Max und Moritz-Preis

Österreicher Franz Suess ist bester deutschsprachiger Comic-Künstler

Der 1961 geborene Suess, der in seinen Arbeiten häufig von gescheiterten Existenzen und dem Leben am Rand der Gesellschaft erzählt, hat in den vergangenen Jahren einen „Comic-Kosmos über die Vielfalt des persönlichen Versagens“ geschaffen, wie es in der Jurybegründung heißt. Zuletzt erschien im Berliner Avant-Verlag seine Graphic Novel „Jakob Neyder“, deren Hauptfigur ein tragischer Antiheld ist: der Jugendliche Jakob, der nach einer Straftat mit den Konsequenzen ringt.

Über das Werk von Franz Suess heißt es in der Jurybegründung: „In feinen Beobachtungen zeichnet Franz Suess das Milieu eines jungen Menschen, der weder Ziel noch Geld hat“, lobt die Jury. Suess vermittle das Leben seiner Hauptfigur „mit fein schraffierten Bleistiftstrichen, die die Menschen deformiert aussehen lassen“. Der Comic zeige, „wie die Welt bei unvorhersehbaren Herausforderungen zusammenbrechen kann, weil grundlegende Fähigkeiten des Miteinanders abhandengekommen sind.“

Bester deutschsprachiger Sachcomic: „Die Frau als Mensch. Schamaninnen“ von Ulli Lust

Als bester Sachcomic wurde der im Berliner Reprodukt-Verlag veröffentlichte zweite Band von Ulli Lusts Reihe „Die Frau als Mensch“ ausgezeichnet, deren erster Teil mit dem Untertitel „Am Anfang der Geschichte“ im vergangenen Jahr bereits mit dem Deutschen Sachbuchpreis prämiert wurde – als erster Comic überhaupt.

Der zweite Band der in Deutschland lebenden Österreicherin trägt den Untertitel „Schamaninnen“ und eröffnet einen feministischen Blick auf die Menschheitsgeschichte.

Wie folgt wurde Comiczeichnerin Ulli Lust von der Jury gewürdigt: „Selten wurde der Stand der Wissenschaft so leicht vermittelt, wie in ‚Die Frau als Mensch‘ – weil Ulli Lust eine nachvollziehbare Erzählung schafft – und weil die Naturzeichnungen einfach nur schön sind.“ In „Schamaninnen“ zeige sie, „wie sehr das körperliche Leben auf der Erde und die Geisterwelt in der Vorstellung der Menschen damals zusammenhingen“, und wurde erneut für ihre präzisen Darstellungen von der Fachwelt gelobt – „auch, weil sie immer wieder deutlich macht, dass die Darstellungen eine Interpretation der dünnen Datenlage sind.“

Die Max und Moritz-Preise 2026 im Überblick:

  • Bester deutschsprachiger Comic-Künstler: Franz Suess
  • Bester deutschsprachiger Comic: „Der verkehrte Himmel“ von Mikael Ross
  • Bester internationaler Comic: „In den trüben Gewässern Istanbuls“ von Özge Samancı
  • Bester Sachcomic: „Die Frau als Mensch“ von Ulli Lust
  • Bester Comic für Kinder: „Der Zahn“ von Ayşe Klinge
  • Bestes deutschsprachiges Comic-Debüt: „Fleischeslust“ von Martin Oesch
  • Spezialpreis der Jury: Andreas C. Knigge
  • Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk: Posy Simmonds

Max und Moritz-Preis

Der Max und Moritz-Preis ist die wichtigste Auszeichnung für grafische Literatur im deutschsprachigen Raum. Er wird durch eine von der Stadt Erlangen berufene unabhängige Fachjury alle zwei Jahre im Rahmen des Internationalen Comic-Salons vergeben und hat in den zurückliegenden vier Jahrzehnten wesentlich zur Anerkennung der Comic-Kunst im deutschen Sprachraum beigetragen. Mit der Verleihung, im Rahmen der Max und Moritz-Gala im Erlanger Markgrafentheater, wird die Arbeit herausragender Künstler:innen gewürdigt, verdienstvolle Verlagsarbeit bestärkt und die Auseinandersetzung über grafische Literatur intensiviert. Albert Uderzo, Jacques Tardi, Alan Moore, Pierre Christin, Lorenzo Mattotti, Ralf König, Claire Bretécher, Jean-Claude Mézières, Anke Feuchtenberger, Naoki Urasawa und Joann Sfar wurden in den letzten Jahren für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Comicsalon Erlangen.

franz suess
(c) R. Stevanovic
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Shortlist-Cover Collage Wiener Krimipreis 2026