Bei Büchertisch Schreiber kümmert sich Niklas Satanik seit einem Jahr um die Zustellung von Schulbüchern und Organisation von Buchausstellungen an Schulen. Mit dem Verkauf der Bücher geht für die Buchhandlung auch ein kultureller Auftrag für Leseförderung einher, dem sich Satanik mit großer Freude selbst angenommen habe. Frei nach dem Motto „Lernen muss lebendig sein“ entstand so ein Format, das Literatur und Musik in einem auf Partizipation beruhenden Konzept verbindet.
Als ausgebildeter Freizeitpädagoge bringt er Erfahrung aus der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ein – aus Musikworkshops mit Straßenkindern ebenso wie aus seiner Tätigkeit in einem Waldkindergarten. Die Verbindung von Sprache, Klang und gemeinsamer Reflexion habe seine Arbeit schon lange vor „Kopfkino“ geprägt: „Seit vielen Jahren erzähle ich gemeinsam mit Kindern Geschichten. Ich lese vor und spreche mit ihnen darüber, was sie gehört und gesehen haben – das macht mir große Freude.“
Die Lesungen, die über den OeAD gefördert werden können, bestehen aus mehreren Bausteinen: Satanik erzählt Kurzgeschichten, liest aus einem Kinderbuch, spielt Musik – oder lässt die Kinder selbst Klänge erzeugen und aufzeichnen. Das spielerische Lernen beim Vorlesen stehe dabei im Mittelpunkt: „Ich habe selbst zwei Kinder im Volks- und Mittelschulalter und merke täglich, dass Vorlesen eine ganz eigene Qualität hat. Wenn ich selbst begeistert bin von dem, was ich lese, erreicht das die Kinder am stärksten. Und wenn ich sie zusätzlich aktiv einbeziehe, etwa indem wir gemeinsam Sätze vollenden, entsteht dieses natürliche, spielerische Lernen, das viel mehr bewirkt, als wenn ich nur etwas vorlese.“


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Lektüre, Ablauf und thematische Schwerpunkte orientieren sich an Altersgruppe und Bedürfnissen der jeweiligen Schule. Bei der Textauswahl greift Satanik sowohl auf Klassiker wie zum Beispiel Mira Lobes Komm, sagte die Katze als auch auf aktuelle Titel zurück. Entscheidend sei, dass Literatur Anknüpfungspunkte zu Themen bietet, die Kinder und Jugendliche beschäftigen – auch aktuelle Themen wie Klimawandel, Flucht und Migration, Mobbing oder Fragen aus dem Klassenalltag werden abgedeckt.
Dabei soll ein Raum entstehen, in dem alle Kinder ihre individuellen Wahrnehmungen und Erfahrungen teilen dürfen: „Wenn 50 Kinder das gleiche Buch lesen, entstehen 50 verschiedene Geschichten, 50 verschiedene Bilder im Kopf“, sagt Satanik. Begleitet werden die Lesungen von sphärischen Klängen einer Handpan – einem mit den Händen gespielten Blechklanginstrument.
„Kopfkino“ soll nicht nur die Lesekompetenz stärken, sondern vor allem die Freude am Lesen fördern: „Viele Kinder verlieren im Laufe der Zeit die Lust aufs Lesen, weil so viel von ihnen verlangt wird. Dadurch geht diese Freude verloren. Und genau die gilt es zu pflegen – die Lust am Lesen und am Entdecken.“ Langfristig möchte Satanik stabile Beziehungen mit Schulen aufbauen und regelmäßige „Kopfkinos“ etablieren.
Der Buchhandel bringe dafür besondere Voraussetzungen mit: „Wir finden Lesen wichtig, deshalb bemühen wir uns, Bücher in die Schulen zu bringen. Und wir überlegen, wie wir Kinder dazu bringen können, die Bücher dann auch tatsächlich aufzuschlagen – indem wir Geschichten daraus präsentieren und mit ihnen darüber ins Gespräch kommen.“
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