Im August 2026 erreicht Tamara Štajner mit „Luft nach unten“ (Zsolnay) den ersten Platz der ORF-Bestenliste. „Königin der Nacht“ (Rowohlt) von Lukas Bärfuss und „Winesburg, Ohio“ (Manesse) von Sherwood Anderson teilen sich den zweiten Platz.
Platz 1: Tamara Štajner: „Luft nach unten“, Zsolnay
Eine Musikerin, die verzweifelt versucht, ein Kind zu bekommen, steht im Zentrum von Tamara Štajners neuem Roman. Lesende erfahren von dem Wunsch aus einem Brief, den die Protagonistin an ihre Mutter schreibt, aber nie abschickt – zu zerrüttet ist deren Beziehung. Angesiedelt zwischen Wien und dem Balkan, spielen verschiedene Frauenfiguren eine Rolle in „Luft nach unten“. Es sind Mütter und Töchter; ihnen hat Štajner auch ihren Roman gewidmet, Männern hingegen räumt die Autorin lediglich Nebenrollen ein. Der Roman erzählt von vererbten Traumata und lässt Lesende alle Gefühle zu einem unerfüllten Kinderwunsch, von Verzweiflung bis Wut, nachempfinden. „Luft nach unten“ ist auch der Titel des Textes gewesen, für den Štajner beim Bachmann-Wettbewerb 2024 den Kelag-Preis erhalten hat. 1987 im slowenischen Novo mesto geboren, ist die Autorin im Alter von 18 Jahren nach Wien gekommen und hat sich auch als Bratschistin in Ensembles für zeitgenössische Musik einen Namen gemacht. „Luft nach unten“ ist Štajners zweiter Roman.
Platz 2 (ex aequo): Lukas Bärfuss: „Königin der Nacht“, Rowohlt
Der vielfach ausgezeichnete Schweizer Schriftsteller legt mit seinem neuen Roman ein weiteres höchstpersönliches Buch vor. In „Königin der Nacht“ widmet sich Lukas Bärfuss seiner Mutter. Schonungslos schreibt er über eine empathielose Frau, die sich nicht um ihren Sohn – den jungen Bärfuss – kümmert. Ausgangspunkt des autobiografischen Romans ist der Tod der Mutter, die verarmt in der Dominikanischen Republik gestorben ist. Bärfuss schildert anhand seines Einzelschicksals eine Gesellschaft, die alleinerziehende Mütter vor Hürden stellt. Mit „Königin der Nacht“ legt Bärfuss einen herausfordernden Roman vor, der sich dennoch versöhnlich liest. Tod und Suizid sowie gewaltvolle und kriminelle Milieus zählen zu den zentralen literarischen Themen des Büchner-Preisträgers.
Platz 2 (ex aequo): Sherwood Anderson: „Winesburg, Ohio“, Manesse
Übersetzung: Eike Schönfeld
Mit „Winesburg, Ohio“ ist jetzt ein Klassiker der amerikanischen Moderne in deutscher Neuübersetzung von Eike Schönfeld zu lesen. 1876 in Camden im Bundesstaat Ohio geboren, hat Sherwood Anderson 1919 mit der Veröffentlichung seiner romanartigen Sammlung an Porträts unterschiedlicher Charaktere, die im fiktiven Örtchen Winesburg leben, für einen Skandal gesorgt. Der US-amerikanische Schriftsteller blickt dabei hinter die Fassade einer kleinstädtischen Gesellschaft und thematisiert anhand vieler Figuren Themen wie außerehelichen Sex, Einsamkeit und Sehnsucht. Dennoch – oder gerade deshalb – ist das Buch zu einem Bestseller avanciert. „Eines der schönsten und melancholischsten Werke der amerikanischen Literatur“, heißt es in Daniel Kehlmanns Nachwort. Sherwood Anderson ist Autor mehrerer Kurzgeschichten, Romane und Gedichte und 1941 in Panama gestorben.
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