Die Jury würdigt den Preisträger wie folgt: „Michael Donhauser hat sein schriftstellerisches Werk auf ein lyrisches Dichten ausgerichtet. Seit seinem Debüt ‚Der Holunder‘, das 1986 erschien, hat er mit beeindruckender und zugleich kontinuierlicher Schreibarbeit ein umfangreiches Oeuvre von herausragender literarischer Bedeutung vorgelegt. Im Zentrum steht dabei das nachhaltige Interesse an der poetischen Form und Sprache.
Mit den Mitteln der Literatur, aber auch mit dem Blick auf ihre Geschichte gelten seine Anstrengungen immerzu dem Ziel, sinnlichen Erfahrungen und Wahrnehmungen Gestalt zu geben. Kaum ein Dichter zeigt uns besser, wie man heute über Landschaft, Natur und Dinge schreiben kann, kein anderer hat aber auch ein so explizites Verfahren der Lektüre entwickelt wie er. Sein Werk vereint auf eine singuläre Weise lyrische Energien wie Rausch, Rhythmus und Melodie, die uns immer wieder jenes spezifische Potential der Sprache vor Augen führen, das uns viel zu oft abhandenkommt. Die Literatur von Michael Donhauser durchbricht so sinnhaft Gewohntes, um uns auf sinnlich Neues vorzubereiten.“
Die Jury bestand in diesem Jahr aus Andreas Brandtner, Jürgen Thaler und Annemarie Türk.
Für Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler ist Donhauser „ein Lyriker, der in besonderer Weise an H. C. Artmann anschließt“. Er verbinde „traditionelle lyrische Formen mit moderner und expressionistischer Poesie, in der Satzgrenzen aufgehoben und Assoziationsräume eröffnet werden“.
Der Preisträger
Michael Donhauser wurde 1956 als österreichischer Staatsbürger in Vaduz geboren und lebt seit Mitte der 1970er Jahre in Wien als freischaffender Autor und Übersetzer aus dem Französischen. Sein Schaffen umfasst Lyrik, lyrische Prosa und Essays. Zuletzt erschien der Band „Unter dem Nussbaum“, der Lyrik und Prosa aus beinahe vier Jahrzehnten vereint und 2025 für den Österreichischen Buchpreis nominiert war.
Sein Werk wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Christine-Lavant-Lyrikpreis (1995), Mondseer Lyrikpreis (2001), Ernst-Jandl-Preis (205), Georg-Trakl-Preis für Lyrik (2009) und dem Heimrad-Bäcker-Preis (2019).
Der H.C.-Artmann-Preis
Der H.C.-Artmann-Preis wurde 2004 von der Kulturabteilung der Stadt Wien zu Ehren des im Jahr 2000 verstorbenen Wiener Dichters H.C. Artmann ins Leben gerufen. Er richtet sich an in Wien lebende Autor:innen, die herausragende Werke im Bereich der Lyrik verfasst haben und wird im Zwei-Jahres-Rhythmus vergeben. Mit einer Dotierung von 10.000 Euro ist der Preis die höchste Auszeichnung der Stadt Wien im Bereich der Lyrik. Frühere Preisträger:innen waren u.a. Margret Kreidl (2024), Julian Schutting (2022) und Elfriede Czurda (2014).
