Marianne Eppelt im Interview
Frau Eppelt, was ist das grundlegende Konzept hinter BücherFrauen?
BücherFrauen e.V. ist ein berufsübergreifendes Branchennetzwerk für Frauen mit Berufen rund ums Buch. Wir haben zunächst zwei Kernanliegen: den gemeinsamen Austausch zu fachlichen und beruflichen Themen mit der Freude am Buch und das gegenseitige Empowerment in einer Arbeitsumgebung und Gesellschaft, die noch immer patriarchal und sexistisch strukturiert ist. Aus diesen zwei Kernanliegen ergibt sich dann der dritte Schwerpunkt unserer Arbeit, dass wir diskriminierende Strukturen anmahnen, sichtbar machen und letztlich durch einen fairen und gerechten Umgang miteinander ersetzen wollen.
Die BücherFrauen treffen sich lokal in Regionalgruppen, die ihr eigenes Programm gestalten und wir bieten überregionale AGs wie das Buchorchester oder die Podcast-AG. Außerdem haben wir eine Akademie für Fort- & Weiterbildung, ein Mentoringprogramm, den Frauenliteraturpreis „Christine“ und die feministische Buchwoche, um feministischer Literatur mehr Sichtbarkeit zu verschaffen. In diesem Jahr haben wir gemeinsam mit The Female Publisher Network die „5 to watch“ ausgerufen, um neuen, spannenden Stimmen in der Buchbranche eine größere Bühne zu verschaffen.
Wie trägt die Feministische Buchwoche dazu bei, feministische Perspektiven und Frauenstimmen in der Literatur sichtbarer zu machen?
Die feministische Buchwoche bietet Anlass, sich mit feministischen Stimmen, Texten und Autor:innen zu beschäftigen. Lesungen, Gespräche und die verschiedensten Veranstaltung laden dazu ein, über feministische Perspektiven und Anliegen nachzudenken und sich auszutauschen. So eine Veranstaltungswoche stößt dazu an, sich mit einem Thema konzentriert zu befassen, obwohl es im Alltagsstress oft untergeht. Da hilft es doch, einmal eine Woche zu haben, in der an unterschiedlichen Orten gleich eine ganze Auswahl an Veranstaltungen stattfinden. Und so wird auch sichtbar, wie viele unterschiedliche feministische Ansätze es gibt, die so in Kontakt miteinander kommen.

„Vernetzung bietet die Chance, kollektive Probleme als solche zu erkennen und dann auch kollektiv anzupacken und sich miteinander zu solidarisieren.“
(c) Ildiko Sebestyen
In welchen Bereichen der Buchbranche sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert, und welche Schritte sind notwendig, um dies langfristig zu ändern?
Puh, das ist eine umfangreiche Frage. Im Grunde reicht ein Blick in die Führungsetagen und dorthin, wo es um Geld, Sichtbarkeit und Einfluss geht. Wer sitzt in den Leitungspositionen in Verlagen, im Handel, in den Bibliotheken? Wessen Bücher bekommen Rezensionen in auflagenstarken Medien? Wer bekommt Preise, Auszeichnungen, Sitze in Jurys und finanzstarke Stipendien? Es hat sich in den letzten Jahren durchaus schon etwas getan, aber es gibt noch immer ein deutliches Ungleichgewicht. Hier hinzuschauen und nachzufragen, wie es dazu gekommen ist, bleibt eine wichtige Aufgabe – auch zur internen Selbstreflexion der Branche, wie sie denn sein möchte. Wenn wir uns eine vielstimmige und spannende Literatur wünschen, dann brauchen wir auch ebenso vielfältige Köpfe in der Branche. Das bezieht sich gar nicht nur auf Männer* und Frauen*, sondern auch auf alle marginalisierten Gruppen.
Neben der Aufmerksamkeit für den intersektionalen Blick, helfen Schulungen und Weiterbildungen wie etwa EqualLead vom Erich Pommer Institut, auch Quoten für Leitungspositionen, Jurys, Auszeichnungen und Verlagsprogramme können ein Mittel sein, um den Gender Bias zu durchbrechen.
Welche Bedeutung hat Vernetzung und gegenseitige Unterstützung für Frauen in der Buchbranche? Was kann die Vernetzung bewirken?
Gegenseitige Unterstützung und Vernetzung ist in jeder Branche gut. Es hilft, um wahrzunehmen, wo strukturelle Hürden liegen und es nicht an individuellen Kompetenzen liegt, wenn es nicht vorangeht. Und es hilft auch, gegen Vereinzelung und um über den eigenen Tellerrand zu schauen, um von anderen Frauen* zu lernen, die Branche besser kennenzulernen, um sich neue Horizonte zu erobern. Vernetzung bietet die Chance kollektive Probleme als solche zu erkennen und dann auch kollektiv anzupacken und sich miteinander zu solidarisieren.
Was würden Sie sich für die Zukunft der Branche wünschen – aus feministischer Perspektive, aber auch allgemein?
Ich wünsche mir Solidarität. Wir stehen alle gemeinsam enormen wirtschaftlichen und auch politischen Herausforderungen gegenüber. Die Buchbranche soll sowohl wirtschaftlich funktionieren als auch kulturelle Aufgaben wahrnehmen und der Demokratie den Rücken stärken. Das ist ein eigentlich unmöglicher Spagat. Deswegen braucht es auch von staatlicher Seite Unterstützung, beispielsweise in Form von struktureller Verlagsförderung und familienfreundlichen Stipendien, die zeigen, dass der Wunsch nach einer vielfältigen, spannenden Buchlandschaft nicht nur Lippenbekenntnisse sind.
Im letzten Jahr haben die BücherFrauen sich im Rahmen des Jahresthemas „Nachhaltige Entwicklung braucht Feminismus“ Forderungen zur Zukunft der Branche erarbeitet, deren Umsetzung würde uns alle weiterbringen.
In Deutschland hat sich das Netzwerk der BücherFrauen etabliert – sehen Sie auch in Österreich ein Potenzial für ein ähnliches Netzwerk?
Also, ganz heimlich sind wir schon in Österreich unterwegs, denn es gibt auch BücherFrauen, die in Österreich leben. Ich würde mich sehr über weitere Vernetzung freuen.
In Deutschland sind die BücherFrauen auch im Deutschen Frauenrat und in der Deutschen Literaturkonferenz vertreten. Das hilft durchaus um feministischen Themen Gehör zu verschaffen und sich über die Buchbranche hinaus zu vernetzen. „Typische Frauenprobleme“ wie die Herausforderungen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Altersarmut und verhinderte Aufstiegschancen gibt es in allen Branchen. Leider.
Generell halte ich sehr viel von Austausch, Vernetzung und Solidarität – das hat ja nichts mit Ländergrenzen zu tun.
Welche Tipps würden Sie jungen Frauen geben, die in der Buchbranche Fuß fassen wollen?
Mir hat es sehr geholfen, bei Branchennetzwerken, wie den BücherFrauen oder den Jungen Verlags- und Medienmenschen Mitglied zu werden. Das hat sehr geholfen, um niedrigschwellig mit der Branche in Kontakt zu kommen. Netzwerke bieten neben dem Austausch auch Fort- und Weiterbildung – und viel Erfahrungswissen. Also, Leute mit Erfahrung zu treffen und Fragen zu stellen, mutig zu sein und einfach mal zu machen.
Vielen Dank für das Interview!
