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anzeiger 3/2021 – Schaurig schön

Der Krimi-Frühling bringt beliebte Fortsetzungen, neu aufgelegte Klassiker und spannende Novitäten. Österreichische Buchhändler*innen nennen ihre Favoriten.

Text: Hannah Lea Jutz

Im Krimi- und Thrillerbereich gibt es neben neuen Bänden aus bekannten Reihen auch einige Debüts in den Verlagsprogrammen. Dazu kommen auch Polit- und Ökothriller. Vier Buchhändler*innen stellen ihre liebsten Neuerscheinungen von österreichischen und internationalen Krimi- und Thrillerautor*innen vor.

 

Politische Intrigen, gefährliche Ermittlungen, Undercover-Lockvögel: Michaela Bokon von der Thalia Buchhandlung Wien-Mitte

Michaela Bokon arbeitet seit der Eröffnung im Mai 2000 in der Thalia Buchhandlung Wien Mitte. Seit 2002 ist sie dort Filialleiterin und versorgt mit ihren 89 Mitarbeiter*innen den dritten Bezirk mit Lesestoff. Belletristik bildet ihren fachlichen Schwerpunkt, daher finden sich in der Buchhandlung auch zahlreiche Krimåis und Thriller. „Wir präsentieren ungefähr 200 Novitäten auf unseren Tischen und achten dabei sehr auf saisonale Themen.“ Außerdem legt Bokon Wert auf Werbekampagnen und Medienunterstützung. „Bei einigen Autor*innen machen wir auch Sonderpräsentationen mit relevanten Backlisttiteln.“ Besonders gefragt in der Thalia Buchhandlung sind Politthriller, österreichische Krimis und Serienkrimis, beispielsweise von Martin Walker oder Donna Leon.

Bei den Neuerscheinungen freut sich Bokon in diesem Frühling auf den Kriminalroman „Lockvogel“ (Haymon) von Theresa Prammer, in dem die Schauspielschülerin Toni als Lockvogel engagiert wird und herausfinden muss, ob die Belästigungsvorwürfe gegen einen bekannten Starregisseur wahr sind. Auch auf den zweiten Bronski-Krimi „Gegenlicht“ (btb) von Bernhard Aichner ist die Buchhändlerin gespannt. Im neuen Band untersuchen David Brons­ki und seine Kollegin Svenja Spielmann das tragische Schicksal eines afrikanischen Geflüchteten und begeben sich dabei selbst in Gefahr. Mit Spannung erwartet Michaela Bokon auch den Politthriller „Der Fall des Präsidenten“ (blanvalet) von Marc Elsberg. Im Buch wird der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten bei einem Besuch in Athen festgenommen. Für die Juristin Dana Marin beginnt damit ein Kampf gegen übermächtige Gegner. Besonders gerne durchstöbert Bokon die Verlagsprogramme von Diogenes, Atlantik, Haymon, Residenz, Hanser, Styria sowie Kremayr & Scheriau.

In diesem Jahr sind ihr dabei besonders viele sozialkritische und politische Titel aufgefallen. Aber auch Umweltthemen sind omnipräsent. „Großen Zuspruch gibt es auch im Bereich der Psychologie und Philosophie. Die Menschen suchen Werte und Halt. Das ist auch unsere Aufgabe als Buchhandlung, dass wir ihnen bei dieser Suche helfen und Anreize geben.“ In der Buchhandlung in Wien Mitte geschieht dies in Form von Thementischen. Kürzlich gab es einen Tisch mit Titeln zum Thema Demokratieverständnis und österreichischer Politik mit der Überschrift: „Wenn es heißt, ein Mensch sei unbestechlich, frage ich mich unwillkürlich, ob man ihm genug geboten hat.“ „Ich mag provokante Überschriften, die die Menschen aufrütteln.“ Im Krimi-Bereich sind speziell Autor*innen wie Marc Elsberg und Tom Hillenbrand sowie Titel gefragt, die Szenarien schildern, die jederzeit eintreten können. „Und natürlich boomen auch österreichische Autoren schon seit Längerem.“

 

Zwischen Klassikern, exotischen Neuerscheinungen und bekannten Lieblingen: Elisabeth Schippel vom Krimisalon

Elisabeth Schippel ist Inhaberin des Krimisalons im sechsten Bezirk in Wien. Vor vier Jahren eröffnete Schippel die Ein-Raum-Buchhandlung in der Magdalenenstraße. Inzwischen ist die Buchhandlung zu einem beliebten Treffpunkt im Grätzel avanciert und Inhaberin Schippel ist dankbar für ihre Stammkund*innen. „Ich versuche, die unterschiedlichen Vorlieben möglichst breit abzudecken und meine Auswahl so zu treffen, dass für jeden und jede etwas dabei ist.“ Im Krimisalon finden sich neben aktueller und klassischer Krimiliteratur auch viele Bilderbücher für Kinder und Erwachsene. Außerdem gibt es verschiedenste Titel, wie Reisebücher von schaurigen Orten oder spannende Geschichten, die das Leben schrieb. Die für Serienfans beliebten prominenten Reihen von Martin Walker oder Donna Leon haben ebenso Platz wie österreichische Krimis, Klassiker und „exotische“ Krimis. „Und natürlich suche ich auch Bücher aus, die ich selbst mag.“

Im klassischen Genre freut sich Elisabeth Schippel in diesem Jahr auf die Neuauflage von „Zwei Fremde im Zug“ (Diogenes) von Patricia Highsmith. Spannend findet Schippel auch den neuen Roman „Das Baby ist meins“ (Blumenbar) von Oyinkan­ Braithwaite, der interessante Einblicke in den nigerianischen Lebensstil gibt. Das Buch handelt von zwei Frauen, die beide behaupten, die Mutter desselben Kindes zu sein. Für Serienliebhaberinnen dürfen auch der dritte Band der Vanitas-Reihe „VANITAS­ – Rot wie Feuer“ (Knaur) von Ursula Poznanski und der letzte Teil der Island-Trilogie „Der Käfig“ (Dumont) von Lilja Sigurðardóttir­ nicht im Krimisalon fehlen. Bei den österreichischen Neuerscheinungen freut sich Schippel ebenfalls auf „Lockvogel­“ (Haymon­) von Theresa Prammer, neue Krimis von Bernhard Aichner­, etwa „Dunkelkammer­“ (btb,) und den Thriller „Der Fall des Präsidenten“ (blanvalet­) von Marc Elsberg­. Aber auch der letzte Band der Venedig-Trilogie, „Es gibt keinen böseren Engel­ als die Liebe“ (S. Fischer), von Gerhard Roth wird im Krimisalon neben vielen Klassikern, wie beispielsweise der Herr-Groll-Reihe (Otto Müller Verlag) von Erwin Riess, im Regal stehen. Schippel schätzt Verlage, die noch unbekannte Autor*innen im Programm haben, und Verlage mit Literatur von Frauen, wie das Krimiprogramm „Ariadne“ des ­Argument Verlags mit Titeln wie „Die Nacht ist vorgedrungen“ von Doris Gercke oder „Alle kleinen Tiere“ von Anne Goldmann­.

Bestimmte Trends im Krimi- und Thrillerbereich sind Schippel in diesem Frühjahr nicht aufgefallen. „Es werden aktuell die unterschiedlichsten Sachthemen recherchiert, aufgearbeitet und dann in Krimis verpackt.“ Nach einem Corona-Krimi hält die Buchhändlerin noch Ausschau, fündig geworden ist sie noch nicht wirklich. Allerdings beo­bachtet sie, dass es immer mehr Öko-Thriller, wie „Klima“ (Goldmann) von David Klass, gibt. Im Thriller versucht ein junger Datenanalyst einen gefährlichen Terroristen zu finden, der mit seinen Anschlägen Ziele zerstört, die die Umwelt bedrohen. Doch als er dem Täter auf die Spur kommt, wird ihm bewusst, dass dieser vielleicht die Welt retten könnte. Im Krimisalon legt Schippel aber ohnehin keinen großen Wert auf Trends. „Es ist ein kleines Geschäft, das sich dadurch auszeichnet, dass auch älteren beliebten Titeln Raum gegeben wird.“

 

Von Kanada über London bis nach Wiener Neustadt: Maximilian Huber von der Buchhandlung Hikade

Maximilian Huber arbeitet in der Buchhandlung Hikade, die heuer 25 Jahre alt wird. 1996 hatte Roswitha ­Hikade, damals Filialleiterin einer Konzernbuchhandlung, beschlossen, sich selbstständig zu machen und in der Schulgasse in Wiener Neustadt „Bücher Hikade“ zu eröffnen. „Die Philosophie ist, nicht nur Bücher zu verkaufen, sondern auch Kultur und Wissen zu vermitteln, Beratung und Service anzubieten und möglichst jeden Kund*innenwunsch ernst zu nehmen. Auch soll gesellschaftspolitisch Stellung bezogen werden, etwa durch die Vermittlung von Autor*innen, Veranstaltungen, Lesefeste, Buchwochen und durch Leseförderung von Kindern und Jugendlichen.“ Mittlerweile befindet sich die Buchhandlung in der Herzog-Leopold­-Straße und gehört Esther Poppinger. Schwerpunkte: Kinder- und Jugendbücher, österreichische und internationale Literatur, Zeitgeschichte, Kochbücher, Reiseliteratur, Graphic Novels und Krimis. „Es gibt nix, was es nicht gibt“ ist der Leitspruch in der Buchhandlung.

Auch bei Kriminalliteratur gilt bei Hikade­: „Man muss den Geschmack seiner Kund*innen genau kennen, Trends rechtzeitig erkennen und natürlich einen Großteil der wichtigsten Autor*innen gelesen haben.“ Bei der Auswahl legen Huber und seine Kolleg*innen großen Wert auf eine Mischung von Klassikern wie Georges ­Simenon, Patricia Highsmith, Arthur ­Conan Doyle und Bestsellerautor*innen wie Donna Leon, Ingrid Noll, Martin Walker. Heuer freuen sie sich besonders auf die Neuerscheinungen des Tiroler Haymon Verlags mit Tatjana Kruse, Theresa Prammer, Erwin Riess, Stefan Slupetzky und Thomas Baum. Weitere Highights für Huber: Der zweite Capri-Krimi „Bittersüße Zitronen“ von Luca Ventura, der dreißigste Brunetti-Fall von Donna Leon, „Flüchtiges Begehren­“, „Connaisseur­“ von Martin Walker, Patricia High­smiths „Zwei Fremde im Zug“ und „Kein Feuer kann brennen so heiß“ (alle: Diogenes) von Ingrid Noll. Sein Favorit unter den Krimi-Verlagen ist der Züricher Kampa Verlag mit Neuausgaben der Maigret-Fälle wie „Maigret­ zögert“ von Georges Simenon und der Qualität des Programms. „Meine Lieblingsautorin ist die Kanadierin Penny Louise mit ihrer Inspektor-Gamache-Serie.“ Außerdem schätzt er die Krimireihe von Robert Galbraith, Pseudonym von J. K. Rowling, „Böses Blut“ (blanvalet) erschien im Dezember 2020. Der Privatdetektiv Cormoran Strike und seine charmante Partnerin Robin Ellacott kämpfen darin mit den Schattenseiten des heutigen London.

„Trends sind nicht leicht auszumachen, da die Neuerscheinungsflut langsam unübersichtlich wird.“ Auch die internationalen Verlage hätten sich auf Regionalität besonnen, was der Qualität der Bücher nicht immer guttue. Es gäbe eine Rückkehr zu Klassikern, die neu aufgelegt oder übersetzt werden. „Das wird auch von den Kund*innen gut angenommen.“ Weniger begeistert ist der Buchhändler von der zunehmenden Flut an Hardboiled-Krimis. „Dafür bin ich wohl zu zartbesaitet.“

 

Heimische Ermittelnde und exotische Wälzer: Irene Alexowsky von Buchhandlung Alexowsky

In ihrem Maturajahr gründete Irene Alexowsky mit ihrem Mann Wolfgang die Buchhandlung Alexowsky in Groß-Enzersdorf. Seitdem bietet sie klassische und aktuelle Literatur sowie ausgewählte Papeterie, Bürobedarf und Geschenke an. Besonders wichtig sind neben Kinderbüchern auch Bücher mit Regional­bezug. 2018 wurde die Buchhandlung mit dem Österreichischen Buchhandlungspreis ausgezeichnet.

„Wir fördern österreichische Verlage und österreichische Autor*innen.“ Individuelle Beratung und die Erfüllung der Kund*innenwünsche stehen in der Buchhandlung Alexowsky an erster Stelle. „Wir starten sehr optimistisch in den Frühling! Unsere Kund*innen wollen ihren Geist schulen und sich weiterbilden – sie wollen lesen! Also bekommen sie dazu genug ‚Futter‘ von uns!“

Bereits im Winter hat Irene Alexowsky bemerkt, dass sie sich beim Einkaufen der Bücher nicht zurückhalten muss. „Wir haben zu Beginn des Herbstes zögerlich und sehr vorsichtig eingekauft und dann alle drei bis fünf Tage nachbestellen und ergänzen müssen, weil wir diese besondere Situation und unseren Onlineshop nicht richtig einschätzen konnten.“ Im Frühling freuen sich Alexowsky und ihre Mitarbeiter*innen sehr auf „Dunkelkammer“ (btb) von Bernhard Aichner, „Der Fall des Präsidenten“ (blanvalet) von Marc Elsberg und „Das schwarze Band“ (Limes) von Alex Beer. Letzteres ist der vierte Fall für den Wiener Ermittler August Emmerich.

Der kürzlich erschienene Krimi „Steirertanz“ (Gmeiner) von Claudia Rossbacher kommt bei den Kund*innen in Groß-Enzersdorf gut an und wird fleißig nachgefragt. Im Roman geht das Ermittlerteam rund um Sandra Mohr am Grundlsee einem Brand mit Todesopfer nach. Auch der Roman „Bad Regina“ (Kiepenheuer & Witsch) von David Schalko erfreut sich aufgrund seines Österreichbezugs großer Beliebtheit in der Buchhandlung Alexowsky­.

Zu den Trends und ihren Kund*innen sagt Alexowsky: „Die Leser*innen sind teilweise auf der ‚sicheren Seite‘, lesen Neuheiten von Bestsellerautor*innen wie „Kein Feuer kann brennen so heiß“ (Diogenes) von Ingrid Noll oder „Todesrauschen“ (droemer) von Vincent Kliesch, auf Basis einer Idee von Sebastian Fitzek.“

Gleichzeitig bemerkt die Buchhändlerin aber auch die Nachfrage nach anspruchsvollen Krimis, Thrillern und Romanen, wie „Die geheime Mission des Kardinals­“ (Hanser) von Rafik Schami oder „Das Geheimnis­ von Zimmer 622“ (Piper) von Joël Dicker. „Mit ihren 500 bis 700 Seiten starken Werken sollte man ja glauben, dass es keine sehr große Anzahl von Leser*innen gibt – doch die haben nun Zeit und nehmen sich diese gern, um in diese Geschichten richtig hineinzufallen, sie lassen sich darauf ein.“

Generell beobachtet Alexowsky, dass es viele sehr aufmerksame Kund*innen gebe, die auch wissen, was sie wollen, und bereits vorinformiert sind. „Aber natürlich akzeptieren sie auch gern persönliche Empfehlungen von uns Buchhändler*innen.“

 

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