Initiativen für internationale Übersetzungsförderung

Grenzen überwinden

Eine Plattform für europäische Lyrik

Versopolis ist eine europäische Plattform für zeitgenössische Poesie, die 2014 gegründet wurde, um aufstrebenden Dichterinnen und Dichtern neue und nachhaltige Möglichkeiten zur internationalen Sichtbarkeit und Vernetzung zu bieten. Im Zentrum steht die Förderung poetischer Stimmen, die durch Übersetzungen, Auftritte bei renommierten Festivals und die Einbindung in ein weitreichendes Netzwerk über nationale und sprachliche Grenzen hinaus Gehör finden sollen. Dabei versteht sich Versopolis als literarische Agentur ohne Grenzen, die organisatorische, finanzielle, redaktionelle und mediale Unterstützung bereitstellt.

Übersetzung als Herzstück

Im Zentrum der Plattform steht das Engagement für Übersetzung. Gedichte erscheinen in mehreren Sprachen – sowohl digital als auch in gedruckter Form. Die eingeladenen Autor:innen nehmen an internationalen Literaturveranstaltungen teil, wo sie auf Kolleg:innen, Leser:innen, Verlage und Kulturinstitutionen treffen.
Mit über 585 Lyriker:innen aus 49 Ländern und Gedichten in 43 Sprachen hat sich Versopolis zu einer der bedeutendsten Poesieplattformen weltweit entwickelt.

Digitale Initiativen und kreative Experimente

In Reaktion auf die Corona-Pandemie entstand 2020 das Festival of Hope – ein digitales Literaturfestival mit Partnern aus aller Welt, das Solidarität und kreative Zusammenarbeit in den Mittelpunkt stellte. Daran anknüpfend wurde 2022 Brave New Literatures ins Leben gerufen, ein interdisziplinäres Projekt, das sich mit der Schnittstelle von Poesie, neuen Medien und Technologie beschäftigt. 2023 folgte schließlich die erste vollständig digitale Poesiemesse: die Poetry Expo. Sie findet seither jährlich im Februar statt und hat sich zu einem internationalen Schauplatz für Lyrik, literarischen Austausch und kreative Experimente entwickelt.

Ein digitales Zuhause für poetische Vielfalt

Darüber hinaus betreibt Versopolis eine umfangreiche Website, die als lebendiges Archiv und literarische Plattform fungiert. Sie versammelt nicht nur die Werke der beteiligten Autorinnen und Autoren, sondern bietet auch Raum für Essays, Reportagen, Interviews und Rezensionen zu aktuellen kulturellen, politischen und literarischen Themen. Regelmäßige Formate wie „Author of the Week“, der Podcast oder das Video-Projekt „Moved by Versopolis“ ermöglichen vielfältige Einblicke in das literarische Leben der beteiligten Künstlerinnen und Künstler.

Förderung des literarischen Nachwuchses

Ein besonderes Augenmerk liegt auch auf der Nachwuchsförderung. Die Traineeship Classes bieten jungen Literaturvermittlerinnen, Festivalorganisatoren, Übersetzer:innen und Redakteur:innen praxisnahe Einblicke in die internationale Poesieszene und regen zur transnationalen Zusammenarbeit an. Ab 2025 erweitert die Versopolis Global Residency dieses Engagement durch internationale Aufenthalte, die den literarischen Austausch über Europa hinaus vertiefen sollen.

Poesie als gesellschaftliche Kraft

Versopolis versteht Poesie als verbindende, gesellschaftlich wirksame Kraft und als Raum für Empathie, Reflexion und kulturellen Dialog. Die Plattform setzt sich dafür ein, dass Lyrik nicht nur bewahrt, sondern gelebt wird – als grenzüberschreitende, vielsprachige und zukunftsgewandte Form der literarischen Auseinandersetzung.

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TOLEDO als internationales Labor des Übersetzens

Seit seiner Gründung im Jahr 2018 hat sich TOLEDO als internationales und digitales Labor des Deutschen Übersetzerfonds etabliert. Ziel des Programms ist es, die literarische Übersetzung als aktiven kulturellen Brückenschlag sichtbar zu machen und Übersetzer:innen darin zu stärken, ihre Rolle als Mittler:innen zwischen Sprachen und Kulturen bewusst auszuüben. TOLEDO versteht sich dabei als Begegnungsort der deutschsprachigen und internationalen Übersetzungsszenen und trägt zur Vernetzung, Professionalisierung und Sichtbarkeit des literarischen Übersetzens bei.

Förderung, Formate und digitale Erweiterung

Ein besonderer Fokus des Programms liegt auf der Förderung von Übersetzer:innen deutschsprachiger Literatur. Dazu gehören internationale Workshops, Stipendien und Austauschformate, die neue Perspektiven eröffnen und die Zusammenarbeit über Sprachgrenzen hinweg ermöglichen. Im Zuge der COVID-19-Pandemie hat TOLEDO sein digitales Profil geschärft und neue Formate entwickelt: Die JOURNAL-Reihe dokumentiert in tagebuchartigen Beiträgen das Übersetzen als intellektuelle und künstlerische Praxis im Hier und Jetzt, während die TOLEDO TALKS ein Forum für Debatten schaffen, das Übersetzer:innen als gesellschaftlich relevante Stimmen sichtbar macht. Finanziert werden diese digitalen Angebote unter anderem durch Mittel des Programms NEUSTART KULTUR der Bundesregierung.

Der Traum von Toledo

Der Name TOLEDO ist bewusst gewählt und verweist auf eine lange europäische Tradition des Übersetzens. Im mittelalterlichen Toledo galt das Zusammenwirken von jüdischen, christlichen und muslimischen Gelehrten als Symbol für interkulturellen Austausch, Toleranz und kooperatives Arbeiten. Dieses historische Bild einer offenen und dialogischen Übersetzungskultur dient dem heutigen Programm als ideelle Leitlinie. TOLEDO knüpft damit an eine Vision von kultureller Verständigung an, die auch unter gegenwärtig oft politisch herausfordernden Bedingungen Orientierung bieten soll.

Trägerschaft und Einbettung in den Deutschen Übersetzerfonds

Hervorgegangen ist TOLEDO aus der langjährigen Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Übersetzerfonds und der Robert Bosch Stiftung. Der Deutsche Übersetzerfonds selbst wurde 1997 gegründet und zählt zu den sechs Kulturfonds, die durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) unterstützt werden. Er fördert das literarische Übersetzen mit einem differenzierten Stipendienprogramm, über seine „Akademie der Übersetzungskunst“ sowie durch zahlreiche Projekte, die das literarische Übersetzen als kulturelle Praxis ins öffentliche Bewusstsein rücken. Daneben wird der Fonds regelmäßig vom Auswärtigen Amt und der Kulturstiftung der Länder gefördert.

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Der European Union Prize for Literature (EUPL) wurde ins Leben gerufen, um die Vielfalt der zeitgenössischen europäischen Literatur zu würdigen und sichtbar zu machen. Ausgezeichnet werden herausragende fiktionale Werke von Autor:innen aus den 40 Ländern des Creative-Europe-Programms. Ziel ist es, diesen literarischen Stimmen über ihre nationalen Grenzen hinaus Gehör zu verschaffen, Übersetzungen zu fördern und einen inklusiveren sowie stärker vernetzten europäischen Literaturraum zu schaffen.

Mit dem Preis sind finanzielle Auszeichnungen verbunden: Die Hauptpreisträger:innen erhält 10.000 Euro sowie Unterstützung für zwei Übersetzungen. Zwei weitere Autor:innen erhalten je 5.000 Euro und Unterstützung für eine Übersetzung. Auch die übrigen nominierten Autor:innen profitieren von Förderungen für Übersetzungen und internationaler Sichtbarkeit, etwa durch die Teilnahme an Buchmessen. Darüber hinaus erscheint ein Booklet mit Auszügen aller nominierten Werke – im Original sowie auf Englisch. Die Auszeichnung wird durch das Creative-Europe-Programm der EU kofinanziert.

Neben der allgemeinen Sichtbarmachung verfolgt der EUPL mehrere Schwerpunkte: Er soll literarische Vielfalt in Europa abbilden, auch in weniger verbreiteten Sprachen, und unterrepräsentierte Stimmen stärken. Gleichzeitig möchte der Preis aufstrebenden Autor:innen zu mehr Karrierechancen verhelfen und als Sprungbrett für internationale Anerkennung dienen. Der EUPL unterstützt Werke, die europäische Identität und gegenseitiges Verständnis fördern.

Der EUPL wurde 2009 durch ein Konsortium aus dem Europäischen und Internationalen Buchhändlerverband (EIBF), dem Europäischen Verlegerverband (FEP) und dem Europäischen Schriftstellerrat (EWC) ins Leben gerufen. Ziel war es von Beginn an, neue literarische Stimmen aus Europa zu entdecken und deren Bekanntheit über Landesgrenzen hinweg zu fördern.

Teilnahmevoraussetzungen und Auswahlprozess

Die Nominierungen erfolgen auf nationaler Ebene durch jeweils eine Organisation, die mit der Förderung von Literatur vertraut ist. Dabei müssen die ausgewählten Bücher bestimmten Kriterien genügen: Sie müssen literarisch hochwertig, professionell verlegt, aktuell und für eine Übersetzung geeignet sein. Self-Publishing ist ausgeschlossen. Zugleich müssen sie den Grundwerten der EU entsprechen, etwa der Achtung der Menschenwürde und -rechte.

Auch für Autor:innen gelten spezifische Voraussetzungen: Sie müssen über die Staatsbürgerschaft oder einen dauerhaften Aufenthalt im jeweiligen Land verfügen und zwischen zwei und vier belletristische Werke veröffentlicht haben. Eine zu große internationale Bekanntheit – etwa durch Übersetzungen in mehr als vier Sprachen – schließt eine Nominierung ebenso aus wie eine aktuelle Tätigkeit für EU-Institutionen. Bereits zuvor nominierte Autor:innen sind ebenfalls nicht erneut teilnahmeberechtigt.

Die Rolle der europäischen Jury

Die europäische Jury besteht aus sieben renommierten Expert:innen aus der Buch- und Literaturwelt, darunter Autor:innen, Verleger:innen, Buchhändler:innen, Übersetzer:innen und Kritiker:innen. Um Interessenskonflikte zu vermeiden, stammen sie aus Ländern, die im aktuellen Jahr nicht am Preis teilnehmen.

Die Jury liest Auszüge der nominierten Werke (übersetzt ins Englische), tauscht sich mit den Nominierungsorganisationen und Verlagen aus und entscheidet letztlich über die Hauptpreisträger:in sowie zwei „Special Mentions“. Ziel ist es, mit der Auszeichnung sowohl literarische Qualität als auch kulturelle Vielfalt sichtbar zu machen und Autor:innen aus ganz Europa eine Bühne zu bieten.

EUPL 2025

(c) EUPL

Der Hauptpreis 2025 ging an die italienische Autorin Nicoletta Verna für ihren Roman „I Giorni di Vetro“, der im Verlag Einaudi erschienen ist. Die Jury verlieh außerdem zwei Sonderauszeichnungen an den Belgier Philippe Marczewski für „Quand Cécile“, veröffentlicht bei Le Seuil, und Sheila Armstrong aus Irland mit ihrem Debütroman „Falling Animals“, erschienen bei Bloomsbury.

Die Auszeichnungen wurden am 16. Mai im Rahmen einer feierlichen Zeremonie auf der internationalen Buchmesse „Book World Prague“ bekannt gegeben.

Auch das vom Hauptverband des Österreichischen Buchhandels nominierte Werk, „Erste Töchter“ von Ljuba Arnautović, erschienen bei Zsolnay, stand heuer auf der Shortlist für den European Union Prize for Literature (EUPL).

-> Direkt zur EUPL-Homepage

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(c) Arthur A.
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