ORF Bestenliste März

Im März 2026 teilen sich Laura Freudenthaler mit „Iris“ (Jung und Jung) und Norbert Gstrein mit „Im ersten Licht“ (Hanser) den ersten Platz der ORF-Bestenliste. „Die Lebensentscheidung“ (Suhrkamp) von Robert Menasse kommt auf den dritten Platz.

Platz 1 (ex aequo): Laura Freudenthaler: „Iris“, Jung und Jung

Laura Freudenthaler gehört seit ihrem Debüt „Der Schädel von Madeleine“ (2014) zu den eigensinnigsten Autorinnen im deutschsprachigen Raum. Die aus Salzburg stammende, heute 42-jährige Schriftstellerin lebt und schreibt in Wien, wurde inzwischen mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Anton-Wildgans-Preis. Ihr neuer Roman „Iris“ ist eine Auseinandersetzung mit der Frage, wie man von einer krisengebeutelten Gegenwart auf literarisch gültige Weise erzählen kann. Die titelgebende Hauptfigur ist Schriftstellerin. Sie führt ein prekäres und unstetes Leben, in dem zwischenmenschliche Beziehungen Spiegel und zugleich Hoffnung der Zeit sind, in der sie lebt. Den allgegenwärtigen Zerfallserscheinungen hält sie das Erzählen entgegen: eine moderne Scheherazade.

Platz 1 (ex aequo): Norbert Gstrein: „Im ersten Licht“, Hanser

Der in Tirol geborene und in Hamburg lebende Schriftsteller Norbert Gstrein zählt zu den bedeutendsten Erzählern der deutschsprachigen Gegenwart. In seinem neuen Roman „Im ersten Licht“, der im Salzkammergut angesiedelt ist, blickt er auf das 20. Jahrhundert zurück: auf die beiden Weltkriege, gesehen aus Nähe und Distanz, im Umfeld von Versehrten, Zeugen und Tätern. Die Hauptfigur in Norbert Gstreins Roman ist Adrian, der vom eigenen Vater mit Gewalt kriegsuntauglich geschlagen wird, was ihn für immer zeichnet. Im Salzkammergut hilft Adrian in einer Villa, in der Versehrte des Ersten Weltkriegs untergebracht sind – entstellte Körper, verlorene Gesichter  und wird so zum Zeugen dessen, was der Krieg aus Menschen macht. Später wird er Geschichtslehrer, einer, der im Unterricht nie bis zum Zweiten Weltkrieg kommt, wie es im Buch heißt. Gstreins Hauptfigur ist ein Mitläufer: früh über die Kriegsverbrechen des Zweiten Weltkriegs im Osten informiert, entscheidet er sich dennoch für das Schweigen, Widerstand bleibt ihm fremd.

Platz 3: Robert Menasse: „Die Lebensentscheidung“, Suhrkamp

Robert Menasse hat sich in den vergangenen Jahren den Status eines Chronisten der Europäischen Union erschrieben und mit preisgekrönten Romanen wie „Die Hauptstadt“ bewiesen, dass der Brüsseler Bürokratie-Dschungel großes literarisches Potenzial besitzt. Mit „Die Lebensentscheidung“ hat er seinem Europa-Erzählkosmos ein weiteres Werk hinzugefügt. Der Held von Menasses als Novelle ausgewiesenem Text ist Franz Fiala, ein langjähriger EU-Beamter, der am institutionellen Pragmatismus innerlich zerbricht und Brüssel den Rücken kehrt, um in seine Heimatstadt Wien zurückzukehren. Hier kümmert sich Franz Fiala um seine alte Mutter, die in ihm den Aufstieg sehen will, der ihr verwehrt blieb. Eine Krebsdiagnose erschüttert das gesamte Gefüge: Fiala versucht, den eigenen Tod hinauszuzögern, um seine Mutter zu überleben und ihr den Schmerz seines Sterbens zu ersparen. Gewieft verknüpft „Die Lebensentscheidung“ eine persönliche Tragödie mit der politischen Realität der EU – und erscheint in einem Moment, in dem Europa vor existenziellen Herausforderungen steht.

Die gesamte ORF-Bestenliste finden Sie hier.

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