Feierliche Eröffnung der Leipziger Buchmesse 2023 im Gewandhaus

Mit einem Festakt im Gewandhaus ist am Mittwochabend die Leipziger Buchmesse 2023 feierlich eröffnet worden. Bis zum Sonntag werden sich 2082 Ausstellerinnen und Aussteller aus 40 Ländern auf dem Messegelände mit ihren neuen Werken präsentieren. Als Gastland ist dieses Mal Österreich mit rund 200 Autorinnen und Autoren in der Messestadt. Parallel zur Messe findet überall in Leipzigs auch erneut das Lesefest „Leipzig liest“ statt.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung freute sich bei seiner Eröffnungsrede über das Stattfinden der Messe und Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, hob die Bedeutung der Literatur auch für die Demokratie hervor.

Nach Claudia Rath, Kulturministerin, und Michael Kretschmer, Sachsens Ministerpräsident, sprach Bundespräsident Alexander van der Bellen. Er betonte die Vorteile der Mehrsprachigkeit Österreichs für die Literatur und stellte seine eigenen Fähigkeiten in dieser Hinsicht unter Beweis. Er verlieh seiner Freude über den Gastland-Auftritt Österreichs Ausdruck und hofft darauf, dass die Vielfalt der österreichischen Literatur damit noch stärker jenseits der Landesgrenzen wahrgenommen wird.

Die russisch-jüdische Autorin Maria Stepanova, die 1972 in Moskau geboren wurde und derzeit im deutschen Exil lebt, ist Preisträgerin des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung 2023. Anlässlich der Eröffnung der diesjährigen Leipziger Buchmesse wurde sie am Abend des 26. April 2023 für ihren Lyrikband „Mädchen ohne Kleider“ ausgezeichnet. Die Laudatio hielt die Schweizer Literaturwissenschaftlerin, Autorin und Übersetzerin Ilma Rakusa. Anschließend bedankte sich Maria Stepanova mit einer Rede.

Die ausgezeichneten Gedichtzyklen Maria Stepanovas – so liedhaft wie erzählerisch – führen eindrücklich vor, wie sich in aktuelle Poesie ein waches Geschichtsbewusstsein einschreibt. Der Lyrikband „Mädchen ohne Kleider“ ist im Mai 2022 im Verlag Suhrkamp erschienen. Die viel gelobte Übertragung aus dem Russischen stammt von Olga Radetzkaja. Die Jury verwies in ihrer Begründung auch auf den Lyrikband „Der Körper kehrt wieder“ (2020) und den Roman „Nach dem Gedächtnis“ (2020).

Ilma Rakusa betonte in ihrer Laudatio auf Maria Stepanova, dass „der Begriff Weltpoesie zu kaum einer zeitgenössischen Lyrikerin so gut wie zu ihr (passe), die wie selbstverständlich mit Homer, Dante und Shakespeare, Goethe, Rilke und Celan, Walt Whitman, Emily Dickinson und T.S. Eliot, Ossip Mandelstam, Marina Zwetajewa und Joseph Brodsky in Dialog tritt.“ Sie sagte außerdem, dass Stepanovas großes Thema die Erinnerung sei, die sie in Fragmenten sammelt und neu zusammensetzt. „Maria Stepanova ist eine zauberische Verwandlerin: aus Kleinem macht sie Großes, aus Großem Kleines; ein Gang durchs Feld führt mitunter in die Tiefen der Historie, kosmische Zusammenhänge erschließen sich aus Schweißflecken, Wollmäusen, Fusseln.“ So entstehe eine „wahrhaftige“ und „welthaltige“ Poesie.

Maria Stepanova sagte, dass sie „durch (ihre) Geburt und (ihre) Staatsangehörigkeit mit einem Land verbunden (ist), das jetzt versucht, Europa zurück in die Vergangenheit zu werfen (…)“. Sie gehöre zu denen, „die in russischer Sprache schreiben und die versuchen, sie im Namen der Zukunft neu zu gestalten.“ Sie widersetze sich jenen Kräften, die versuchen, die russische „Sprache als Instrument der Gewalt und des Todes (zu) missbrauchen.“ Sie fragte in ihrer Rede, was Lyrik angesichts eines brutalen Krieges bewirken könne. Im Nachdenken über das Wirken von Poesie und das Schreiben in russischer Sprache setzte sie ihre berührende Rede fort.

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Foto: Leipziger Messe/Jens Schlueter
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