Aktuell wandern Sachbücher und Romane aus europäischen Antiquariaten palettenweise in Richtung USA. Dahinter stecken mutmaßlich KI-Unternehmen, die gedruckte Bücher als Trainingsmaterial für ihre Sprachmodelle nutzen. Nach dem Digitalisieren sollen die physischen Exemplare entsorgt werden. Auch in Österreich sind bereits entsprechende Bestellungen bei Antiquariaten eingegangen.
Der Schweizer Rundfunk SRF berichtet von einer regelrechten „Jagd auf alte Bücher“. Ein deutscher Online-Händler schilderte ungewöhnliche Bestellmuster: Über mehrere Wochen seien nachts automatisiert große Mengen an Büchern bestellt worden. In Branchenforen hätten zahlreiche Kolleg:innen von ähnlichen Erfahrungen berichtet.
Erste Fälle in Österreich
Auch hierzulande ist das Phänomen bereits angekommen. „Wir haben einiges an Bestellungen im letzten Monat bekommen“, berichtet Michael Truppe vom Antiquariat Matthäus Truppe in Graz. Rund 50 Exemplare wurden vom selben Käufer erworben.
Gekauft wurden ausschließlich Bücher mit ISBN-Nummern. Die Bestellungen seien über ein deutsches Zwischenlager abgewickelt und von dort mutmaßlich weiter nach Übersee versandt worden. „Bei den gekauften Titeln handelte es sich überwiegend um wissenschaftliche Literatur, die in österreichischen und deutschsprachigen Bibliotheken häufig vorhanden ist, in Übersee jedoch deutlich seltener zu finden sein dürfte“, so Michael Truppe.
Spekulationen zu KI-Unternehmen
Im Zentrum der Diskussion steht das kanadische Unternehmen Zoom Books. Nach Angaben von Händlern aus Deutschland kaufte das Unternehmen in großem Umfang vergriffene Sachbücher, Kochbücher, Biografien und andere Titel aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf.
Zoom Books weist den Vorwurf zurück, die Bücher würden für das Training von KI-Systemen erworben. Das Unternehmen beschreibt sein Geschäftsmodell als regulären Handel mit gebrauchten Büchern sowie deren Verwertung.
Umfang und Systematik der Ankäufe sorgen in der Branche dennoch weiterhin für Spekulationen.
Den gesamten Bericht des SRF finden Sie hier.
