Wie geht es der Papierbranche aktuell wirtschaftlich? Welche Entwicklungen und Herausforderungen prägen den österreichischen Markt im Moment?
Die veröffentlichten Ergebnisse aller Marktteilnehmer zeigen ein sehr herausforderndes Umfeld. Wenig überraschend ist der wirtschaftliche Druck insbesondere für Papiersorten für Printmedien am höchsten. Es wurden bereits Produktionskapazitäten reduziert – wobei die Gesamtproduktionskapazität nach wie vor die Nachfrage übersteigt.
Die Papierindustrie gilt als energieintensiv. In Österreich liegen die Strom- und Netzgebühren wesentlich höher als im EU-Umfeld. Der Vergleich mit Deutschland zeigt zum Beispiel rund 10 bis 15 Prozent höhere Stromkosten, noch ohne Netzgebühren. Aber auch die Lohnkosten sind in den letzten Jahren rasant gestiegen, deutlich stärker als in anderen EU-Staaten.
Ein Blick auf den internationalen Markt: Welche Dynamiken beobachten Sie derzeit im globalen Papierhandel, und welche Auswirkungen spürt die Branche in Österreich?
Globale Themen und Dynamiken ergeben sich – wie in anderen Branchen – vor allem durch die zollpolitischen Maßnahmen der USA. Einerseits durch Umlenkungseffekte zur Zollvermeidung (Export in die USA), andererseits durch Kosten durch verteuerte Lieferketten und unklare Entwicklungen am Rohstoffmarkt.
Wachstum ist im Bereich von Verpackungen feststellbar, der Buchmarkt ist stabil, Printmedien sind stark rückläufig. Österreich ist – innerhalb der EU und auch global – von Unsicherheiten auf den Rohstoffmärkten betroffen, vor allem im Energiebereich. Kostensteigerungen können, wenn überhaupt, nur verspätet und nicht in vollem Ausmaß an Kund:innen weitergegeben werden. Das können sich die Hersteller mittelfristig nicht leisten.
Wie entwickelt sich die Nachfrage aus der Buchbranche?
Gerade bei der Altersgruppe der 16-19-Jährigen, sowie bei 20-29-Jährigen stieg der Absatz in Deutschland zuletzt um fast 10 Prozent. Bücher werden in den sozialen Medien und Plattformen empfohlen, beworben und in Folge erfreulicherweise gekauft. Generell ist der Buchmarkt stabil, mit Wachstum in einigen Segmenten und Ländern. Auffallend ist jedoch eine deutliche Änderung in den Ansprüchen an die Papierqualitäten. Hochwertige, nachhaltige holzfreie Papiere werden immer mehr durch holzhaltige Qualitäten ersetzt. Verlage nehmen eine teils starke Vergilbung der Bücher und Abstriche bei Haptik und „Papiererlebnis“ in Kauf. Die Kostenersparnis schlägt sich jedoch nicht in den Buchpreisen, sehr wohl aber bei den Papierproduzenten nieder.
Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach Papier für die Markenidentität eines Verlags bzw. für die Wahrnehmung eines Buches allgemein?
Ein hochwertiges Lese- und Bucherlebnis ohne das entsprechende Papier ist kein stimmiges Konzept. Blättern, Fühlen, aber auch Oberflächenoptik – zum Beispiel Fehlen von Spiegelungen – machen einen wesentlichen Unterschied bei der Wahrnehmung von Wertigkeit.
Zusätzlich sind hochwertige Bücher mit entsprechend holzfreien Papieren ein klares Statement für Langlebigkeit und Nachhaltigkeit. Diese Bücher behalten ihre Form und ihre Erscheinung und bleiben nahezu unbegrenzt farbstabil ohne Verfärbungen oder Vergilbungen.
Bemerken Sie derzeit bestimmte Trends bei der Ausstattung von Büchern?
Gerade bei Büchern für die am stärksten wachsende Leser:innen-Gruppe der unter 30-Jährigen wird aktuell mit starkem Marketingaufwand gearbeitet. Sich in der Erscheinung abzuheben oder zu differenzieren ist wichtig geworden. Aufwendige Decken und Rücken werden mit Farbschnitt kombiniert.
Die aufwendigen und kostenintensiven Ausstattungen werden aber leider oft mit abgespeckter Papierqualität erkauft – ein kurzfristiges Erlebnis.
Beobachten Sie Veränderungen in Bezug auf Grammatur?
Niedrige Grammaturen bedeuten mehr Papier pro Tonne. Als Ausgleich bieten sich dann höhere Volumina an. Das Papier wird jedoch bei niedrigerer Grammatur aber bei gleichem Volumen dünner und verliert an Steifigkeit. Als Ausgleich um auch bei Büchern bei gleicher Seitenanzahl die Buchdicke zu erhalten wird das Papiervolumen erhöht, bei gleichem Buchgewicht – das Papier wird „dicker“. Mit höherem Volumen wird unser holzfreies/ungestrichenes Papier etwas steifer und die Oberfläche wird rauer – beides ist für die Haptik und das „Papiergefühl“ wesentlich.
Salzer Papier hat die richtigen Produkte um für Verlage und Druckereien Reduktionen bei der Grammatur zu ermöglichen und mit angepasstem Volumen den Leser:innen angenehme Haptik, „raue“ Oberfläche und ein ansprechendes Bucherlebnis zu bieten. Wir sind diesbezüglich ein Komplettanbieter. Wir starten mit 60 gsm und bieten Volumina bis 1,95 an.
Nachhaltigkeit gewinnt auch in der Buchproduktion zunehmend an Bedeutung. Welche Maßnahmen setzt Salzer für Nachhaltigkeit? Welche Rolle spielen Zertifizierungen dabei?
Salzer kauft schon seit Jahrzehnten nur Zellstoffe aus Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Unser Werk liegt nur rund 500 Meter von der Landesregierung entfernt und um uns sind in den letzten Jahrzehnten Wohnungen, Büros und Gewerbebetriebe gewachsen. Trotzdem haben wir keine Umweltbeschwerden und arbeiten im guten Einvernehmen mit Behörden und Anrainern. Wir setzen seit vielen Jahren auf ein integriertes Managementsystem, das Qualität und Umwelt, Sicherheit und Gesundheit garantiert um unseren Betrieb sicher und sauber zu führen. Damit unterscheiden wir uns auch von einzelnen Marktbegleitern, die nur auf Holz-Zertifikate setzen und nur das absolut nötigste umsetzen.
Die EU-Entwaldungsverordnung tritt bald in Kraft. Wie beurteilen Sie die neuen Vorgaben?
Die EUDR bringt zahlreiche neue Vorschriften und Anforderungen, die einen erheblichen bürokratischen Zusatzaufwand bedeuten. Jeder Kunde hätte gerne seine individuelle Schnittstelle, eigene Bar- oder QR-Codes.
Das Ganze, obwohl es bereits die EU ETS gab, die sehr erfolgreich dazu beigetragen hat, dass kein Holz oder Holzprodukte aus Risikogebieten in die EU importiert werden. Die Verfolgung über die Produktionskette bringt außer Aufwand nichts, schon gar nicht dem Wald, den wir schützen wollen. Solche Vorschriften machen Europa schwach, werden von Europäer:innen nicht verstanden und lähmen uns.
Die EUDR verlangt mehr Transparenz in der Lieferkette. Wie bereitet sich Salzer Papier darauf vor?
Salzer Papier ist ein KMU im Sinne der EUDR. Das bedeutet, dass wir „nur“ verpflichtet sind, die erhaltenen Referenznummern an unsere Kunden weiterzugeben, eigene Sorgfaltserklärungen, sogenannte Due Diligence Statements, müssen wir nicht erstellen. Die größte Schwierigkeit stellt die kurzfristige Anlieferung von Rohstoffen und die Zuordnung zu den Produktionschargen dar. Für uns bedeutet die EUDR einen erheblichen Mehraufwand.
Welche Maßnahmen oder Rahmenbedingungen von politischer Seite wären hilfreich für die Entwicklung der Papierbranche?
Wir haben es seit Jahrzehnten nicht geschafft, dass Papier als etwas Positives gesehen wird. In Teilbereichen schon, aber Holzhäuser, Holzmöbel, etc. werden immer positiv konnotiert, Papier hat immer den Nimbus der Abholzung, obwohl das völlig falsch ist. Für Papier werden sehr häufig Nebenfraktionen aus der Durchforstung und aus Sägewerken verwendet, was auch die Schwierigkeit der EUDR-Nachverfolgung erklärt. Die EUDR kann dazu führen, dass es auch im Verpackungsbereich wieder stärker zurück zum Kunststoff geht.
Ein Blick in die Zukunft: Wie schätzen Sie die Entwicklung von Papierpreisen und der Verfügbarkeit in den nächsten Jahren ein?
Die Verfügbarkeit ist aktuell wegen hoher Überkapazitäten zu gut und die Papierpreise sind teilweise zu niedrig, um die Kosten zu stemmen. Einige Marktteilnehmer agieren sehr aggressiv um (nicht vorhandene) Mengen zu gewinnen. Wenn noch mehr Fabriken schließen, wovon fast auszugehen ist, wird das Überangebot wieder zurückgehen und die Preise steigen.
