Glossen, Literatur- und Theaterkritiken, “das Extrakt von Komödien und Tragödien des Lebens” -, dem sich auch Polgar verpflichtet fühlte. “Was von ihm weiterlebt”, so Weinzierl über Polgar, “ist seine Kunst zu formulieren, und wer ihn zitiert, der gesteht, sich für einen bestimmten Sachverhalt keine bessere, treffendere oder entlarvendere Ausdrucksweise vorstellen zu können. Er schrieb für Zeitungen, von Phrasen umgeben, mit ihnen jonglierend, sie zerlegend, sie neu belebend – und in seinen besten Sätzen brachte er das Wort zu sich selbst.” Nichts anderes gilt für Ulrich Weinzierl.

“Die Nachricht von Ulrichs Tod ist ein Schock”, sagt Zsolnay-Verleger Herbert Ohrlinger, “wir kannten einander fast vierzig Jahre lang und waren, ich wage das zu sagen, miteinander befreundet. Er begleitete das Wohl und Wehe unseres Verlags zuerst aus professioneller Distanz, und ich empfand es als große Wertschätzung, dass ich dann seine Bücher verlegen durfte. Ulrich hätte jetzt wohl gesagt, das Ganze ist eine Frage der Sentimentalität, und dazu bekenne er sich rückhaltlos. Also: Wir haben mit ihm nicht nur einen Autor verloren, sondern einen wunderbaren Menschen und Freund.”

Kulturstadträtin Kaup-Hasler zum Tod Ulrich Weinzierls: „Heute ereilt uns die Nachricht vom Tod des Autors und Kulturjournalisten Ulrich Weinzierl. Als stilistisch unantastbarer Feuilletonist beförderte Weinzierl mit prononcierten Meinungen zum kulturellen Geschehen die Qualität des öffentlichen Diskurses auf maßgebliche Weise“, so Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler. „Als Feuilletonist bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung war er ein durchaus stolzer Reich-Ranicki-Schüler und verstand es als Biograf von österreichischen Geistesgrößen wie Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal oder Stefan Zweig, deren Leben und Wirken auf prägnante Weise neu zu beleuchten. Mein Beileid gilt Weinzierls Familie und Freunden.“

Ulrich Weinzierl wurde u.a. mit dem Preis der Stadt Wien für Publizistik, (1989), dem Österreichischen Staatspreis für Literaturkritik (1990), den Johann-Heinrich-Merck-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung (1996), den Alfred-Kerr-Preis (2001) und dem Preis der Frankfurter Anthologie (2009) ausgezeichnet.

Ulrich Weinzierl (c) Leonard Hilzensauer
Ulrich Weinzierl (c) Leonard Hilzensauer