„queerinliterature" im Interview

„Lesen ist für mich politisch“

Seit wann bist du als Blogger:in aktiv? Was hat dich dazu inspiriert, einen Buchblog zu starten?

Ich blogge seit September 2023. Ich habe im Münchner Literaturhaus einige Literaturblogger*innen kennen gelernt und da ich zu der Zeit viel gelesen habe, dachte ich: Wieso nicht auch was starten? Dann habe ich mich auf die Suche nach queeren Blogger*innen gemacht und gesehen, dass ich da hoffentlich noch eine Ergänzung zu den bereits bestehenden Personen bin. Mir war klar, ich will die Plattform/Reichweite primär nutzen, um queere, marginalisierte Perspektiven abzubilden.

Auf welchen Kanälen bist du aktiv? Wieviele Follower:innen hast du jeweils?

Ich bespiele aktuell nur Instagram (aber habe mir mal die Domain für eine eigene Website gesichert…), da habe ich 19.000 Follower*innen.

Welche Genres und Themen stehen auf deinem Blog im Fokus?

Belletristik mit queeren Inhalten und feministischen Perspektiven, wobei ich ab und zu Sachbücher und auch mal New Adult-Werke vorstelle.

Beschreibe deine persönliche Beziehung zum Lesen!

In meinem Profil steht „Wenn ich lese, mache ich keinen Käse“, das ist direkt inspiriert von einer Diogenes-Verlag Postkarte/einem Lesezeichen. Lesen ist meine größte Leidenschaft, über Bücher zu reden macht mir immer eine Freude (das schafft auch direkt eine gemeinsame Basis mit Leuten, die ich kennenlerne), und mein Leben wäre ohne literarische Inputs viel grauer. Ich lese überall: Im Zug, zu Hause, beim Warten bei einer Ärztin. Lesen ist für mich politisch, das heißt, wie ich über das Lesen rede (und blogge) ist für mich auch eine Art politischer Aktivismus.

Wie kann Literatur zu Gleichberechtigung beitragen?

Literatur trägt dazu bei, dass Menschen unterschiedliche Perspektiven kennen lernen. Diskriminierungssensitive Sprache in Büchern inspiriert vielleicht auch den eigenen Wortschatz. Mehr Lesen bedeutet aber nicht gleichzeitig mehr Gleichberechtigung. Denn wie Menschen vom Lesen zum (politischen) Handeln kommen, weiß ich auch nicht und ist wohl eine spannende gesellschaftliche, philosophische Sprache.

Lesen kann übrigens auch zu mehr Ungleichberechtigung beitragen, wenn Stereotype oder nur heteronormative, Weiße Perspektiven abgebildet werden.

Worauf achtest du bei Kooperationen?

Dass die jeweiligen Firmen/Kooperationspartner*innen meine Werte vertreten und mich nicht zum „Pinkwashing“ verwenden. Außerdem ist ein wertschätzender Tonfall in der Kommunikation natürlich super wichtig.

Beschreibe deine Community! Hast du eine bestimmte Zielgruppe?

Auf Instagram kann ich das relativ gut auswerten: 95% kommen aus den DACH-Ländern (kein großer Surprise, ich mache deutschen Content), aber die allermeisten (80%) aus Deutschland. Und ca. 16% kommen aus Berlin, nur ca. 6% aus München, wo ich eigentlich wohne. Was mich sehr erstaunt, ist, dass 70% der Follower*innen Frauen sind (wobei irgendwie wundert es mich auch nicht, Männer lesen einfach weniger). Und circa die Hälfte der Follower*innen sind zwischen 25-34 Jahre alt, 15% sind 45 oder älter.

Wie interagiert deine Community mit dir? Gibt es Formate/Themen, die besonders gut ankommen?

Die Carousel Posts, wo ich mehrere Bücher zu einem Thema stichpunktartig vorstelle, sind bei mir das erfolgreichste Format konkret auf Bücher bezogen. Außerdem habe ich inspiriert von Blogger*in @jojooludwig ein paar Posts zu diskriminierungsfreier Sprache gemacht, zum Beispiel zur Verwendung von Neopronomen.

Was können Verlage tun, um eine Zusammenarbeit mit dir für beide Seiten erfolgreich zu gestalten?

Bitte keine Bücher ohne Vorankündigung schicken, ich bin maßlos überfordert und kann sonst (implizite) Erwartungen (die ich mir vielleicht ein bisschen einbilde) nicht erfüllen.

Ich freue mich immer über Anfragen zu Moderationen, weil ich den Offline-Diskurs zu Literatur umso wichtiger finde. Lesungen werden oft nicht von jungen Menschen besucht, was schade ist, da sie dadurch einen wichtigen Aspekt der Literatur-Kultur verpassen. Wenn da aber ein junger, queerer Blogger sitzt und Fragen stellt, dann ist das Publikum oftmals etwas anders durchmischt…

Queer in Literature
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