Österreichischer Buchhandlungspreis 2025

„Ich möchte den Lesenden aus Schärding das geben, was sie suchen, und manchmal auch ein bisschen mehr“ – Buchhandlung Schachinger

Der Wunsch, „etwas mit Büchern“ zu machen, sei für Uli Schachinger von Anfang an da gewesen. Die Gelegenheit dazu bot sich schließlich in Schärding. Den Traum einer eigenen Buchhandlung, den sie ursprünglich mit einer Freundin in Wien verwirklichen wollte, setzte sie hier allein um. Sie kündigte ihren Job, nahm einen Kredit auf, renovierte ein kleines Geschäftslokal am Stadtplatz und eröffnete – als Ein-Frau-Betrieb. Das ist die Buchhandlung im Grunde bis heute. An Samstagen und während der Ferienzeit erhält Schachinger Unterstützung von ihren Nichten Jutta und Ida – „Gold wert, besonders auch wenn es um die Beratung von Manga-Fans geht“, sagt sie.

Der Schwerpunkt der Buchhandlung liegt auf Belletristik – für Erwachsene ebenso wie für Kinder und Jugendliche. Nachdem eine Kinderbuchhandlung im Ort zumachte, baute Schachinger ihr Sortiment in diesem Bereich gezielt aus, um die entstandene Lücke zu füllen. Besonders am Herzen liege ihr die Förderung österreichischer Literatur: „Ich achte darauf, viele Bücher österreichischer Autorinnen und Autoren im Sortiment zu haben. Zum Glück wird das immer leichter, weil es mittlerweile so viele gute Titel gibt. Gerade im Bereich Kinder- und Jugendbuch wächst das Angebot stetig – und bei der Erwachsenenliteratur sowieso.“ Ergänzt wird das Angebot durch ausgewählte Sachbücher aus den Bereichen Geschichte, Philosophie, Politik und Gesellschaft – ebenfalls mit Österreich-Fokus – sowie durch Koch- und Gartenbücher, fremdsprachige Literatur und Biografien.

Die Kundschaft der Buchhandlung sei bunt gemischt – von der Seniorin bis zum Schüler, vom Kurgast bis zum New-Adult-Fan aus der Region. Letztere Zielgruppe sei im letzten Jahr stark gewachsen: „Ich habe eine eigene Ecke gestaltet, mit einer Lichterkette – da glitzert’s ein bisschen. Das kommt ganz gut an.“ Die Nachfrage nach englischsprachigen Büchern wächst, und Schachinger, die selbst Anglistik studiert hat, ergänzt ihr Sortiment in diesem Bereich laufend. Auch die Kurgäste ziehe es regelmäßig in die Buchhandlung – ein Publikum, das laut Schachinger besonders viel Zeit und Muße zum Lesen mitbringt.

Die persönliche Beratung spielt für Uli Schachinger eine zentrale Rolle: „Ich kenne meine Stammkundinnen und -kunden und ihre Lesepräferenzen mittlerweile gut. Oft kommt jemand und sagt: ‚Ich brauche ein Geschenk für jemanden – Sie wissen ja, was er oder sie gerne liest.‘“

Die Geschichte der Buchhandlung ist gezeichnet von einer Tragödie, die sich 2024 ereignete: Bei Sanierungsarbeiten am alten Standort stürzte das Gewölbe ein, zwei junge Arbeiter kamen ums Leben. Schachinger sei noch immer tief berührt und dankbar für die Unterstützung durch Stammkund:innen, Freund:innen und Gemeindemitglieder nach dem Einsturz. So tragisch das Unglück war, so groß sei auch die Hilfsbereitschaft danach gewesen: „So viele halfen mit, schleppten, putzten und organisierten. Dieses Echo war für mich sehr berührend: Zu spüren, wie viel den Kundinnen und Kunden die Buchhandlung bedeutet – genauso viel wie mir.“

Nach dem Teileinsturz des Gebäudes zog die Buchhandlung um. Der neue Standort liegt nur wenige Häuser weiter – in der Lamprechtstraße – und brachte die Chance, das Sortiment neu zu ordnen und auszubauen. Auch kleinere Veranstaltungen mit musikalischer Begleitung sind nun möglich, worüber sich die Buchhändlerin besonders freue. In der Lamprechtstraße 10 beginne für sie ein neues Kapitel: Der helle, großzügige Hauptraum wird durch eine einladende Empore ergänzt, auf der eine gemütliche Kaffee-Ecke zum Verweilen einlädt. Die Stufen dorthin sind mit Sitzpolstern ausgestattet – perfekt zum Schmökern. Regale und Lampen aus der alten Buchhandlung haben hier ihren neuen Platz gefunden. „Ich finde es einfach schön, wenn sich Kundinnen und Kunden bei mir wohlfühlen. Im alten Geschäft hatte ich ein Sofa, und jetzt gibt es hier eine Sitzecke mit Kaffeemaschine. Es freut mich einfach, wenn sich die Leute hinsetzen, ein bisschen bleiben und mit mir ins Gespräch kommen – das ist etwas ganz Besonderes,“ so Schachinger.

Neben der Buchhandlung engagiert sich Uli Schachinger als Literaturverantwortliche im Kulturverein Schärding und arbeitet mit anderen Kulturinitiativen zusammen. Sie organisiert Lesungen, betreut Büchertische bei Veranstaltungen wie Kindertheatern oder Gartenausstellungen und bringt Literatur an viele verschiedene Orte.

Die Auszeichnung als eine der besten Buchhandlungen Österreichs 2025 bedeute ihr sehr viel – das Preisgeld soll in die Geschäftsausstattung fließen. Die Zufriedenheit mit dem neuen Standort und der große Zuspruch gaben den Anstoß, an der Ausschreibung teilzunehmen: „Dieses Jahr hat einfach alles gepasst – und ich habe mich zum ersten Mal beworben. Jetzt bin ich wirklich glücklich und stolz und kann den Erfolg richtig genießen.“

Privat greift Uli Schachinger selbst gerne zur Belletristik – unterhaltsam darf sie sein, sprachlich und stilistisch gerne anspruchsvoll, und am liebsten mit einem versöhnlichen Ende. Ihre eigene Leidenschaft für Literatur möchte sie weitergeben – und dabei auch neue Impulse setzen: „Ich versuche bewusst, Bücher ins Regal zu stellen, von denen ich überzeugt bin – nicht nur das, was gerade gefragt ist. Und das kommt auch ganz gut an. Ich möchte den Lesenden aus Schärding das geben, was sie suchen – und manchmal auch ein bisschen mehr.“

Buchhandlung Schachinger
Inhaberin Ulrike Schachinger (Mitte) mit ihren Nichten Jutta und Ida Schachinger; Foto (c) Lena Gatterbauer
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