Österreichischer Buchhandlungspreis 2025

„Jede Thalia-Buchhandlung ist anders“ – Thalia Wien-Mitte / W3

Pia Lemberger bringt umfangreiche Erfahrung aus dem Thalia-Kosmos mit: Bevor sie die Leitung der Buchhandlung in Wien Mitte übernahm, arbeitete sie bereits an mehreren Wiener Thalia-Standorten – im 19. Bezirk, in Gerasdorf, im Donauzentrum und am Westbahnhof.

„Jede Thalia-Buchhandlung ist anders,“ so Lemberger. Ein Irrglaube sei, dass das Sortiment an jedem Thalia-Standort gleich aussieht: „Es glauben ja ganz viele, weil wir eine Kette sind, dass wir total fremdbestimmt sind, aber das stimmt überhaupt nicht.  Rund 80 Prozent unseres Sortiments stellen wir Buchhändlerinnen und Buchhändler selbst zusammen.“ Im Gegensatz zu anderen Buchhandlungen kann Thalia kein Platzproblem beklagen: „Natürlich führen wir – allein schon durch unsere Größe – alle gängigen Titel. Und weil wir mehr Platz haben als kleinere Buchhandlungen, können wir auch eine größere Backlist anbieten.“

Monatliche Aktionen oder saisonale Schwerpunkte, werden an allen Standorten einheitlich umgesetzt, um Wiedererkennungswert zu schaffen. Aber auch hier sei Spielraum für die Buchhändler:innen geboten: „Wir können passende Titel ergänzen oder selbst kuratierte Thementische gestalten – das machen wir regelmäßig.“ Ob wie aktuell ein Thementisch durch eine Kooperation mit der Schallaburg zum Thema Träumen oder ein Tisch zum Thema Radfahren, geziert von einem antiken Rad – besondere Akzente setzt die Thalia-Buchhandlung individuell.

Das Team zählt über 80 Mitarbeitende, die sich – abgesehen von Lehrlingen und Kassenkräften – auf eine von vier großen Abteilungen spezialisieren: Kinder- und Jugendbuch, Belletristik, Papier- und Schreibwaren sowie die sogenannte Humanabteilung. „Wir haben Kolleginnen und Kollegen, die sind schon seit 25 Jahren da, die kennen natürlich ihre Abteilung aus dem Effeff, wie man so schön sagt.“

Die Kundschaft sei grundsätzlich sehr gemischt, darunter auch viele, die regelmäßig kommen: „Das Schöne ist, dass wir viele Stammkundinnen und -kunden haben. Manche gehören fast schon zum Inventar, könnte man sagen. Da sind echte Freundschaften entstanden zwischen Mitarbeitenden und Kundschaft. Dann sieht man eine Neuerscheinung und denkt sich gleich: ‚Die ist genau das Richtige für ihn oder sie.‘“

Dennoch nehme die „klassische buchhändlerische Beratung“ insgesamt ab, vor allem bei jüngeren Kundinnen und Kunden. Viele hätten bereits vor dem Besuch im Geschäft im Internet recherchiert und wüssten genau, was sie möchten. Um dennoch persönliche Empfehlungen einfließen zu lassen, setzt Thalia auf beschriebene Buchbanderolen, auf denen Buchhändler:innen ihre Tipps festhalten. Laut Lemberger werde das von den Kund:innen auch gut angenommen: „Manche wollen gar nicht angesprochen werden, sondern einfach in Ruhe schmökern – und für die sind diese Banderolen ideal.“ Vermehrte Nachfrage bemerkt Lemberger aktuell vor allem im Bereich New Adult und englischsprachigen Titeln, aber auch bei Klassikern sowie Ratgebern.

Thalia lege insgesamt besonderen Wert auf Vielfalt – sowohl beim Angebot gedruckter und digitaler Ausgaben, wie E-Books und Hörbüchern, als auch bei den Kaufmöglichkeiten: „Gute Beratung bedeutet für uns, dass die Kundinnen und Kunden zufrieden das Geschäft verlassen – auch wenn wir einmal ein Buch nicht vorrätig haben. In solchen Fällen weisen wir auf unsere Online-Bestellmöglichkeiten hin oder empfehlen eine nahegelegene Filiale, in der das Buch lagernd ist.“

Ein besonderes Augenmerk liege auch auf dem Veranstaltungsprogramm, das von einem eigenen Team aus drei Teilzeitkräften organisiert wird. Vier bis fünf Events pro Woche finden statt – mit Schwerpunkten auf Politik, Gesellschaft, Biografien, Wissenschaft, österreichischer Literatur und Krimis. Mit dem Veranstaltungsprogramm möchte Thalia laut Lemberger vor allem Vielfalt bieten und unterschiedliche Themenbereiche sowie Sichtweisen – auch politische – abdecken: „Wir versuchen uns wirklich breit aufzustellen.“

Das Programm reicht von klassischen Lesungen und Signierstunden bis zu interaktiven Formaten wie inklusivem Yoga. Eine besondere Herzensangelegenheit sei Thalia-Wien Mitte zudem die Förderung von Nachwuchsautor:innen: „Debüts haben es einfach nicht leicht. Wenn uns da irgendwas empfohlen wird oder wenn wir irgendwas selbst besonders toll finden, dann bemühen wir uns auch darum, dass der oder diejenige kommt und liest.“ Im Bereich New Adult soll das Veranstaltungsangebot künftig weiter ausgebaut werden.

Privat greift Pia Lemberger am liebsten zu österreichischer Literatur und Fantasy – bei ihrer Lektürewahl achtet sie bewusst auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis unter den Autor:innen. Die Auszeichnung als eine der besten Buchhandlungen Österreichs bedeute ihr und dem Team sehr viel: „Wir haben uns alle wirklich sehr, sehr, sehr gefreut – weil es ist ja so: Wir sind eine große Buchhandlung. Oft wird angenommen, dass wir nur das Populäre bedienen. Aber das stimmt einfach nicht – das stimmt in keiner Thalia-Buchhandlung, in der ich bisher gearbeitet habe. Die Teams sind überall unterschiedlich, die Schwerpunkte auch. Überall sind gut ausgebildete Buchhändlerinnen und Buchhändler am Werk. Umso schöner, dass genau das gesehen und gewürdigt wird.“

Pia Lemberger, Leiterin vonThalia W3
Filialleiterin Pia Lemberger Foto (c) Thalia
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