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Anzeiger 5/2021 – Neues lernen und Altes hinterfragen

Spannende Persönlichkeiten, Lösungen für dringende Probleme und frische Blickwinkel: Diese Sachbücher bieten Inspiration für die kommenden Monate

Text: Hannah Lea Jutz

In Zeiten, in denen Schule, Vorträge und Uni ausfallen, sind Sachbücher der ­ideale Weg, um doch noch etwas Neues dazuzulernen. Auch in diesem Frühjahr gibt es spannende Biografien, Ratgeber und Sachbücher zu aktuellen Themen abseits der Corona-Pandemie. Vier Buchhändler*innen stellen ihre liebsten Sachbücher vor, analysieren aktuelle Trends und zeigen die interessantesten Neuerscheinungen.

 

Historische Gebäude, spannende Biografien und alpine Raubkatzen:
Susanne und Ulla Remmer von Franz Leo & Comp. Universitätsbuchhandlung Wien

Seit über 200 Jahren gibt es die Universitätsbuchhandlung Franz Leo & Comp. in Wien bereits. Inzwischen leiten die Schwestern Susanne und Ulla ­Remmer die Traditionsbuchhandlung im ersten Wiener Gemeindebezirk.

Franz Leo & Comp. bietet eine große Auswahl an Büchern für jede Lebens- und Lesephase auf kleinem Platz. „Wir sind verlässliche Partner in Sachen Buch und waren auch im vergangenen Jahr stets präsent. Besonders wichtig ist uns, unseren Kunden und Kundinnen einen persönlichen und engagierten Service zu bieten.“ Im Sachbuchbereich deckt die Buchhandlung verschiedene Themen wie Geschichte, Natur und Musik ab und bietet zusätzlich viele Sachbücher für Kinder an.

Außerdem gibt es bei Susanne und Ulla Remmer viele Sachbücher zu Themen, die die beiden Buchhändlerinnen persönlich ansprechen. „Wir legen Wert auf Qualität, Aktualität und auf Themen, die zu uns passen und die uns auch selbst interessieren. Außerdem stechen wir gern mit Büchern zu bestimmten ­Nischenthemen hervor.“

Auf das neue Buch „Die Villen vom Ausseerland“ (Amalthea) von Marie-Therese Arnbom freuen sich beide schon sehr. Auch auf Titel wie „Über Gott und die Welt und die Liebe“ (Sonderzahl) vom kürzlich verstorbenen Philosophen Rudolf Burger oder „Der Kaiser reist inkognito“ (Penguin) von Monika ­Czernin, das von den Reisen und dem Regierungsstil des Habsburger Kaisers Joseph II. erzählt. Beliebt bei den Lesenden der Universitätsbuchhandlung sind auch Serien, wie die ­Frauenbiografiereihe aus dem Molden Verlag. Der neueste Band „­Elisabeth Petznek“ (Molden) von ­Michaela Lindinger ist aktuell besonders gefragt. „Auch die Bände von Herbert Lackner bei Ueberreuter sind hervorragend.“ „Rückkehr in die fremde Heimat“ (Ueberreuter) ist der jüngste Roman, der im Verlag erschienen ist. Verlage, die beide immer im Blick haben, sind Mandelbaum, Amalthea, Vandenhoeck & Ruprecht und Böhlau. „Wir freuen uns aber auch immer auf die neuen Programme von Kremayr & Scheriau, Brandstätter, Styria, Hanser, Matthes & Seitz und von vielen anderen Verlagen.“

Bemerkenswert finden die Buchhändlerinnen in letzter Zeit die Zunahme von hochwertig produzierten Büchern, auch  von wunderschön illustrierten Sachbüchern für Kinder jeder Altersstufe. Vermehrt aufgefallen sind Sachbücher zu den Themen Natur, Ökologie und Klima­wandel. „Eine Entdeckung war ,Der Schneeleopard‘ (rowohlt) von Sylvain Tesson.“

Aber auch Gender- und ­Frauenthemen sowie Biografien und Sachbücher zu zeitgeschichtlichen Themen sind im Trend. „Bei den Graphic Novels gibt es immer öfter sehr interessante Sachbücher, z. B. von Bahoe Books.“ Gern setzen Susanne und Ulla Remmer auch durch ansprechende Gestaltung der eigenen Auslage kleine Trends. „Auf der Hälfte unserer Fläche präsentieren wir Sachbücher. Wir legen großen Wert auf die Auslagen­gestaltung und bekommen viel Lob von unseren Kunden und Kundinnen dafür, wie anregend die Schaufenster sind.“

 

Sachbücher für Kinder, schöne Gestaltung und Gartenreisen:
Erwin Draxler von Draxlers Büchertheke

Auf knapp 100 Quadratmetern bietet Erwin Draxler in Leibnitz Lesefutter für alle Altersgruppen „im einzigen Bücherwohnzimmer der Südsteiermark mit Antiquariat“. Normalerweise ist die Büchertheke ein sozialer Treffpunkt mit vielen Lesungen. „Es tut gut, zu plaudern und sich untereinander auszutauschen.“ Auch während Corona haben die Kund*innen auf die Buchhandlung und ihren Service zurückgegriffen. „Je mehr man sich um sie kümmert, desto eher sind sie gewillt, nicht bei Amazon, sondern bei mir einzukaufen.“ Ein Schwerpunkt der Buchhandlung sind Kinder- und Jugendbücher. „Ich möchte gern das Lesen bei jungen Menschen ankurbeln. Außerdem ist es mir wichtig, Bücher zu haben, die in eine andere Richtung gehen. Wir sind keine Buchhandlung, die den Mainstream vertritt.“

Im Sachbuchbereich orientiert sich ­Draxler gern an seinen Kund*innen und führt Bücher zu Themen wie Architektur, Geografie, Kunst und Kultur. Aber auch Reise­literatur oder naturwissenschaftliche Bücher sind gefragt. „Ich mag Bücher, die komplexe Themen mit Lust und Spaß erklären. Ich habe auch viele Sachbücher für Kinder, Jugendliche und Junggebliebene.“

Beliebt ist die Sachbuchreihe von Adam Hart-Davis aus dem Knesebeck Verlag mit Titeln wie „Schrödingers Katze“ (Knesebeck) oder „Pawlows Hund“ (Knesebeck). Aber auch „Zeichen und Symbole“ (DK) und „Alle Welt. Das Landkartenbuch“ (Moritz) kommen beim jungen Publikum gut an. Bei den Erwachsenen richtet sich Draxler nach seinen Kund*innen und führt Titel wie „Die Welt aus den Angeln“ (Hanser) von Philipp Blom, „Klimawandel“ (Braumüller) von Marcus Wadsak oder „Einspruch“ (Brandstätter) von Ingrid Brodnig. „Wirklich schöne Bücher sind „Die Sprache der Bienen“ (Knesebeck) oder „Citrus Fruits“ (Taschen). Bei den Sachbüchern für Erwachsene verlässt sich Draxler gern auf den Knesebeck Verlag und im Bereich Architektur und Garten auf den Callwey Verlag. „Ich arbeite viel mit Kindergärten zusammen, dafür werde ich auch oft bei Dorling Kindersley, Kosmos oder Carlsen fündig.“

Die Coronakrise verursacht laut ­Draxler ein vermehrtes Interesse für Bücher zum Thema Garten und Reisen. Titel wie „Romantische Gartenreisen in England“ (Callwey), „Das neue Buch vom Leben auf dem Lande“ (DK) oder Enzyklopädien wie „Deine fabelhaften Kräuter“ (Löwenzahn) kommen besonders gut an.

„Bei den Kindern und Jugendlichen sind Aufklärungsbücher gefragt und nach wie vor – das ist seit Jahrzehnten schon so – Bücher über Dinosaurier!“ Draxler beobachtet neben einer steigenden Qualität bei den Büchern selbst auch eine erhöhte Nachfrage nach alternativen Inhalten. „Leider glauben trotzdem noch viele Menschen, das E-Book wäre das Allheilmittel für die Buchbranche, und vergessen dabei, dass Buchhandlungen auch soziale Treffpunkte sind. Wir haben ohnehin schon so viele Bildschirme im Alltag, da braucht es nicht noch einen mehr.“

 

Mehrsprachigkeit, Wien-Bezug und Nachhaltigkeit:
Romana Ledl vom Buchcafé Melange

Buchcafé Melange ist eine kleine Grätzlbuchhandlung mit Café im 15. Bezirk in Wien. Seit Oktober 2016 bietet Romana Ledl hier Bücher für Erwachsene und Kinder auf Deutsch, aber auch fremdsprachige Bücher. „Weil viele Menschen, die in Wien leben, mehr als eine Sprache sprechen, biete ich auch Bücher in jenen Fremdsprachen, die in Wien am weitesten verbreitet sind, Bosnisch, Kroatisch, Serbisch und Türkisch.“ Diese Wiener Mischung gibt es nicht nur bei Büchern, sondern auch bei Kaffee, Tee und Kuchen. „Von Baklava bis zur Wiener Melange, lautet die süße Devise.“

Passend dazu liegt der thematische Schwerpunkt auf der Mehrsprachigkeit. Highlights im vergangenen Jahr waren Bücher wie „Generation Haram“ (Zsolnay) von Melisa Erkurt, die gemeinsam mit dem Buchcafé Onlinelesungen veranstaltete.

Melisa Erkurt kam als Kind mit ihren Eltern aus Bosnien nach Österreich. „Sie ist Journalistin, hat aber auch als Lehrerin gearbeitet. Ihr geht es besonders um die „Verlierer*innen“ des Bildungssystems, denen sie ihre Stimme leiht.“ Ebenfalls gefragt war und ist das Buch „Sprache und Sein“ (Hanser) von Kübra Gümüşay. „Die Journalistin und politische Aktivistin geht in ihrem ersten Buch der Frage nach, wie Sprache unser Denken prägt und unsere Politik bestimmt. Sehr interessant und mit viel Hintergrundinformationen!“

Relevant für die Wiener Buchhandlung sind auch Bücher mit Wien-Bezug, wie „Wien abseits der Pfade“ ­(braumüller) von Georg Renöckl oder „Wildes Wien“ (Gmeiner) von ­Alexandra Maria Rath. „Gerade weil in den letzten Monaten so viel spaziert wird, ist eine Anregung für neue Wege eine willkommene Abwechslung.“ Mit ihren Interessen wird Ledl oft bei Hanser bzw. Zsolnay, Gmeiner, Brandstätter oder dem Braumüller Verlag fündig.

Neben Mehrsprachigkeit und Themen mit Wien-Bezug, führt das Buchcafé auch vermehrt Bücher zum Thema Nachhaltigkeit, wie das neue Kochbuch von Paul Ivić, „Restlos glücklich“ (Brandstätter). „Der Starkoch beschreibt seinen persönlichen Zugang zum Thema nachhaltiges Kochen, Kreislaufwirtschaft, Regionalität und Saisonalität. Auch Wurzel, Blatt, Schale und Kern werden gefeiert und zeigen, dass Nachhaltigkeit keinesfalls Verzicht bedeutet.“

Themen wie Kochen oder Backen sind durch den Lockdown bei den Kund*innen der Buchhandlung besonders beliebt geworden. Beeindruckt zeigt sich Ledl auch  von „Unsere Welt neu denken“ (Ullstein) der Autorin Maja Göpel. Sie ergründet, wie das Wohlergehen des Planeten mit dem der Menschheit versöhnt werden kann. „Da stehen Verbotsregime und Schuldfragen auf der einen Seite und Wachstumswahn und Technikversprechen auf der anderen Seite. Die Themen sind nicht neu, aber Maja Göpel wirft einen anderen Blick auf dieses sehr komplexe Gebiet. Unter dem Eindruck der Coronavirus-Pandemie erscheinen viele Passagen als sehr treffende Bemerkungen zur aktuellen Lage.“

 

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