Tractatus-Preis an Eva Weber-Guskar

Preisträgerin des Tractatus 2025 ist die deutsche Philosophin Eva Weber-Guskar. Mit dem Essaypreis des Philosophicum Lech in Höhe von 25.000 Euro exemplarisch prämiert wird ihr Buch „Gefühle der Zukunft. Wie wir mit emotionaler KI unser Leben verändern“. Die Tractatus-Verleihung wird am 26. September 2025 in den Lechwelten in Lech am Arlberg stattfinden. 

Die Jurybegründung

„Der sogenannten ,Künstlichen Intelligenz‘ (KI) entkommt man seit ihrer enorm raschen Entwicklung und Verbreitung in den vergangenen Jahren kaum noch. Vollständig absehbar sind die letztendlichen Auswirkungen auf menschliche Interaktion, Kommunikation, Arbeit und vieles mehr noch nicht; dass sie bedeutend sein werden, steht außer Frage. Während manche angesichts dieser schönen neuen Welt in technikverliebte Begeisterung verfallen, malen andere in schwärzesten Farben eine dystopische Maschinenzukunft aus und wieder andere stecken milde panisch den Kopf in den Sand und suchen zu verneinen, dass hier überhaupt etwas Wesentliches passiert sei.

Eva Weber-Guskar tut in ihrem eminent kompetenten und lesbaren philosophischen Essay nichts von dem. Vielmehr schaut sie sehr genau hin, beschreibt aufs Präziseste die Funktionsweise der ins Visier genommenen ,Large Language Models‘ und die anthropologischen Vorannahmen, mit denen ihre jeweiligen Entwickler arbeiten. Das ist insbesondere bei den KI-Applikationen, die für emotionale Interaktionen mit Menschen entwickelt werden und auf die sich das Buch konzentriert, unglaublich aufschlussreich, zeigt doch die Autorin im Durchgang durch alle möglichen Varianten der Emotionstheorie, mit wie vielen Unwägbarkeiten über den Menschen es das sogenannte ,Affective Computing‘ zu tun bekommt. 

Weber-Guskar befasst sich intensiver und kenntnisreicher mit den aktuellen technologischen Entwicklungen als die meisten ihrer Zunft, sie scheut das Empirische nicht und sucht auch innerhalb der Wissenschaften den interdisziplinären Austausch. Ihr Essay bleibt auch angesichts kompliziertester Sachverhalte stets verständlich, und im Tonfall, gerade angesichts der Ängste und Unsicherheiten, die das Thema KI oft auslöst, spektakulär gelassen und sachlich. Die Philosophin beschreibt, analysiert, wägt ab – und sie scheut sich nicht, wohlfundierte Urteile zu fällen darüber, wie Gesellschaft und Politik mit technologischen Innovationen umgehen sollten. Kurz: ein Text, der im besten Sinne nicht nur geistig, sondern auch ganz praktisch aufklärt über die Welt, in der wir leben.“

Eva Weber-Guskar

Eva Weber-Guskar ist Professorin für Ethik und Philosophie der Emotionen an der Ruhr-Universität Bochum. Von 2019 bis 2024 war sie Heisenbergprofessorin am selben Ort und Principal Investigator im interdisziplinären Forschungsprojekt „INTERACT! Neue Formen sozialer Interaktion mit intelligenten Systemen“ (2021-2024). Vorher war sie u. a. Visiting Scholar an der New York University sowie Gastprofessorin in Wien, Zürich, Bern und Erlangen. Sie ist Co-Gründungsmitglied der Redaktion von philpublica.de, einer Onlineplattform zur Vermittlung akademischer Philosophie in der Öffentlichkeit. Aktuell arbeitet sie zu Themen der emotionalisierten Künstlichen Intelligenz und zu zeitlichen Aspekten in Theorien des guten Lebens.

Der Tractatus-Preis

Der Preis zeichnet herausragende Essays aus, die philosophische Fragestellungen verständlich für ein breites Publikum aufbereiten und zur öffentlichen Debatte beitragen. Die Preisverleihung wird im Rahmen des 28. Philosophicum Lech stattfinden.

Der auf Anregung von Schriftsteller Michael Köhlmeier vom Philosophicum Lech ins Leben gerufene Essay-Preis wird 2025 zum 17. Mal vergeben und gehört mit 25.000€ Preisgeld zu den höchstdotierten im deutschsprachigen Raum. Die Ermittlung des Preisträgers bzw. der Preisträgerin erfolgt durch den Literaturkritiker und Autor Ijoma Mangold (D), die Philosophin und Kulturjournalistin Catherine Newmark (CH) und die Literaturwissenschaftlerin und Kritikerin Daniela Strigl (A) unter dem Vorsitz des Philosophen und Co-Intendanten des Philosophicum Lech Konrad Paul Liessmann (A) (nicht stimmberechtigt).

Die Originalität des Denkansatzes, die Gelungenheit der sprachlichen Gestaltung und die Relevanz des Themas werden dabei besonders berücksichtigt.

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Philosophicum Lech.

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© Sabine Zoltnere