anzeiger 1/2023 – Das Jahr 2022 in Zahlen

Die Buchbranche stöhnte unter steigenden Kosten, sinkenden Absatzzahlen und Inflation. Dem stationären Handel geht es besser als im Vorjahr, vom Vorkrisenniveau ist er aber weit entfernt.

Die Zeiten sind für die Buchbranche nicht leicht. Die Gründe dafür: steigende Energie- und Produktionskosten und sinkende Verkaufszahlen. Trotzdem brachte das letzte Jahr dem stationären Handel einen deutlichen Anstieg der Umsatzzahlen und verkauften Büchermengen.
Dies lässt sich mit den Auswirkungen der Pandemie erklären: 2021 gab es mehrere Lockdowns, daher steht 2022 im Vergleich besonders positiv da: Im stationären Handel ist ein Umsatzplus von 10,9 Prozent zu verzeichnen. Ähnlich sieht es beim Absatz aus: 2022 wurde in stationären Geschäften 9,2 Prozent mehr verkauft als im Jahr davor.
Die Zahlen aus dem stationären Handel tragen zum leichten Umsatzplus des Gesamtmarkts bei. Der Gesamtumsatz des Buchhandels ist im Vergleich zu 2021 um 0,9 Prozent gestiegen. Beim Absatz sieht es weniger erfreulich aus: Im Vergleich zu 2021 wurden 0,7 Prozent weniger Bücher verkauft.

Steigende Preise, sinkende Absätze
Der leichte Umsatzanstieg im Gesamtmarkt verglichen zum Jahr davor liegt nicht an höheren Absatzzahlen, sondern an den gestiegenen Buchpreisen. 2021 kostete ein Buch durchschnittlich 14,53 Euro, 2022 dann 15,32 Euro, ein Preisanstieg um 1,6 Prozent. Die Preissteigerung gleicht das Minus von 0,7 Prozent bei den verkauften Mengen aus.
Allerdings hinkte die Teuerung bei den Büchern weit hinter der aktuellen Inflationsrate her: Sie lag 2022 bei 8,4 Prozent. Um die Inflation auszugleichen, hätten die Bücher zusätzlich zum tatsächlichen Anstieg von 1,6  Prozent um weitere 6,8 Prozent teurer werden müssen.
Das Umsatzplus von über zehn Prozent im stationären Handel kommt folgendermaßen zustande: Es wurden mehr Bücher verkauft als im Lockdown-Jahr 2021, die Preise stiegen außerdem stärker an als im Gesamtmarkt. 2022 kostete ein Buch in der Buchhandlung vor Ort 1,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

Verluste im Vergleich zum Vorkrisenjahr
Wo der Buchhandel aktuell wirklich steht, lässt sich im Vergleich zum Vorkrisen­niveau feststellen. Verglichen mit 2019 stieg der Umsatz des Gesamtmarktes um 1,4 Prozent. Das geht vor allem auf die gestiegenen Preise zurück, die Bücher waren 2022 um 5,4  Prozent teurer. Das glich den Verlust bei den verkauften Mengen aus, diese gingen um 3,8  Prozent zurück.
Im stationären Buchhandel noch stärker: Hier sanken die Verkaufszahlen um 9,1  Prozent. Selbst die um 5,9 Prozent gestiegenen Preise konnten nicht für einen Ausgleich sorgen: Im Handel vor Ort ergibt sich ein Umsatzminus von 3,7 Prozent.

Etwas besser als in Deutschland
Zur Einordnung des Status quo hilft ein Blick in unser Nachbarland. Auch dort sind die Buchpreise im letzten Jahr gestiegen, deutlich mehr als hierzulande: Ein Buch kostete 2022 durchschnittlich 14,37 Euro, also um 5,7 Prozent mehr als 2021. Anders als in Österreich machte dies den sinkenden Absatz nicht wett: Der Gesamtumsatz der deutschen Buchbranche sank um 2,1 Prozent.
Der stationäre Handel legte auch in Deutschland zu, allerdings weniger stark als in Österreich: Der Umsatz stieg im Vergleich mit 2021 um 4,8 Prozent – was auch hier mit wochenlangen Lockdowns im Vorjahr zu tun hat.

Gewinner und Verlierer: Warengruppen im Vergleich
Beim Umsatzvergleich der Warengruppen stechen die Reisebücher besonders hervor. Im österreichischen Gesamtmarkt erreichten sie den größten Umsatzanstieg: plus 20,8 Prozent im Vergleich zu 2021. Im Vergleich zu 2019 war der Umsatz jedoch um 18,3 Prozent geringer.
Das stärkste Wachstum gegenüber dem Vorcoronajahr verzeichnet die Belletristik: plus 14,8 Prozent im Vergleich zu 2019. Im Vergleich zu 2021 sind es plus 8,2 Prozent. Dazu beigetragen hat der Preisanstieg von 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der zweithöchste im Warengruppenvergleich.
Die am stärksten angestiegenen Buchpreise gab es in der Kinder- und Jugend­literatur: Ein Buch kostete durchschnittlich um 3,7  Prozent mehr als 2021. Mit der Belletristik ist diese Gruppe die einzige mit einem Umsatzanstieg zum Vorjahr (+ 0,3 Prozent) und zu 2019 (+ 9,4 Prozent). Alle anderen Warengruppen haben im Vergleich zu beiden Jahren verloren.

Hoffnung un Wünsche fürs neue Jahr
Coronabedingte Umsatzeinbrüche konnten zwar zum Teil wieder ausgeglichen werden, doch der Buchhandel befindet sich in einer schwierigen Phase. Allein durch weitere Preiserhöhungen im kommenden Jahr werden sich steigende Kosten, sinkende Absätze und Inflation kaum ausgleichen lassen. Was bleibt, ist das Vertrauen auf die Resilienz und Innovationsfähigkeit der Branche. Und die Hoffnung, dass uns 2023 keine neuen Krisen heimsuchen werden.

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