Vom Papier auf die Leinwand – Buch sucht Film

„Oberstes Ziel von ‚Buch sucht Film‘ ist, mehr Sichtbarkeit für österreichische Verlage zu schaffen,“ erklärt HVB-Geschäftsführer Gustav Soucek. Zugleich gehe es bei Literaturverfilmungen auch um strategische und wirtschaftliche Chancen für Verlage: „Verfilmungen tragen zur Bekanntheit von Büchern bei. Sie ergänzen und erweitern die klassische Verlagsarbeit. Und sie sind – und das ist kein unwesentlicher Punkt – auch eine Einnahmequelle für den Verlag und die Autor:innen“, so Soucek. Darüber hinaus könnten erfolgreiche Adaptionen das Profil eines Verlages schärfen und ihn für neue Autor:innen attraktiver machen.

Gespräche mit Vertreter:innen der Filmbranche, Agenturen und Messeveranstalter:innen hätten rasch gezeigt, dass die Buch Wien die ideale Bühne für ein solches Format bietet. Eine Fachjury wählt aus allen Einreichungen zehn Titel aus, die im November 2026 im Rahmen der Buchmesse präsentiert werden. Dort erhalten die ausgewählten Verlage die Möglichkeit, Produzent:innen, Regisseur:innen und Drehbuchautor:innen mit kurzen Pitches von ihren Stoffen zu überzeugen.

 

Gustav Soucek © Katharina F Roßboth

„Verfilmungen tragen zur Bekanntheit von Büchern bei. Sie ergänzen und erweitern die klassische Verlagsarbeit. Und sie sind – und das ist kein unwesentlicher Punkt – auch eine Einnahmequelle für den Verlag und die Autor:innen“

– Gustav Soucek, HVB-Geschäftsführer

© Katharina F Roßboth

 

Entscheidend für die Präsentation sei „Lebendigkeit und Authentizität“, betont Soucek. „Es soll keine Wasserglas-Lesung werden.“ Gefragt seien klare Bilder und ein Bewusstsein dafür, was einen Stoff filmisch interessant macht: „Die besondere Qualität des Buches als Filmstoff muss sichtbar werden. Warum eignet es sich für eine Verfilmung? Wer sind die zentralen Figuren? Wie lassen sich Schauplätze und Settings erzählen? Welche Zielgruppen werden angesprochen? Das sind zentrale Fragen für die Präsentation.“

Österreichische Stoffe auf der Leinwand

Literaturadaptionen prägen den österreichischen Film seit Jahrzehnten – sowohl im Kino als auch im Fernsehen. Elisabeth Hinterholzer vom Filmladen Filmverleih ist 2026 auch Teil der Jury von „Buch sucht Film“. Für sie steht fest: „Literaturverfilmungen spielen aus unserer Sicht eine sehr große Rolle für den österreichischen Film, weil sie immer wieder gezeigt haben, dass unsere Stoffe sowohl ein breites Publikum erreichen als auch international erfolgreich sein können.“

 

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„Literarische Stoffe aus Österreich sind für eine Verfilmung sehr interessant, denn sie leben von der österreichischen Sprache, dem typisch österreichischen Humor und sind kulturell stark verankert.“

– Elisabeth Hinterholzer, Filmladen Filmverleih

(c) Paul Ertl

 

Zu den prägenden österreichischen Literaturverfilmungen zählen etwa Die Klavierspielerin (2001) nach dem Roman von Elfriede Jelinek, verfilmt von Michael Haneke, oder Schlafes Bruder (1995) nach der Vorlage von Robert Schneider. Auch die Brenner-Verfilmungen nach den Krimis von Wolf Haas wurden zu Publikumserfolgen: Die Filme von Regisseur Wolfgang Murnberger mit Josef Hader erzielten laut Filmladen gemeinsam rund 900.000 Kinobesuche in Österreich.

Eine besondere Stärke österreichischer Literaturverfilmungen sieht Hinterholzer im regionalen Bezug: „Literarische Stoffe aus Österreich sind für eine Verfilmung sehr interessant, denn sie leben von der österreichischen Sprache, dem typisch österreichischen Humor, zum Teil auch von historischen Ereignissen und sind kulturell stark verankert. Dadurch entstehen Figuren, die authentisch wirken und in denen sich das heimische TV- und Kinopublikum gut wiedererkennen kann.“

Großer Beliebtheit erfreuten sich zuletzt auch literarische Krimistoffe fürs Fernsehen. Die Burgenland-Krimis von Thomas Stipsits, erschienen im Carl Ueberreuter Verlag, entwickelten sich zu großen Publikumserfolgen. Die erfolgreichste Literaturverfilmung 2025 im ORF war die Uhudler-Verschwörung, die im linearen Fernsehen ein Millionenpublikum erreichte. „Hier kommen Lokalkolorit, Humor und nicht zuletzt der unvergleichliche Thomas Stipsits zusammen“, so ORF-Fernsehfilmchefin Katharina Schenk.

Der Weg vom Buch zum Film

Zwischen Buch und Verfilmung liegen viele Entwicklungsschritte. Maria Teuchmann, Verlagsleiterin des Thomas Sessler Verlags, der auch als Agentur für Stoffrechte im Bereich Theater, Film und Hörspiel fungiert, beschreibt diesen Prozess als ein Zusammenspiel aus inhaltlichen Fragen, rechtlichen Rahmenbedingungen und praktischer Umsetzbarkeit:

Am Anfang steht die Entdeckung eines Stoffes: Produktionsfirmen, Sender oder Streamingdienste werden auf Bücher aufmerksam – etwa durch Rezensionen, persönliche Empfehlungen oder gezielte Angebote von Verlagen und Agenturen.

Bei Interesse an einem Titel wird ein Optionsvertrag verhandelt, der bereits alle Bestimmungen eines Verfilmungsvertrages enthält. Dies sind sehr umfangreiche Vertragswerke, die meistens von Jurist:innen und Agent:innen ausgehandelt werden. Der Optionsvertrag bringt die Produktionsfirma in die Position, den Stoff zu entwickeln, das heißt, Exposé, Treatment, Drehbuch in Auftrag zu geben, Regisseur:innen zu engagieren und einen Cast zu finden.

Das Wichtigste während der Optionsperiode ist aber, die Finanzierung aufzustellen. Das heißt, um Förderungen anzusuchen, Sender oder Financiers zu gewinnen.

Erst wenn ein Film oder eine Serie finanziert ist, wird die Option ausgeübt und dem ersten Drehtag steht nichts mehr im Wege. Besonders hohe Produktionskosten wirken sich dabei stark auf die Auswahl von Stoffen aus, so Teuchmann: „Exotische Schauplätze, dringlich notwendige Massenszenen und andere nur sehr teuer umzusetzende Motive bilden nicht gerade einen großen Anreiz, den Stoff zu verfilmen. Zumindest, wenn es sich um einen deutschsprachigen bzw. europäischen Film handelt.“

Welche Stoffe gefragt sind

Welche Bücher besonders gute Chancen auf eine Verfilmung haben, lässt sich nur schwer beantworten, da sich Trends laufend verändern. Einige Tendenzen zeichnen sich dennoch ab: „Krimis werden immer gesucht, insbesondere, wenn sie reihentauglich sind“, so Teuchmann.

Daneben würden zunehmend Stoffe an Bedeutung gewinnen, die aus weiblichen Perspektiven erzählt sind oder einem „female driven narrative“ folgen. Feministische Zugänge sowie Themen rund um Diversität und gesellschaftliche Vielfalt stehen verstärkt im Fokus. Gefragt seien Figuren, die sich von klassischen Rollenmustern lösen und neue Perspektiven eröffnen.

Auch Elisabeth Hinterholzer von Filmladen beobachtet diesen Trend und nennt als Beispiel die kommende Verfilmung des Romans von Mareike Fallwickl: „Bücher wie Die Wut, die bleibt treffen einen aktuellen gesellschaftlichen Nerv.“

 

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„Manchmal werden sogar Rechte angefragt, bevor das Buch gelesen wurde, weil der Stoff bereits mediale Aufmerksamkeit erreichte oder die Autorin oder der Autor ein Garant für Bestseller ist.“

– Maria Teuchmann, Thomas Sessler Verlag

(c) Thomas Sessler Verlag

 

Warum Produzent:innen auf Bücher setzen

Dass Produktionsfirmen verstärkt auf Literaturverfilmungen setzen, hat vor allem wirtschaftliche Gründe. Vom Österreichischen Filminstitut heißt es: „Für den aktuellen Boom literarischer Stoffe spielt auf internationaler Ebene die Streamingbranche eine entscheidende Rolle.“ Verfilmungen von Romanen könnten „Zeit, Geld und Risiko sparen“, da erfolgreiche Bücher Figuren, Handlung und ein bereits erprobtes Publikum mitbringen.

Auch Maria Teuchmann vom Thomas Sessler Verlag unterstreicht: „Manchmal werden sogar Rechte angefragt, bevor das Buch gelesen wurde, weil der Stoff bereits mediale Aufmerksamkeit erreichte oder die Autorin oder der Autor ein Garant für Bestseller ist.“

Gerade am vergleichsweise kleinen österreichischen Markt sei dieser Wiedererkennungswert besonders wichtig, so Elisabeth Hinterholzer von Filmladen. Gleichzeitig eröffne die Verbindung von Buch und Film vielfältige Möglichkeiten der Vermarktung – von gemeinsamer Kommunikation mit Verlagen und Buchhandlungen über gemeinsam gebrandete Werbeartikel bis hin zu Gewinnspielen und Sonderveranstaltungen mit den Autor:innen.

Dass eine erfolgreiche Verfilmung allerdings nicht zwingend auf einem Bestseller beruhen muss, zeigt laut Katharina Schenk der ORF-Zweiteiler Sturm kommt auf, basierend auf dem Roman Unruhe um einen Friedfertigen von Oskar Maria Graf: „Der Roman ist, zumindest in Österreich, nicht zwingend Teil des allgemeinen Leseschatzes. Nichtsdestotrotz konnten wohl Machart, Besetzung und letztendlich der Inhalt, der nur allzu heutig ist, die Menschen begeistern.“

Vom feministischen Roman über autofiktionale Gegenwartsliteratur bis hin zum regionalen Krimi, Kinderbuch oder Sachbuch – unterschiedliche Genres und Erzählformen sind bei „Buch sucht Film“ jedenfalls ausdrücklich willkommen.

Noch bis 31. Mai können österreichische Mitgliedsverlage des HVB für „Buch sucht Film“ einreichen – und damit vielleicht den Grundstein für den nächsten österreichischen Kino- oder Serienerfolg legen.

Alle Informationen zur Ausschreibung finden Sie hier.

Hier gelangen Sie direkt zum Einreichformular.

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(c) pixabay