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Anzeiger 6/2021 – Das verbindende Element

So sehen die neuen und wiedergewählten Vorstandsmitglieder den HVB. Was ihnen für die Zukunft der Branche wichtig ist, erklären sie hier.

Text: Lisa Schöttel

Ein turbulentes Jahr hat der Buchbranche viel an Durchhaltevermögen abver­langt. Doch die Krise hat auch den Zusammenhalt ge­stärkt und die Gemeinschaft gefestigt. Auto­r*innen, Verlage, Auslieferungen, Ver­lags­vertreter*innen und Buchhandlungen wur­­­den sich ihrer symbiotischen Beziehung in der Wertschöpfungskette bewusst und haben gemein­same Interessen wieder in den Vordergrund gestellt. Aufgabe des HVB als Dachverband war und ist, die gemeinsamen Interessen zu bündeln und nach außen zu ver­treten, besonders bei Regierung und öf­fent­­lichen Institutionen. Der HVB und seine einzelnen Verbände fungieren als Lobby und Sprachrohr der Branche bei Öffentlichkeit und Politik, was sich in der Krise als wichtiger denn je erwiesen hat und in Zukunft, die ja auch nicht leichter werden wird, Stichwort Klimawandel, weiter von hoher Bedeutung sein wird.

Die Buchbranche in der Pandemie

„Die Pandemie hat der Branche erst richtig gezeigt, wie sie auf Krisen reagiert und was sie leisten kann“, sagt Hauptverbandspräsident Benedikt Föger, Verleger des Czernin Verlags. „Der Hauptverband konnte in enger Zusammenarbeit mit Politik und Medien für die Branche tätig werden, informieren und branchenspezifische Anliegen klären. Die Themen Buch, Literatur und Buchhandel wurden durchgehend und stark im medialen Diskurs gehalten.“ Entscheidend dafür ist die gut eingespielte Infrastruktur aus HVB und Verbänden, durchaus keine Selbstverständlichkeit, sondern Frucht einer jahrelangen ­konti­nuierlichen Zusammenarbeit. „Es war inspirierend zu erfahren, dass wir gemeinsam diese Krise bewältigen konnten, noch dazu auf wirklich beeindruckende Weise.“ Auch Dialog wie Zusammenarbeit mit europäischen Kolleg*innen im europäischen Verlegerverband FEP stellten sich in der Pandemie als wichtig heraus, um erfahren zu können, wie andere Länder und Gesellschaften die Probleme bewältigten. Das hat auch bei eigenen Lösungsansätzen geholfen. „Wir arbeiten in der gesamten Wertschöpfungskette sehr kollegial zusam­men. Das gemeinsame Interesse steht im Vordergrund, wirklich etwas Besonderes, das die Buchbranche ausmacht.“

Der Einsatz des HVB hat Unterstützungs­maßnahmen möglich gemacht: Die rasche Senkung der Mehrwertsteuer für Bücher und E-Books von 10 auf 5 Prozent im Juli 2020 brachte eine starke Entlastung der Buchhandlungen und Verlage. So konnten teils dramatische Umsatzeinbrüche abgefedert werden. In Absprache mit der Politik wurde diese Sonderregelung verlängert und bleibt noch bis Ende 2021 in Kraft. Die Initiative „Digitalförderung Buchbranche“ brachte Zuschüsse in der Höhe von 250.000 Euro für digitale Projekte als neue Kommunikations- und Vertriebswege der Branche. Und die Erhöhung der Verlagsförderung um 800.000 Euro war eine der ersten Hilfsmaßnahmen im Kulturbereich überhaupt.

Auch in der Krise ermöglichte die bestehende Infrastruktur dem Buchhandel, trotz unterschiedlicher Sicherheitsmaßnahmen und Sonderregelun­gen weiterzumachen, etwa mit dem Verzeichnis lieferbarer Bücher VLB und seinen zwei Millionen Titeln über die eigenen Onlineshops. Unterstützung bot auch die rasch angepasste Logistik der Auslieferungen. Und nicht zuletzt kam die Buchpreisbindung dem Buchhandel während der Schließungen besonders zugute, auch gerade beim Onlinehandel der kleineren und unabhängi­gen Buchhandlungen. Die lang erarbeitete Infrastruktur, das Engagement, die Zusammenarbeit und die Kreativität aller in der Branche haben laut Föger dazu beigetragen, aus den neuen Umständen das Beste zu machen.

Das Verbindende vor das Trennende stellen

Das Vertrauen in den Verband als Gemeinschaft, der sich für die Interessen der ganzen Branche einsetzt, ist auch aus Sicht von Alexander Potyka, dem Vorsitzenden des Österreichischen Verlegerverbandes und Verleger des Picus Verlags, entscheidend. Sein Anliegen ist stets, das Verbindende vor das Trennende zu stellen. „Es ist nicht immer leicht, in der Verbandsarbeit einen gemeinsamen Nenner zu finden, kommen hier doch sehr unterschiedliche Partner, vom Schulbuchverlag bis zum schöngeistigen Belletristikverlag, mit auch durchaus unterschiedlichen geschäftlichen Ausrichtungen zusammen.“

Helmut Zechner, Vorsitzender des Österreichischen Buchhändlerverbandes und Inhaber der Buchhandlung Heyn, betont, wie wichtig es sei, dass sich die Branche gemeinsam präsentiert. „Nur in der Gemeinschaft können wir Stärke bei den für uns wichtigen Themen bei für uns relevanten Proponenten aus Politik, Medien und Öffentlichkeit zeigen.“ Laut Zechner sei es immer Aufgabe der Gruppe, „die Interessen der Branche aus der Branche heraus zu erkennen, zu definieren, sie zu bündeln und nach außen zu argumentieren.“

Die Kommunikation von Hauptverband und Verlegerverband mit Partner*innen in Politik und Verwaltung wird seit vielen Jahre ruhig, gelassen und seriös geführt. So konnte sich eine besondere Gesprächskultur etablieren. Dies ist der Branche in der Krise zugutegekommen. „Unsere Gesprächspartner wissen, dass wir verantwortungsvoll argumentieren“, sagt Alexander Potyka. „Nun haben alle einmal mehr erfahren, wie tragfähig diese Kommunikation und wie hoch unsere Glaubwürdigkeit ist. So kann es vernünftig sein, im Krisenfall ein vernünftiges Gespräch einem medienwirksamen Aufschrei vorzuziehen. Unsere gute Gesprächsbasis hat sich über die Jahre hinweg entwickelt. Wichtig dabei: Stets im Dialog bleiben, nicht nur dann kommen, wenn man etwas will.“

Diplomatisches Fingerspitzengefühl

„Die Vorstandsmitglieder des Hauptverbands in den fünf Fachverbänden sind ehren­­amtlich tätig, haben aber auch Unternehmen mit Mitarbeiter*innen und Kund*innen zu führen“, sagt der Buchhändler­ver­bands­vorsitzende Zechner. Das bedeute viel Aufwand bei Abstimmungen und dem Ausgleich der Interessen – „also diplo­ma­tisches Fingerspitzengefühl.“ Es liegt in der Natur ihrer unterschiedlichen Geschäfte, dass Buchhändler*innen andere kaufmännische Überlegungen umtreiben als Verlagsvertreter*innen oder Auslieferer. Hier gilt es, einen Ausgleich zu finden. Bei aller Vielfalt der Meinungen sind Kompromisse zum Nutzen aller entscheidend. „Und mit geeinter starker Stimme der Öffent­lichkeit die Anliegen der Branche zu vermitteln“, erklärt Bernhard Spiessberger, Vorsitzender des Österreichischen Verlags­vertreter­verbandes. „In Zeiten, da der Ton bei politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftsrelevanten Themen rauer wird, ist eine Interessensvertretung wichtiger und notwendiger denn je.“

Unüberbrückbare Interessenskonflikte hat der Antiquar Michael Steinbach, langjähriger Vorsitzender des Österreichischen Anti­quariats­verbandes, in den Verbänden des HVB bisher nicht wahrgenommen. „Da wir nur mit alten Büchern handeln, gibt es mit den anderen Verbänden nur wenige Berührungspunkte.“ Vorwiegend kommuniziere er mit der Geschäftsstelle des HVB, und das klappe hervorragend. Einmal im Jahr treffen die Antiquar*innen zu einer Vollversammlung zusammen. „Aufgrund der Pandemie waren es in diesem Jahr ein bisschen weniger, weil viele gerade erst ihr Geschäft wieder öffnen konnten.“

Persönlich vernetzen: Die Buch Wien im Herbst

Corona habe zwar gezeigt, wie sich Treffen schnell und kurzfristig digital ausrichten lassen, „ohne dass alle anreisen müssen“, sagt Alexander Potyka. Gleichzeitig wurde vielen bewusst, wie wichtig der persönliche Kontakt ist. Die „unscharfe Kommunikation“ bei Messen und Großveranstaltungen neben den vereinbarten Arbeitsterminen sei von eminenter Bedeutung. „Wer jahrelang auf Buchmessen war, klagt mitunter, wie anstrengend, ineffizient und aufwendig das sein kann. Nun aber haben die meisten in der Krise doch gespürt, wie wichtig der persönliche Austausch ist und wie sehr er ihnen gefehlt hat.“ Für zukünftige Veranstaltungen sei wie vor der Pandemie zu planen. „Wenn wir dann Pläne verwerfen müssen, ist es eben so. Schlimmer wäre es, gar keine Pläne zu haben.“

Groß ist also die Vorfreude auf die Buch Wien, die in diesem Jahr wieder stattfinden darf. Sie soll vom 10. bis 14. November stattfinden. Laut Potyka sei vorsichtig optimistische Planung angebracht, um sich auf eine Normalisierung vorzubereiten. „Niemand weiß, wie die Situation nach dem Reisesommer sein wird“, sagt auch Benedikt Föger. „Darum planen wir so, als ob die Pandemie im Herbst noch voll am Laufen wäre. Es wird noch einige Zeit brauchen, um einen Normalzustand herzustellen. Zu viel Unsicherheit besteht. Trotzdem bin ich optimistisch, dass sich die Situation über den Sommer normalisieren wird.“

Drei Frauen als neue Vorstandsmitglieder im HVB

Die Wahlen im Mai brachten auch neue Vorstandsmitglieder. Neu im HVB-Vorstand ist etwa Marion Oeller, Inhaberin der Wiener Buchboutique im vierten Bezirk in Wien, die sich in dieser neuen Tätigkeit für die Erhöhung der Sichtbarkeit des Buchhandels einsetzen möchte. Am HVB schätzt sie die starke Vertretung nach außen und damit die Erhöhung der Sichtbarkeit der Branche sowie das breite Serviceangebot für die Mitglieder wie Rechtsberatung, Schulungsmöglichkeiten sowie die Un­ter­stützung bei Veranstaltungen und Werbe­maßnahmen.

Annette Knoch, ein weiterer Neuzugang im Vorstand, ist Verlegerin und leitet seit 2003 den in Graz ansässigen Literaturverlag Droschl. Schon seit vielen Jahren ist sie mit dem Verlag Mitglied im Hauptverband. „Als ich gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, in den Vorstand zu gehen, habe ich ohne Zögern zugesagt.“ Es sei an der Zeit, mit ihrer Arbeit im Vorstand dem HVB auch etwas zurückzugeben. Aus ihrer Sicht ist die Buchpreisbindung eine der wichtigsten Leistungen des HVB in den vergangenen Jahren. Sie hat auch in der Corona-Krise dazu verholfen, dass der Buchhandel nicht von Onlineriesen ausgebootet wurde.

Das dritte neue Vorstandsmitglied ist Renate Fladischer, seit 2021 selbstständige Vertreterin für die Kinderbuchverlage Carlsen, arsEdition, Thienemann-Esslin-ger und Kaufmann Verlag in Wien, Nieder-österreich, Burgenland und der Steiermark. Sie hebt das gemeinsame Miteinander der Branche in der öffentlichen Diskussion als wichtigsten Punkt hervor. Ihr Wunsch für die Zukunft? „Dass wir einen starken Blick auf das Kinderbuch haben und diesen Blick auch medial noch ausbauen.“

Die Buchhändlerin Marion Oeller hofft, mit ihrer Position neue Sichtweisen und Möglichkeiten für Ein-Personen-Unternehmen und Quereinsteiger*innen einbringen zu können. Verlegerin Annette Knoch sieht die Novellierung des Urheberrechts als ein wichtiges Thema für die Zukunft im Vorstand. Diese Novellierung gehe mit der Digitalisierung einher, um auf die Veränderungen der medial agierenden Gesellschaft reagieren zu können.

Pläne für die Zukunft

Für Helmut Zechner ist „das Vorantreiben der Digitalisierung im Buchhandel durch Überzeugungsarbeit und Unterstützung im Rahmen unserer Möglichkeiten ein großes Anliegen. So können unsere Mitglieder noch besser auf die digitalen Herausforderungen reagieren.“ Ganz entscheidend sei die Beibehaltung der Buchpreisbindung und im Besonderen die Rücksichtnahme auf die Gegebenheiten des österreichischen Buchhandels bei allen legislativen Maßnahmen, auch auf EU-Ebene. „Am Ende soll es der Buchbranche gut gehen, das ist das oberste Ziel. Und natürlich wünsche ich mir, dass der HVB dafür arbeitet und unsere Mitglieder dies erkennen und positiv bewerten.“

Antiquar Michael Steinbach wünscht sich eine größere Sichtbarkeit der Antiquariate in der Öffentlichkeit. „Sie reden mit jemandem und bemerken, dass der Begriff Antiquariat nur den wenigsten geläufig ist – schon gar nicht den Jungen.“ Sein Hauptanliegen sei es, hier Aufmerksamkeit zu erzeugen: „Jedes alte Buch ist eine Bereicherung, weil es so viel an Informationen und Wissen hergibt, das man nicht über Google bekommt.“

Für den Verlegervorsitzenden Alexander Potyka besteht die große Herausforderung in Zukunft darin, verstärkt auf die Bedürfnisse einzelner Verlagssparten einzugehen, was durch die Bildung von Arbeitsgruppen erleichtert werden soll, wo sich diese Inte­ressen artikulieren können. „Die Kinder- und Jugendverlage etwa haben eine gemeinsame Arbeitsgruppe. Aber die Bildung solcher Gruppen muss von den Betroffenen vorangetrieben werden, das kann ich nicht als Vorsitzender betreiben“, erklärt er.

Der Verlagsvertretervorsitzende Bernhard Spiessberger wünscht sich, dass alle Interessen der Branche – vom kleinen Verlag über die Auslieferung bis hin zur großen Buchhandelskette – ein gemeinsames Ziel verfolgen: Die Vermittlung der Notwendigkeit einer unabhängigen und qualitativ hochwertigen Buchproduktions- und Buchhandelsstruktur in Österreich.

 

(c) Georg Feierfeil
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