ORF Bestenliste Oktober

Im Oktober steigt Laura Freudenthaler mit ihrem Roman „Arson“ (Jung und Jung) auf Platz 1 ein. Der 2. Platz geht an Wolf Haas mit „Eigentum“ (Hanser) und Platz 3 an Terézia Mora mit „Muna oder Die Hälfte des Lebens“ (Luchterhand).

Platz 1: Laura Freudenthaler Arson“, Jung und Jung

Wer sich für österreichische Gegenwartsliteratur interessiert, kommt an ihr nicht umhin: Laura Freudenthaler. „Arson“ lautet der Titel ihres jüngsten Roman, Auszüge daraus waren bereits im Rahmen des Auftritts der Autorin beim Ingeborg-Bachmann-Preis 2020 zu hören, wo Freudenthaler mit dem 3sat-Preis ausgezeichnet wurde. „Arson“ bedeutet „Brandstiftung“ – die Welt, die Laura Freudenthaler hier beschreibt, ist eine, die außer Kontrolle geraten ist: der menschengemachte Klimawandel zeitigt verheerende Folgen. Die Schriftstellerin hat für den Roman viel recherchiert, das prägt den Text in seinen Tiefenschichten. Ins Zentrum stellt sie zwei Figuren: eine weibliche, die die aus den Fugen geratende Welt beobachtet und sich zunehmend aus dieser zurückzieht und eine männliche: einen Wildfeuerforscher, den der sich verschlechternde Zustand unseres Planeten immer hilfloser macht. Depression, Schlaflosigkeit: sie sind im Text allgegenwärtig. „Ich muss glauben, dass mein kleines Leben eine Bedeutung hat, sonst mache ich gar nichts mehr“, schreibt Laura Freudenthaler an einer Stelle. „Arson“ zeigt nicht zuletzt: Literatur greift viel tiefer als jede Therapie.

Platz 2 Wolf Haas Eigentum“, Hanser

Der Autor Wolf Haas ist Kult: nicht zuletzt seiner legendären „Brenner“-Krimis wegen – und deren nicht minder erfolgreichen Verfilmungen. Aber der studierte Germanist schreibt nicht nur Krimis: sein jüngstes Buch „Eigentum“ ist ein weiterer Beleg dafür. Haas setzt nicht nur seiner eigenen Mutter ein unsentimentales Denkmal, sondern legt damit auch ein Buch vor, das das Verhältnis zwischen Schreiben und Leben erforscht. So zu erzählen, dass es möglichst jeder lesen kann, zugleich mit hohem literarischen und ethischen Anspruch: das war immer schon die Ambition von Wolf Haas. Im Herzen des Romans „Eigentum“ steht die Frage: „Kann man vom Leben schreiben?“ Alles dreht sich darin um einen Autor, der mit der Geschichte seiner Mutter ringt und sie schließlich doch zu Papier bringt: es ist die Geschichte einer Frau aus armen Verhältnissen, die ihr Leben lang vom sozialen Aufstieg träumte, davon, selbst einmal Eigentum zu besitzen.

Platz 3 Terézia Mora: „Muna oder Die Hälfte des Lebens“, Luchterhand

Die 1971 in Sopron geborene Schriftstellerin und Übersetzerin Terézia Mora kann auf eine beachtliche Liste von Auszeichnungen zurückblicken, darunter der Ingeborg-Bachmann-Preis, der Deutsche Buchpreis und nicht zuletzt der Georg-Büchner-Preis, der ihr 2018 für ihr Gesamtwerk verliehen wurde. Im Begründungsschreiben der Jury war damals zu lesen: „In ihren Romanen und Erzählungen widmet sich Terézia Mora Außenseitern und Heimatlosen, prekären Existenzen und Menschen auf der Suche und trifft damit schmerzlich den Nerv unserer Zeit.“ Das trifft auch auf ihren neuen Roman „Muna oder die Hälfte des Lebens“ zu, der es abermals auf die Longlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat. Die Handlung setzt im Jahr 1989 ein, in der DDR, unmittelbar vor dem Mauerfall. Die Abiturientin Muna verbringt eine Nacht mit dem Französischlehrer und Fotografen Magnus, doch im Wirbel der politischen Ereignisse verlieren sich die beiden sogleich wieder aus den Augen. Sieben Jahre später begegnen sich die beiden wieder und lassen sich schnell auf eine Beziehung ein, doch schon früh treten die ersten Probleme auf. Magnus ist oft unbeherrscht und begegnet Muna mit zunehmender Distanz und Gefühlskälte. Doch sie hält an der Beziehung fest, schluckt ihre verletzten Gefühle runter und redet sich ein, dass alles besser wird. Mit bedrückender Genauigkeit beschreibt Terézia Mora was es bedeutet, sein Leben in gänzlicher Abhängigkeit von einem anderen zu führen.

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