Am 4. März lud Thalia zum „Lesezeichen“-Talk anlässlich des Weltfrauentags. Auf dem Podium diskutierten Female-Leadership-Expertin Maren Wölfl, Barbara Blaha, Gründerin des Momentum Instituts, sowie Thalia-Geschäftsführerin Andrea Heumann. Im Mittelpunkt standen die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen von Ungleichheit – und konkrete Ansatzpunkte für Unternehmen, um Gleichstellung gezielt zu fördern.
Ungleichheit in Zahlen
Barbara Blaha, Leiterin des Momentum-Instituts, steht aktuell mit ihrem im Februar im Molden Verlag erschienenen Buch „Funkenschwestern: Wie Feminismus alles besser macht“ auf der österreichischen Sachbuch-Bestsellerliste.
Beim Thalia-Talk betonte sie, dass ein struktureller Wandel unabdingbar sei. Frauen steigen bei gleicher Qualifikation häufig mit niedrigeren Gehältern ein und werden seltener befördert.
Ein zentraler Faktor sei zudem die ungleiche Verteilung unbezahlter Arbeit: Frauen leisten einen Großteil der Care- und Hausarbeit – auch dann, wenn beide Partner Vollzeit arbeiten.
Auch das Narrativ guter Elternschaft müsse sich ändern, so Female-Leadership-Expertin und Autorin von „Ein Female Wake-Up Call“ (ET: 15.04.2026) Maren Wölfl: „Aktuell sind gute Väter die Ernährer. Gute Mütter arbeiten in Teilzeit. In Zukunft sind gute Eltern gemeinsam verantwortlich. Für finanzielle Stabilität. Für Kinderbetreuung. Für den Haushalt.“
Die präsentierten Zahlen unterstrichen die strukturellen Unterschiede entlang der gesamten Erwerbsbiografie von Frauen:
- Der Gender-Pay-Gap liegt bei rund 12 Prozent – das entspricht etwa 45 Tagen unbezahlter Arbeit pro Jahr.
- Mütter verdienen im Laufe ihres Erwerbslebens durchschnittlich rund 1 Million Euro weniger als Väter.
- Frauen erhalten im Schnitt rund 40 Prozent weniger Pension als Männer.
- 51 Prozent der Frauen arbeiten Teilzeit – mit negativen Auswirkungen auf finanzielle Unabhängigkeit, Karriere und Alterssicherung.
- 73 Prozent der Mütter mit Kindern unter 15 Jahren arbeiten Teilzeit, aber nur 8 Prozent der Väter.
Handel als Praxisbeispiel
Der Handel ist Österreichs zweitgrößter Arbeitgeber. 71 Prozent der Beschäftigten sind Frauen, 36 Prozent arbeiten Teilzeit.
Die Herausforderungen einer hohen Teilzeitquote kennt Thalia aus erster Hand. In Österreich beschäftigt das Unternehmen 895 Mitarbeitende, davon sind 82 Prozent Frauen, 53 Prozent arbeiten Teilzeit. „Care-Arbeit ist nichts Abstraktes“, erklärt Geschäftsführerin Andrea Heumann. „Sie bestimmt konkret, wann jemand arbeiten kann.“
Wichtig sei laut Heumann, Dienstpläne frühzeitig festzulegen und durch Verbindlichkeit einen planbaren Alltag zu ermöglichen. „Was wir nicht lösen können, sind fehlende Kinderbetreuungsplätze und Pflegeangebote. Das ist Aufgabe der Politik,” so Heumann.
Ansatzpunkte für Unternehmen
Female-Leadership-Expertin Maren Wölfl nannte konkrete Hebel, mit denen Unternehmen Gleichstellung intern stärken können. Entscheidend sei es etwa, Prozesse und Strukturen – beispielsweise in Bewerbungsverfahren – regelmäßig zu reflektieren. Ebenso wichtig seien professionelles Karenzmanagement, flexible Arbeitszeitmodelle sowie Stellenprofile, die so formuliert sind, dass sich Frauen gezielt angesprochen fühlen.
Auch den Wiedereinstieg nach Karenz- oder Pflegezeiten strukturiert zu begleiten, sei ein wesentlicher Schritt in Richtung Chancengleichheit.
Das Fazit der drei Expertinnen: Gleichstellung sei machbar, wenn alle Verantwortung übernehmen. Maren Wölfl: „Es braucht Mut zur Veränderung. Bei Männern und Frauen.” Barbara Blaha: „Individuelle Anstrengung stößt an Grenzen. Solange das System nicht mitspielt.”
