„Man steigt atemlos in diesen Text ein: Eva, ein Dienstmädchen, will sich in der Wiener Donau ertränken, verliert stattdessen ihre Unschuld in den Armen eines Leutnants, der Krieg bricht aus, sie wird Krankenschwester, sucht ihren Liebhaber, findet ihn, er erkennt sie nicht wieder, sie gibt ihm eine Chance, er nützt sie nicht, sie lässt seine Wunde nicht heilen, um ihn zu halten, lässt sein Bein amputieren, um ihn zu binden, doch er überlebt die Operation nicht. Das ist kein Spoiler, denn man hat bis an diese Stelle erst 15 Seiten gelesen. Wie kann der Autor diese Intensität 1200 Seiten halten, fragt man sich. Er kann. (…) Zeit der Mutigen ist ein Kraftakt, ein ‚totaler Roman‘, der an die großen Erzähler des 20. Jahrhunderts erinnert, aber eindeutig im 21. Jahrhundert beheimatet ist und in einer Reihe mit Roberto Bolaños 2666 oder Hilary Mantels Wolf Hall-Trilogie stehen kann. Ein humanistisches Monument von einem Buch, das größer ist als Österreich, und das zeigt: Die Zeit der Mutigen ist noch lange nicht vorbei“, lobte die Jury den ausgezeichneten Roman.
Dinev, 1968 in Bulgarien geboren und 1990 nach Österreich geflohen, ist seit 2003 österreichischer Staatsbürger. Neben seinen beiden Romanen veröffentlichte er zahlreiche Theaterstücke, Erzählungen und Drehbücher.

„Mir fehlen die Worte, alles, was ich zu sagen habe, habe ich in diesem Buch gesagt. Drinnen sind auch alle Worte, die ich auf Deutsch kenne“, scherzte Dinev in seiner Dankesrede über das 1100 Seiten starke Werk, erschienen bei Kein & Aber.
Für den Österreichischen Buchpreis nominiert waren außerdem: Monika Helfer Wie die Welt weiterging (Carl Hanser Verlag), Martin Prinz Die letzten Tage (Jung und Jung), Verena Stauffer Kiki Beach (kookbooks) und Marlene Streeruwitz Auflösungen. (S. Fischer Verlag).
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