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„Literaturpreis der Österreichischen Industrie – Anton Wildgans“ an Gertraud Klemm verliehen

Am 26. September 2022 wurde der „Literaturpreis der Österreichischen Industrie – Anton Wildgans“ an Gertraud Klemm verliehen. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert. Zuletzt erschien ihr Roman “Hippocampus” im Verlag Kremayr & Scheriau.

“Mit Gertraud Klemm feiern wir eine der großen Aufsteigerinnen der österreichischen Literaturszene. Sie wirft in ihrem Werk einen scharfen Blick auf große Fragen unserer sich verändernden Gesellschaft und zeigt neue Perspektiven auf. Dafür steht seit mittlerweile 60 Jahren der Wildgans-Preis, zu dem ich in diesem Jahr Gertraud Klemm ganz herzlich gratulieren darf”, sagte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Christoph Neumayer, anlässlich der Verleihung des „Literaturpreises der Österreichischen Industrie – Anton Wildgans“ 2022 an die österreichische Schriftstellerin Andrea Grill.

“Die Rolle von Kunst, Kultur und Literatur für die Gesellschaft kann kaum hoch genug eingeschätzt werden. Literatur setzt wichtige Impulse in der Gesellschaft, indem sie Geschichten erzählt, Kritik äußert, Dinge in Frage stellt und zum Nachdenken anregt. Als Industriellenvereinigung war und ist es stets unser Anspruch, gesamtgesellschaftlich zu denken, zu handeln und unsere Verantwortung für die Menschen wahrzunehmen”, hob Neumayer anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Anton-Wildgans-Preises die Bedeutung dieser Auszeichnung für die Industrie hervor: “In diesem Sinne sind Industrie und Kultur natürliche Verbündete: Beide begegnen einander in ihrem stetigen Streben nach dem Neuen, dem Unbekannten, nach Innovation und Erkenntnis. Die Industrie unterstützt literarisches Schaffen daher aus tiefster Überzeugung.”

Der mit 15.000 Euro dotierte Anton-Wildgans-Preis wird bereits seit 1962 von einer unabhängigen Jury vergeben und feierte damit am 26. September im Wiener Haus der Industrie sein 60-jähriges Jubiläum. Der Einladung folgten rund 100 Gäste aus Kultur, Wirtschaft und Politik.

Die Jury begründete die Auswahl für die diesjährige Auszeichnung wie folgt: „Gertraud Klemm analysiert in ihren Romanen und Essays die beharrlich gleichen sozialen Fragen unserer sich verändernden Gesellschaft ohne Scheu vor Konfrontationen. Ihr scharfer Blick führt den Lesenden die Aktualität ungelöster alter Problematiken in einer lebendigen, präzisen Sprache, der auch das Spiel mit Humor nicht fremd ist, meisterlich vor Augen.“

Im Zentrum des Werks von Gertraud Klemm steht das Frauenbild in unserer Gesellschaft. Mit ihren pointierten Geschichten arbeitet sie schonungslos gesellschaftliche Bruchstellen auf und stößt damit nicht immer auf Verständnis. „Warum immer das Frauenthema? wurde ich teilweise entnervt gefragt. Warum nicht mal was anderes? Warum über die Randgruppe schreiben, die 51% der Weltbevölkerung ausmacht?“, sagt Klemm in ihrer Danksagung anlässlich der Preisverleihung. Gegenwind, den sie auch aus persönlicher Erfahrung gut kennt: „Dass meine Bücher trotz der Kinder entstanden sind, hat mich nicht weniger als meinen guten Ruf als Mutter gekostet; was es mit dem auf sich hat und warum der irrelevant ist, können Sie in meinen Büchern und Zeitungskommentaren nachlesen.“

„Gertraud Klemm legt in ihren literarischen Arbeiten eine Analyse unserer Gesellschaft vor, die vor keinem Tabu zurückschreckt. Ja, Literatur kann politisch sein und geschliffen, unterhaltsam und offensiv, autobiografisch oder fiktiv, verinnerlicht und auch feministisch“, würdigte Jury-Mitglied und Schriftstellerin Barbara Neuwirth Klemm in ihrer Laudatio anlässlich der Verleihung des Wildgans-Preises. „Sie führt die Lesenden in eine Welt, in der sie den eigenen zeitgeschichtlichen Beobachtungen ähnliche vorfinden und persönliche Erkenntnisse teilen können. Und wer das nicht mag, findet in der literarischen Verpackung dieser Auseinandersetzungen dennoch großzügigen Lesemehrwert“, so Neuwirth.

Geboren 1971 in Wien, studierte Gertraud Klemm ursprünglich Biologie und arbeitete dann als Gutachterin bei der Stadt Wien. 2006 folgte die berufliche Umorientierung, seitdem steht ihr literarisches Schaffen im Zentrum ihrer Arbeit. Romane wie „Herzmilch“, und „Aberland“ folgten. 2016 brach sie mit ihrem Roman „Muttergehäuse“ ein gesellschaftliches Tabu und thematisierte ihren unerfüllten Kinderwunsch. Zuletzt setzte sie mit ihrem Roman „Hippocampus“ ein Zeichen für die gleichberechtigte Wahrnehmung von Frauen. In ihren Romanen und politischen Kommentaren legt Klemm den Finger in die Wunden unserer Zeit und regt damit Debatten über das Frauenbild in unserer Gesellschaft an. Für ihre zahlreichen Werke wurde sie unter anderem mit dem Outstanding Artist Award 2020, dem Ernst-Toller-Preis 2021 sowie mit dem Publikumspreis beim Bachmannpreis 2014 ausgezeichnet.

Die unabhängige Jury des „Literaturpreises der Österreichischen Industrie – Anton Wildgans“ setzt sich aus Marianne Gruber (Ehrenpräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Literatur), Johann Holzner (vorm. Leiter des Brenner-Archivs an der Universität Innsbruck) und Barbara Neuwirth (Schriftstellerin) zusammen. Der Preis wird auf Vorschlag der unabhängigen Jury einer Schriftstellerin oder einem Schriftsteller der jüngeren oder mittleren Generation mit österreichischer Staatsbürgerschaft verliehen, „dessen oder deren Werk von hervorragender Relevanz für die literarische und gesellschaftliche Korrelation unserer Zeit ist“. Er gehört zu den renommiertesten österreichischen Literaturpreisen. Unter den Preisträgerinnen und Preisträgern befinden sich eine Reihe von prominenten Autorinnen und Autoren der Zweiten Republik wie Ingeborg Bachmann, Thomas Bernhard, Michael Köhlmeier, Arno Geiger, Sabine Gruber, Olga Flor, Robert Seethaler, Erich Hackl, Sabine Scholl, Daniel Kehlmann, Reinhard Kaiser-Mühlecker und zuletzt Andrea Grill.

Wildgans Preis 1
Autorin Getraud Klemm mit Christoph Neumayer (Generalsekretär der Industriellenvereinigung) © iv/Markus Prantl
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