Die Jury, bestehend aus Cristina Beretta, Thomas Keul, Thomas Macho, Marlene Streeruwitz und Andrea Zederbauer, würdigt Jorge als „Zeugin der Zeiten und der Räume“, die sich häufig „dem Bericht, der Wiedergabe des Gesprochenen und Erzählten, dem Bekenntnis, mitunter auch in einer Art von Polyphonie, mit kurzen Sätzen, Zitaten von Gedichten und Wörtern aus dem Spanischen, Französischen, Englischen oder Italienischen“ widme.
„Lídia Jorge ist eine der profiliertesten Schriftstellerinnen der europäischen Gegenwartsliteratur. Ihr Werk ist ebenso vielseitig und verzweigt wie ihre Themen bedeutend und allgegenwärtig sind“, wird Babler in einer Aussendung zitiert. „Seit vielen Jahrzehnten setzt sie sich mit ihren Texten in hochpoetischer Weise für die Gleichheit der Menschen und die Wertschätzung des Lebens ein.“
Überreicht wird der Preis am 27. Juli von Kulturminister Andreas Babler am Rande der Salzburger Festspiele.
Lídia Jorge
Lídia Jorge wurde 1946 in Boliqueime im Süden Portugals geboren, studierte französische Literatur in Lissabon und verbrachte während der Unabhängigkeitskämpfe mehrere Jahre in Angola und Mosambik. Heute lebt sie in Lissabon.
Mit ihren frühen Romanen zählte sie zur Avantgarde der zeitgenössischen portugiesischen Literatur und wurde seither vielfach ausgezeichnet. 2021 übernahm sie eine Professur an der Universität Genf, 2022 wurde an der University of Massachusetts Amherst der Lídia-Jorge-Lehrstuhl eingerichtet.
Zuletzt erschien im Secession Verlag „Die Stunde der Nelken“ (aus dem Portugiesischen von Marianne Gareis, 2026).
Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur
Der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur wird seit 1965 für das literarische Gesamtwerk einer europäischen Autorin bzw. eines europäischen Autors vergeben, das international besondere Beachtung gefunden hat und durch Übersetzungen dokumentiert ist. Voraussetzung ist zudem, dass das Werk in deutscher Übersetzung vorliegt. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert.
Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Kulturministieriums.
