Ein Feld, das sich in den letzten Jahren stark ausdifferenziert hat. Konzepte wie „Early Literacy“, „Family Literacy“ und „Visual Literacy“ haben den Blick darauf erweitert, wie Lesen gelernt und vermittelt wird. Initiativen wie „Buchstart Österreich“, Vorlesepat:innen-Projekte in Kindergärten und Schulen, ein vielfältiges Veranstaltungsangebot in öffentlichen Bibliotheken und Kinderliteraturfestivals laden zu verbindenden Begegnungen zwischen Menschen jeden Alters und Büchern ein. Hier wie dort setzen sich viele engagierte Menschen dafür ein, Kinder früh für Bücher zu begeistern – und das oft unter schwierigen Bedingungen. Die finanziellen Mittel sind knapp, vieles hängt am persönlichen Einsatz Einzelner. Politische Maßnahmen verlaufen sich nicht selten im Rhythmus von Legislaturperioden, während die Unzufriedenheit mit Studienergebnissen zur Lesekompetenz junger Menschen in Österreich weiter zunimmt.
Wie komplex das Thema ist, wurde mir bei einem Vortrag zur Mehrsprachigkeit auf der Leipziger Buchmesse wieder einmal klar. Faktoren wie Bildungshintergrund, Vorleseerfahrung, Verfügbarkeit von Büchern, Sprachbarrieren und nicht zuletzt fehlende „Zeit und Kraft“ im Familienalltag haben einen Einfluss darauf, ob und wie vorgelesen wird. Die Vermittlung von Lesefreude ist also kein isoliertes Handlungsfeld, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Mein Appell richtet sich daher an die Politik: Wenn wir wollen, dass zukünftige Generationen lesen (können), braucht es langfristige, gemeinsame Ziele und Anstrengungen über Ressort- und Bundeslandgrenzen hinweg. Bildung-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik müssen zusammengedacht werden. Familien und Institutionen muss Zeit und Kraft zum Vorlesen gegeben werden! Das erfordert gleichzeitig eine starke Kulturpolitik, die sich klar zu einer qualitätsvollen Kinder- und Jugendliteratur bekennt.
Ohne Bücher kein Vorlesen. Wenn Sie gerade auf der Suche nach Vorlesestoff sind, stöbern Sie gerne auf der Website von Childrens’s Books from Austria, wo Sie die Vielfalt der Produktion der österreichischen Kinder- und Jugendbuchverlage, Altbekanntes und ganz Neues (wieder-) entdecken können. Oder lassen Sie sich von den Buchempfehlungen auf unserer Website www.jugendliteratur.at inspirieren. Gemeinsam in einem schön illustrierten Bilderbuch oder einer guten Geschichte zu versinken braucht Zeit…sorgt aber auch bei allen Beteiligten für Kraft und Motivation, um mit dem (Vor-)Lesen weiterzumachen.
Text: Stefanie Schlögl, Leiterin des Instituts für Jugendliteratur
