Was dieser Tage in vielen österlich dekorierten Auslagen so mancher Buchhandlungen in Form von motivisch gestalteten Büchern etwa als Osterei oder Osterhase zu finden ist, ist keineswegs eine Erfindung des späten 20. oder 21. Jahrhunderts, sondern zeigt vielmehr einen in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts gestarteten Erfolgszug derartiger Bücher auf. So sind auch schon im antiquarischen Kinderbuch Spezialthemen etwa zu großen Feier- und Feststagen des Jahres, wie Ostern oder Weihnachten zu finden, die ab dem 20. Jahrhundert zunehmend von ihrer religiösen Komponente entkoppelt wurden.
Ein exemplarisches Beispiel ist das um 1900 erschienene Buch „Ostereier“ von Theresa Gröhe (unter dem Pseudonym T. Resa) das in Form eines Hasen ausgestanzt ist. Dargestellt wird ein grauer Hase mit reich mit Ostereiern gefülltem Korb am Rücken und einem Hut, der an einer seiner Vorderläufe baumelt und ebenfalls mit Ostereiern gefüllt ist. In diesem Hasen-Buch verbergen sich dann farbige Illustrationen und kurze (Sing-)Reime.


Rückseite und Vorderseite des Buches „Ostereier“ von Theresa Gröhe (c) Antiquariat Burgverlag
Der Buchinhalt wird hier gewissermaßen auch in eine haptische Ebene übertragen bzw. durch diese ergänzt und soll natürlich auch Kaufanreiz bieten. Derartige Beispiele waren bereits vor 100 Jahren fester Bestandteil des österlichen Sortiments einer Buchhandlung: So findet sich im Allgemeinen Tiroler Anzeiger vom 29. März 1929 etwa eine Anzeige der Tyrolia Buchhandlung für „Die schönsten Osterhasenbücher für die ganze Kleinen“. Beworben werden hier etwa „Häschens Osterei. Mit bunten Bildern und Gedichten. In Form eines Eies“ oder auch „Der Zuckerhase. Ein schönes Bilderbuch in Form eines Hasen“.
Wenn die Suche nach einem alten Kinderbuch heute erwachsene Personen in ein Antiquariat bringt, hat dies meistens einen der folgenden Beweggründe: Entweder das Festhalten an Kindheitserinnerungen und damaligen Lieblingsbüchern und den Wunsch diese nun mit nachfolgenden Generationen zu teilen oder eine bibliophile Sammelleidenschaft und die Jagd nach möglichst gut erhaltenen Büchern, die viele neugierige Kinderhände mal mehr, mal weniger unbeschadet überstanden haben. Besonders ersteres zeigt die Bedeutung und Verbundenheit auf, die Kinderbücher im jungen Lesepublikum auslösen und oft Jahrzehnte in Erinnerung bleiben – gleich ob selbst gelesen oder vorgelesen wird.
Text: Elena Jakobi, Antiquariat Burgverlag
