Vereinsgründung und neuer Webauftritt
Unter dem Dach der ARGE haben sich österreichische Kinder- und Jugendbuchverlage zusammengeschlossen, um gemeinsame Initiativen für das Kinderbuch zu entwickeln. Aus der bisherigen ARGE entsteht nun der Verein „Children’s Books from Austria“, der die Arbeit der Verlage Achse, Bibliothek der Provinz, Edition 5Haus, Edition Nilpferd, G&G, Jungbrunnen, Leykam, Luftschacht, Obelisk, Picus, Tyrolia und Vermes mit neuer Struktur fortsetzt. Die Gründung eines eigenen Vereins bringe organisatorische Vorteile mit sich, so Obfrau Tanja Raich. Zudem mache der neue Name „Children’s Books from Austria“ besser deutlich, wofür die Organisation steht – auch international, wo der Verein in Gründung seine Präsenz noch weiter ausbauen möchte.
Im Zentrum des Rebrandings steht neben dem neuen Namen ein eigener Webauftritt. Auf www.childrensbooksfromaustria.com präsentieren sich die Mitgliedsverlage gemeinsam. Neben ausführlichen Informationen zu den Verlagen finden sich dort pro Verlag jeweils drei ausgewählte Bücher aus den Verlagsprogrammen. Die Verlage freuen sich zudem immer über potenzielle Kooperationspartner:innen, um Aufmerksamkeit für das Kinderbuch zu schaffen.
Internationale Präsenz zeigen
Zu den zentralen Aufgaben des Vereins soll in Zukunft die internationale Arbeit zählen. Ein Schwerpunkt ist der Foreign Rights Katalog für die Kinderbuchmesse in Bologna, der auch auf der Frankfurter Buchmesse verteilt wird. Pro Verlag werden darin drei ausgewählte Titel vorgestellt.
„Wir haben in Bologna gesehen, dass viele Länder – etwa Polen oder Estland – beeindruckende Gastland-Auftritte haben und eigene Kataloge entwickeln. Das hilft, weil ausländische Verlage beim Durchblättern schnell einen Überblick über die Kinderbuchszene eines Landes bekommen. Gerade im internationalen Markt ist das oft schwierig, solche Kataloge bieten hier einen guten Einstieg“, so Tanja Raich.
Zur internationalen Tätigkeit gehört außerdem ein jährlicher Empfang in Bologna, bei dem internationale Kolleg:innen eingeladen werden. Auch eine Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse wurde aufgebaut: Im Rahmen des Projekts „German Stories“ werden jedes Jahr zwölf österreichische Kinderbücher auf internationalen Messen präsentiert.
Darüber hinaus soll im deutschsprachigen Ausland die Präsenz noch weiter ausgebaut werden: Bereits zum zweiten Mal präsentierten sich die österreichischen Verlage im September 2025 mit einer Pressebörse in der österreichischen Botschaft in Berlin – eine regelmäßige Zusammenarbeit mit dem Kulturforum dort ist geplant. Auch in Hamburg war man schon zu Gast.
„Das Schöne ist, dass durch unsere Arbeit auch weitere Projekte angestoßen werden. Es ist immer ein Zusammenspiel vieler Akteur:innen – etwa des Hauptverbandes, des Kulturforums Berlin oder anderer Institutionen. So sind zum Beispiel die ORF-KIDS-Bestenliste und eine Lesereise österreichischer Autor:innen in Deutschland hervorgegangen, was ich großartig finde.“

Gemeinsam stärker
Raich betont, wie wichtig es ist, Kräfte zu bündeln: „Wir wissen ja, dass die österreichischen Kinderbuchverlage oft noch kleiner sind als die Literaturverlage. Es sind sehr kleine, überschaubare Strukturen, und es ist schwierig, die Grenze nach Deutschland zu überschreiten. Wenn wir aber gemeinsam als ‚Kinderbücher aus Österreich‘ auftreten, schaffen wir Synergien und damit auch eine größere Relevanz und Sichtbarkeit.“
Doch nicht nur international, auch im eigenen Land sieht Raich Aufholbedarf: „Mir blutet manchmal wirklich das Herz, wenn in Schulen ‚Gregs Tagebuch‘ gelesen wird. Ich habe nichts dagegen – das darf man gern lesen, aber wir haben in Österreich eine wirklich breite, großartige Kinderbuchproduktion, und man könnte auch darauf zurückgreifen.“
Die Sichtbarkeit österreichischer Kinderliteratur müsse insgesamt gestärkt werden – durch Preise, öffentliche Förderung und mediale Präsenz: „Kinderbuchpreise werden oft nicht mit demselben Brimborium gefeiert wie Preise für Erwachsenenliteratur. Ich finde, Kinderbücher sollten mit viel mehr Aufmerksamkeit und Bedeutung behandelt werden, auch von Seiten der Medien. Neue Romane werden groß in Szene gesetzt, aber bei Kinderbüchern sehe ich selten einen vergleichbaren medialen Hype. Da könnte man durchaus das eine oder andere Kinderbuch stärker in den Blickpunkt rücken.“

Veränderungen in der Förderlandschaft
Sorgen bereiten der Branche die aktuelle Einsparungspolitik: „Wir schauen alle mit großer Besorgnis auf die Gespräche um bevorstehende Budgetkürzungen. Wir beobachten Einsparungen in allen Institutionen. Und das bei ohnehin schon vergleichsweise geringen Förderungen fürs Kinderbuch. Illustrator:innen werden kaum oder gar nicht gefördert, Stipendien sind selten. Oft fällt Kinderliteratur einfach durch den Raster und man konzentriert sich auf die Erwachsenenliteratur. Dabei wäre es so wichtig, in die jüngsten Leser:innen zu investieren.“
Aktuell sieht Raich zudem „einen Trend hin zu den Spitzentiteln“. Diesem Trend der Kommerzialisierung müsse man entgegenhalten, um eine vielfältige Kinderbuchlandschaft zu bewahren. An Qualität und Kreativität mangle es den österreichischen Kinderbuchverlagen sowie den Künstler:innen jedenfalls nicht. Was dabei die österreichische Kinderliteratur besonders auszeichne? „Österreichische Literatur hat den Ruf, sprachspielerisch zu sein – manchmal auch leicht makaber, auf jeden Fall sehr lustig und ‚out of the box‘-denkend. Das trifft, finde ich, auch auf das österreichische Kinderbuch zu.“
Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage von Children’s Books from Austria.
