Die Preise der Stadt Wien werden seit 1947 in verschiedenen Sparten vergeben – von Architektur und Bildender Kunst über Musik und Literatur bis hin zu Publizistik und Wissenschaften. 2026 geht der Preis der Stadt Wien in der Sparte Literatur an den österreichischen Schriftsteller Robert Menasse. Die Förderungspreise für Literatur erhalten Yevgeniy Breyger und Sarah Kuratle. Der Hauptpreis ist mit 10.000 Euro, die Förderungspreise sind mit jeweils 5.000 Euro dotiert.
„Mit den Preisen der Stadt Wien würdigen wir herausragende Leistungen in Kunst, Kultur, Wissenschaft und Volksbildung – und damit auch jene Kräfte, die unsere Stadt offen, neugierig und zukunftsfähig halten“, so Bürgermeister Michael Ludwig. Gerade jetzt zeige sich international, „wie wichtig Orte sind, an denen Kunst und Wissenschaft frei arbeiten können“. Wien sei ein solcher Ort.
In der Jury für die Sparten Literatur und Publizistik sind 2026 Andrea Fredriksson-Zederbauer, Angelika Reitzer und Peter Zimmermann vertreten.
Robert Menasse
„Robert Menasses literarisches Schaffen – ob als Romancier oder als Essayist – durchzieht die Vorstellung des Individuums als Essenz politischer und gesellschaftlicher Verhältnisse.“ Die Jury verortet seine Literatur zwischen jüdischer Familiengeschichte, der Neubestimmung einer europäischen Identität und den Grenzen des europäischen Verwaltungsapparats. Stets handelt sie vom „Scheitern der Entwicklung des menschlichen Bewusstseins zum allumfassenden Geist“ und davon, „dass in jedem Fortschritt die Gefahr der Rückabwicklung steckt,“ so die Jury.
Robert Menasse wurde 1954 in Wien geboren und wuchs dort auf. Er studierte Germanistik, Philosophie und Politikwissenschaft in Wien, Salzburg und Messina und promovierte 1980 mit einer Arbeit über den „Typus des Außenseiters im Literaturbetrieb“. Anschließend lehrte Menasse sechs Jahre an der Universität São Paulo – zunächst als Lektor für österreichische Literatur, später als Gastdozent am Institut für Literaturtheorie. Dort hielt er vor allem Lehrveranstaltungen zu philosophischen und ästhetischen Theorien, unter anderem zu Hegel, Lukács, Benjamin und Adorno. Seit seiner Rückkehr aus Brasilien im Jahr 1988 lebt Robert Menasse als Literat und kulturkritischer Essayist hauptsächlich in Wien. Sein Werk wurde u. a.mit dem Österreichischen Staatspreis für Literaturkritik und dem Erich-Fried-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschien „Die Lebensentscheidung“ bei Suhrkamp.
Förderungspreise der Stadt Wien an Yevgeniy Breyger und Sarah Kuratle
In der Sparte Literatur werden zwei Förderungspreise vergeben. Ausgezeichnet wird der Lyriker, Übersetzer und Herausgeber Yevgeniy Breyger.
„Yevgeniy Breyger schreibt eine zeitgenössische, politische Lyrik, die Kriegserfahrung, Identität und gesellschaftliche Realität mit großer formaler Freiheit und persönlicher Dringlichkeit verknüpft“, so die Jurybegründung.
Breyger war Mitgründer des Dichterinnen- und Dichterkollektivs „Salon Fluchtentier“ und ist Mitgründer des PEN Berlin. 2023 erschien bei kookbooks sein Gedichtband „Frieden ohne Krieg“. Er lebt und arbeitet in Wien, wo er zwischen 2023 und 2026 als Senior Lecturer für Literarisches Schreiben am Institut für Sprachkunst der Universität für Angewandte Kunst Wien lehrte.
Mit dem zweiten Förderungspreis der Stadt Wien wird die Autorin Sarah Kuratle gewürdigt.
Kuratle wurde 1989 in Bad Ischl geboren und wuchs dies- und jenseits der Schweizer-österreichischen Grenze auf. Sie studierte Germanistik und Philosophie. Ihre Lyrik und Prosa wurden vielfach ausgezeichnet. Mit ihrem Romandebüt „Greta und Jannis. Vor acht oder in einhundert Jahren“ (2021) stand sie auf der Shortlist für den Literaturpreis Text & Sprache 2022. Ihr im Herbst 2025 erschienener Roman „Chimäre“ war von September bis November auf der ORF-Bestenliste.
„In ihren Romanen erschafft Sarah Kuratle ein eigenständiges literarisches Universum zwischen Realität, Traum, Mythos und Märchen. Ihre poetische, rhythmisch präzise Sprache sowie die Kunst der Andeutung erzeugen eine schwebende bis surreale Atmosphäre von besonderer Vorstellungskraft,“ so die Jury.
Preise der Stadt Wien
Die Preise werden von der Bürgermeisterin beziehungsweise dem Bürgermeister der Stadt Wien verliehen. Die Auswahl der Preisträger erfolgt auf Vorschlag unabhängiger Fachbeiräte.
Die Preise der Stadt Wien werden seit 1947 in den Fachbereichen Architektur, Bildende Kunst, Medienkunst, Literatur, Musik, Publizistik, Wissenschaften und Volksbildung vergeben; der Medienkunstpreis besteht seit 2014. Sie sind mit jeweils 10.000 Euro dotiert.
Die Förderungspreise werden seit 1951 zusätzlich jedes Jahr verliehen und sind mit jeweils 5.000 Euro dotiert.
Die bisherigen Preisträger:innen der Preise der Stadt sind hier zu finden sowie die bisherigen Preisträger:innen der Förderungspreise der Stadt Wien hier.
