Karl Schlögel erhält Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Der deutsche Historiker und Essayist Karl Schlögel erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2025. Er gilt als einer der profundesten Kenner Osteuropas und warnte früh vor der aggressiven Expansionspolitik Putins. Die Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert und wird im Oktober in der Frankfurter Paulskirche verliehen.

Der Preisträger Karl Schlögel

Karl Schlögel ist einer der bedeutendsten Osteuropa-Historiker und hat mit seinen Werken neue Maßstäbe für eine lebendige, raumbezogene Geschichtsschreibung gesetzt. In Büchern wie „Terror und Traum“ und „Das sowjetische Jahrhundert“ verbindet er Alltagsbeobachtungen mit großer historischer Analyse und rückt Osteuropa als zentralen Teil der europäischen Geschichte ins Blickfeld.

Geboren 1948 im Allgäu, prägten ihn frühe Reisen in die Sowjetunion sowie Aufenthalte in Moskau und Leningrad. Seine Arbeiten zeichnen sich durch persönliche Zugänge und ungewöhnliche Perspektiven aus – etwa in „Der Duft der Imperien“, das die Geschichte des 20. Jahrhunderts anhand eines Parfüms erzählt.

Auch als öffentlicher Intellektueller bezieht Schlögel Stellung: Seit 2014 begleitet er den Ukraine-Konflikt kritisch und wendet sich entschieden gegen Putins Politik. Für seine Arbeiten wurde er vielfach ausgezeichnet, zuletzt 2024 mit dem Gerda-Henkel-Preis.

Die Begründung des Stiftungsrates

„In seinem Werk verbindet Karl Schlögel empirische Geschichtsschreibung mit persönlichen Erfahrungen. Als Wissenschaftler und Flaneur, als Archäologe der Moderne, als Seismograph gesellschaftlicher Veränderungen hat er schon vor dem Fall des Eisernen Vorhangs Städte und Landschaften Mittel- und Osteuropas erkundet. Er hat Kyjiw und Odessa, Lwiw und Charkiw auf die Landkarten seiner Leserinnen und Leser gesetzt und St. Petersburg oder Moskau als europäische Metropolen beschrieben.

Mit seiner Erzählweise, die Beobachten, Empfinden und Verstehen verbindet, korrigiert er Vorurteile und weckt Neugier. Nach der Annexion der Krim durch Russland hat Karl Schlögel seinen und unseren Blick auf die Ukraine geschärft und sich aufrichtig mit den blinden Flecken der deutschen Wahrnehmung auseinandergesetzt. Als einer der Ersten hat er vor der aggressiven Expansionspolitik Wladimir Putins und seinem autoritär-nationalistischen Machtanspruch gewarnt.

Eindrücklich beschreibt er die Ukraine als Teil Europas und fordert auf, das Land um unserer gemeinsamen Zukunft willen zu verteidigen. Seine Mahnung an uns: Ohne eine freie Ukraine kann es keinen Frieden in Europa geben.“

Verleihung

Die Verleihung findet am Sonntag, 19. Oktober 2025, in der Frankfurter Paulskirche statt und wird ab 11 Uhr live im ZDF übertragen.

Weitere Informationen zum Preis sowie eine ausführliche Bibliografie der Werke von Karl Schlögel finden Sie auf der Homepage des Friedenspreises.

2024 erhielt die polnisch-amerikanische Historikerin und Publizistin Anne Applebaum den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Karl Schlögel, Preisträger Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
(c) Peter Andreas Hassiepen
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