Elisabeth Stein-Hölzl im Interview
Frau Stein-Hölzl, können Sie uns etwas über die Entstehung der Reihe erzählen?
Ein Auslöser war sicherlich der Erfolg der ersten „Rebel Girl“-Bücher, die sehr gut gemacht sind und einem wunderbaren Konzept folgen. Zugleich aber hatten wir im Molden-Verlag – mit einem klaren Programmschwerpunkt in Biografien – den Eindruck, dass in diesen (und den rasch folgenden Me-too-Produkten) die echten Biografien der vorgestellten Frauen in den kompakten doppelseitigen Darstellungen zu kurz kamen. Hier war eindeutig kein Platz für Vielschichtigkeiten und Mehrdeutigkeiten, für Licht- und Schattenseiten, kurz: für das echte Leben dieser Frauen.
So entstand der Plan, Autorinnen mit wissenschaftlichem Background und großer Lust an Quellenrecherche und lebendigem Erzählen zu bitten, über Frauen, zu denen es bislang im deutschsprachigen Raum noch keine oder zumindest keine aktuelle Biografie gab, zu schreiben. Im ersten Programm haben wir dann, in besonderem und auffälligem Design und mit viel neuem Bildmaterial über die „echte“ Hedy Lamarr und über die fantastische Architektin Margarete Schütte-Lihotzky erzählt. Mit einigen Autorinnen, wie Michaela Lindinger (Hedy Lamarr, Elisabeth Petznek, Marie Antoinette, Wallis Simpson) oder Mona Horncastle (Margarete Schütte-Lihotzky, Josephine Baker, Peggy Guggenheim) arbeiten wir sehr regelmäßig zusammen.

„Ich glaube, es gibt ein Bedürfnis danach, diese zum Teil vergessenen, zum Teil sogar „beklauten“ Frauen, wie eine Historikerin es in ihrem Buch titelt, kennenzulernen.“
(c) Harald Eisenberger
Was können die heutigen Leserinnen von diesen Geschichten mitnehmen?
Ich glaube tatsächlich, dass es kaum etwas so Inspirierendes gibt, wie Biografien zu lesen! Ich finde es immer wieder überraschend zu sehen, wie sich Frauen trotz widrigster Umstände mit ihren Begabungen und Leidenschaften durchgesetzt haben. Es sind vielfach Selbstermächtigungsgeschichten: „Never give up“, das kann man von fast allen dieser Biografien lernen. Und natürlich auch die Tatsache, dass erfolgreiche Frauen eben auch nicht einfach nur strahlende Heldinnen sind, sondern Menschen aus Fleisch und Blut, mit sympathischen und auch irritierenden Eigenschaften …
Wie wird die Reihe vom Publikum aufgenommen?
Wir erhalten viel Zuspruch für diese Bücher, worüber wir uns sehr freuen. Interessanterweise sind es oft tatsächlich die noch weniger bekannten Frauen, die wir gut verkaufen können. Ich glaube, es gibt ein Bedürfnis danach, diese zum Teil vergessenen, zum Teil sogar „beklauten“ Frauen, wie eine Historikerin es in ihrem Buch titelt, kennenzulernen.
Viele historische Frauenfiguren wurden oft auf bestimmte Narrative reduziert – wie etwa auf ihre Rolle als Ehefrau, Muse, Exzentrikerin etc. Wie gelingt es, die Frauen in ihrer Komplexität darzustellen?
Das ist die Kunst der Autorinnen, tiefer zu graben, genauer hinzuschauen. Im nächsten Buch über Peggy Guggenheim (erscheint im Herbst 2025) etwa hat sich Mona Horncastle u.a. die Mühe gemacht, die Darstellung der Peggy Guggenheim in den Biografien der zahlreichen berühmten Männer, mit denen sie liiert war, zu analysieren. Man kann es kaum glauben, wie einseitig und teilweise auf verachtende Weise diese Frau, die mit ihrer Sammlertätigkeit vielen dieser Männer erst zu ihren Karrieren verhalf, hier oft dargestellt wurde!
Gibt es eine Frauenfigur aus der Reihe, die Sie persönlich besonders fasziniert oder inspiriert hat?
Mit Büchern ist es ein bisschen so wie mit den eigenen Kindern: man liebt sie alle!
Wie geht es mit der Reihe weiter?
Wir möchten gerne weiterhin auch über spannende Frauen mit Österreich-Bezug erzählen, aber in Zukunft verstärkt den Blick über den deutschsprachigen Tellerrand hinauswagen. Inhaltlich und zeitlich wollen wir aber unbedingt so breit wie möglich aufgestellt bleiben.
Vielen Dank für das Interview!
