Internationale Übersetzungsförderung

TRADUKI

Übersetzungsförderung

In der TRADUKI-Geografie gibt es 105 Übersetzungsrichtungen. Für Übersetzer:innen unterhält das TRADUKI-Netzwerk ein attraktives Förderprogramm. Auf Antrag von deutschsprachigen oder südosteuropäischen Verlagen unterstützt TRADUKI die Übersetzung von Prosa, Lyrik, Dramatik, Kinder- und Jugendliteratur sowie des kulturellen Sachbuchs. Zweimal im Jahr können Verlage ihre spannendsten Übersetzungsprojekte einreichen. Festivals und literarische Einrichtungen können außerdem ebenfalls zweimal im Jahr Fördergelder für Projekte beantragen.

Das TRADUKI-Netzwerk bilden Partner aus Deutschland, Liechtenstein, Österreich und der Schweiz sowie aus sämtlichen Ländern des früheren Jugoslawiens und aus Albanien, Bulgarien und Rumänien.

Von 1. Juli bis 1. September können Verlage aktuell Anträge auf Übersetzungsförderung stellen. Die Einreichung erfolgt ausschließlich online.

Veranstaltungen und digitale Formate

Auf Buchmessen, Festivals und eigenen Veranstaltungen organisiert TRADUKI Lesungen, Podiumsdiskussionen und Buchpräsentationen mit geförderten Autor:innen. Diese finden in Südosteuropa ebenso wie in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein statt und fördern den literarischen Austausch zwischen den Regionen.

Mit TRADUKI war Südosteuropa 2020 bis 2022 die Schwerpunktregion der Leipziger Buchmesse. Auch künftig wird TRADUKI fester Bestandteil der Leipziger Buchmesse, der Buch Wien und vieler weiterer Literaturveranstaltungen in Südosteuropa sein – mit dem Ziel, die Zusammenarbeit unter den Partnern des Netzwerks weiter zu vertiefen.

Darüber hinaus organisiert TRADUKI jährlich die Balkan Film Week. Auch im digitalen Raum ist das Netzwerk aktiv – mit Formaten wie Literaturpalast Audiospur, Literarischer Nerd „erliest“ Südosteuropa und Revisiting Residencies.

Residenzprogramme

TRADUKI bietet Autor:innen, Übersetzer:innen und anderen literarisch tätigen Personen Aufenthaltsstipendien in verschiedenen Städten Südosteuropas. Zahlreiche Stipendiat:innen haben die Möglichkeit genutzt, neue literarische Landschaften kennenzulernen und an ihren Projekten zu arbeiten – beispielsweise in Belgrad, Sarajevo oder Split.

Die Ausschreibung für die Residenzen erfolgt einmal jährlich im Herbst für das Folgejahr.

 

Angelika Salvisberg von TRADUKI im Interview

Frau Salvisberg, welches Ziel verfolgt TRADUKI?

TRADUKI verbindet durch Bücher, Übersetzungen und zahlreiche andere Literaturprojekte den Südosten Europas mit dem deutschsprachigen Raum und auch die südosteuropäischen Nachbarn untereinander. In den vergangenen Jahren hat sich ein intensiver und vielfältiger Austausch entwickelt: zwischen den Sprachen und Literaturen, den Leser:innen und Verleger:innen, zwischen den Literaturszenen in vierzehn europäischen Ländern. Dabei ist TRADUKI nicht allein im literarischen und kulturellen Austausch aktiv, TRADUKI ist auch ein zivilgesellschaftliches Projekt mit europapolitischer Komponente.

 

„Die Literatur, gar die übersetzte Literatur potenziert dieses Potential, das andere zu entdecken, vielleicht sogar das eigene im anderen zu finden.“

– Angelika Salvisberg, TRADUKI-Director

(c) TRADUKI

 

Warum liegt der Fokus auf Südosteuropa? Was macht diesen literarischen Raum aus Ihrer Sicht besonders?

TRADUKI wurde 2008 gegründet, als die jugoslawischen Zerfallskriege noch nicht sehr lange zurücklagen, ihre Auswirkungen in der Region aber immer noch stark spürbar waren. Es war den Gründungsmitgliedern von TRADUKI ein Anliegen, in diesem (bis heute) instabilen Teil Europas kulturelle Verbindungen schaffen, wo die Kriege gelebte Nachbarschaften zerstört hatten. Zudem war und ist die Literatur Südosteuropas – mit Ausnahmen natürlich – im deutschsprachigen Raum noch immer zu wenig bekannt. Dem will TRADUKI entgegenwirken. Es ist wichtig, dass die Literatur Südosteuropas in ihrer ganzen sprachlichen und ästhetischen Vielfalt wahrgenommen wird, dafür braucht es Übersetzungen ins Deutsche: von Romanen, Kurzgeschichten, Lyrik, Kinder- und Jugendbüchern, Comics, Theaterstücken, Sachbüchern. Es ist genauso wichtig, dass man in den Ländern Südosteuropas die Literatur der jeweiligen Nachbarn kennt – und anerkennt als eine je eigene. Daher fördert TRADUKI auch diese Übersetzungsrichtungen.

Was den Raum so besonders macht? Die Literatur Südosteuropas kann ebenso wenig über eine Leiste geschlagen werden wie die deutschsprachige. Was man sagen kann: Auf relativ kleinem Raum herrscht eine große sprachliche und kulturelle Vielfalt, Umwälzungen europäischer Geschichte haben die Region, mithin ihre Literatur geprägt. Vielen Autoren und Autorinnen Südosteuropas ist die Erfahrung tiefgreifender gesellschaftlicher Umbrüche gemeinsam, von Migration, Entwurzelung und Krieg, Themen, die sich in der Literatur niederschlagen, auf die sich aber gerade eine jüngere Generation längst nicht reduzieren lassen will: urban, dezidiert europäisch, selbstbewusst, experimentierfreudig und oft selbstverständlich mehrsprachig in ihrem literarischen Ausdruck.

Welche Rolle spielen Literatur und Übersetzung für kulturellen Austausch? Was kann Literatur in diesem Kontext bewirken?

Literatur ist zunächst eine Kunstform und misst sich an ihrem eigenen Anspruch, steht natürlich nicht ‚im Dienst‘ des kulturellen Austauschs, bietet jedoch ungeheure Möglichkeiten dazu für alle jene, die sich darauf einlassen: Autor:innen, Verleger:innen, Lektor:innen, Übersetzer:innen, Leser:innen, Buchhändler:innen, Veranstalter:innen. Die Literatur, gar die übersetzte Literatur potenziert dieses Potential, das andere zu entdecken, vielleicht sogar das eigene im anderen zu finden.

Vielen Dank für das Interview!

-> Direkt zur TRADUKI-Homepage

Werbung
Logo SBÖ sm