Die österreichische Buchbranche trauert um Monika Helfer. Die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin starb am Sonntag, 2. August 2026, überraschend an den Folgen eines Sturzes. Diese Nachricht verbreitete der Hanser Verlag am Sonntagnachmittag. Mit Helfer verliert die deutschsprachige Literatur eine ihrer einfühlsamsten und markantesten Erzählerinnen.
„Monika Helfer hat mit ihrer geraden, klaren, wahrhaftigen Literatur die Welt lebendiger gemacht. Mit ihrem Tod verlieren wir Schönheit“, würdigte Hanser-Verleger Jo Lendle die Verstorbene.
Über mehr als fünf Jahrzehnte prägte Helfer die österreichische Literatur mit Romanen, Erzählungen, Theaterstücken, Hörspielen und Kinderbüchern. Ihr Werk zeichnete sich durch sprachliche Klarheit, große Empathie und ein feines Gespür für Menschen am Rand der Gesellschaft aus. Immer wieder erzählte sie von Verletzlichkeit, familiären Verwerfungen sowie den prägenden Erfahrungen von Kindheit und Jugend.
Den größten Publikumserfolg feierte Helfer in den vergangenen Jahren mit ihrer autobiografisch geprägten Familientrilogie. Den Auftakt bildete 2020 der Bestseller „Die Bagage“, in dem sie die Geschichte ihrer Großeltern und insbesondere ihrer Mutter Grete erzählte und ein breites internationales Publikum erreichte. Es folgten „Vati“ (2021), das ihrem Vater und den Beziehungen innerhalb der Familie gewidmet war, sowie „Löwenherz“, in dem sie das Leben und den frühen Tod ihres Bruders Richard literarisch verarbeitete. Auch ihr späterer Roman „Die Jungfrau“ setzte die autobiografische Spurensuche fort und rückte die Freundschaft zu ihrer Schulfreundin Gloria in den Mittelpunkt.
Ihr Roman „Oskar und Lilli“ wurde 2018 unter dem Titel „Ein bisschen bleiben wir noch“ verfilmt. Der Erzählband „Bettgeschichten und andere“ stand 2022 auf der Shortlist für den Österreichischen Buchpreis, ebenso wie der Roman „Wie die Welt weiterging“ im Jahr 2025.
Für ihr umfangreiches literarisches Werk wurde Helfer vielfach ausgezeichnet. Zu ihren bedeutendsten Ehrungen zählen der mit rund 35.000 Euro dotierte Angelus-Literaturpreis in Polen, das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse (2016) sowie die Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz, die ihr im vergangenen Jahr für ihre Verdienste um die deutsche Sprache und das künstlerische Wort verliehen wurde.
Monika Helfer wurde 1947 in Au im Bregenzerwald geboren und wuchs in Vorarlberg auf. Ihre Herkunft aus einfachen Verhältnissen prägte ihr literarisches Schaffen nachhaltig. Sie war Mutter von vier Kindern und mit dem Schriftsteller Michael Köhlmeier verheiratet. Den Roman „Bevor ich schlafen kann“ widmete sie ihrer Tochter Paula, die 2003 bei einem Unfall ums Leben kam. Ihr Sohn Lorenz Helfer ist bildender Künstler. Die Familie lebte in Hohenems und Wien.
Mit Monika Helfer verliert die österreichische Literatur eine Autorin, die persönliche Erinnerungen in universelle Geschichten verwandelte. Mit großer sprachlicher Präzision und menschlicher Wärme erzählte sie von Herkunft, Familie und den Bruchstellen des Lebens.
