Themenschwerpunkt Feminismus und Frauen in der Branche

Feministische Literatur: Aktuelle Themen auf dem Buchmarkt

Wechseljahre neu denken – Ratgeber und Sachbücher zur Menopause und dem Älterwerden

Das Thema Menopause hat sich in den letzten Jahren zunehmend als fester Bestandteil des Sachbuchmarkts etabliert. Immer mehr Werke greifen dieses Thema auf, das nicht mehr als eine Phase des Verlustes betrachtet wird, sondern als eine Zeit der Reflexion und der Neuanfänge. Aktuell steht Woman on Fire: Alles über die fabelhaften Wechseljahre, erschienen bei Rowohlt Polaris, an der Spitze der Bestsellercharts im Bereich Ratgeber. Das Buch räumt mit veralteten Klischees über die Menopause auf und zeigt auf, wie diese Lebensphase auch eine Chance für persönliche Neuanfänge und eine neue Perspektive auf das Leben sein kann.

Susanne Liedtke und Christina Enzmann widmen sich in ihrem Buch Somebody told me. Ernährung als Schlüssel für mehr Wohlbefinden und Energie in den Wechseljahren, erschienen bei Brandstätter, einem der unterschätztesten Hebel für beschwerdefreie Wechseljahre: der richtigen Ernährung. Sie thematisieren die Notwendigkeit, die Wechseljahre zu enttabuisieren und Frauen ab 40 mit dem notwendigen Wissen auszustatten, um die Phase des Älterwerdens gesund und selbstbestimmt zu gestalten.

Ein weiteres, äußerst erfolgreiches Werk, das sich zwar nicht dezidiert mit der Menopause, sondern mit dem Älterwerden insgesamt auseinandersetzt, ist Elke Heidenreichs Altern. Das Buch, das derzeit auf Platz 5 der Bestsellercharts im Bereich Belletristik Hardcover rangiert, trifft den Nerv vieler Leser:innen und bietet einen tiefgründigen, oft humorvollen Blick auf das Älterwerden und die damit verbundenen Herausforderungen.

Bereits 2023 erschien im Leykam Verlag Wechselhafte Jahre, herausgegeben von Bettina Balàka. Die Sammlung von Erzählungen namhafter Schriftstellerinnen wie Marlene Streeruwitz und Barbara Honigmann beleuchtet die zweite Lebenshälfte und thematisiert sowohl die Herausforderungen als auch die Freuden, die das Älterwerden mit sich bringt. In ihren Texten stellen sie fest, dass in der Lebensphase nach der Mitte oft ungeahnte Potenziale und neue Möglichkeiten auf die Frauen warten.

Diese Werke zeigen, dass die Auseinandersetzung mit den Wechseljahren und dem Älterwerden nicht nur notwendig, sondern auch bereichernd sein kann. Sie bieten einen frischen Blick auf eine Lebensphase, die für viele Frauen mit Unsicherheiten verbunden ist, und eröffnen Perspektiven, wie diese Zeit als Chance für Veränderung und Wachstum genutzt werden kann.

Hot-Flush-Lit: Menopause in der Belletristik

Eine der größten Stärken der Literatur ist ihre Fähigkeit, Stereotype zu hinterfragen. Frauen in der Menopause werden häufig auf eine Handvoll klischeehafter Eigenschaften reduziert: Stimmungsschwankungen, Hitzewallungen, sexuelle Lustlosigkeit. Doch wie jede andere Lebensphase ist auch diese Zeit komplex und individuell unterschiedlich. Frauen in der Menopause können starke, kämpferische, humorvolle und vielschichtige Charaktere sein – genauso wie sie verletzlich, nachdenklich oder wütend sein können.

Romane, die sich der Menopause widmen, zeigen, dass diese Phase nicht nur mit Verlust assoziiert werden sollte, sondern auch mit einem Neuanfang. Es ist eine Zeit der Selbstfindung, des Umbruchs und oft auch der Befreiung von gesellschaftlichen Erwartungen. Indem die Belletristik diesen Aspekten Raum gibt, eröffnet sie neue Identifikationsmöglichkeiten für Leserinnen.

Neben Hitzewallungen und Wutausbrüchen hält die Menopause für Jo zum Beispiel noch viel mehr bereit: Aus körperlichen Symptomen werden übernatürliche Fähigkeiten und sie nimmt die Aufklärung ominöser Mordfälle in ihre eigenen Hände. Der Roman The Change von Kirsten Miller ist Teil des momentan im englischsprachigen Raum an Bedeutung gewinnenden Genres fiktionaler Literatur zur Menopause. „Hot-Flush-Literature”, erzählt Geschichten, abseits von Geschlechter- und Alters-Klischees. Erzählt wird aus der Sicht der Frauen. Neben den körperlichen Veränderungen werden sie vor noch größere Herausforderungen gestellt, um zu merken, dass die wichtigsten Entscheidungen des Lebens längst noch nicht gefällt wurden. Der neue Lebensabschnitt bringt dabei auch neue Chancen mit sich: So auch für die fünf Protagonistinnen der BBC-Serie Hot Flush, die gemeinsam im besten Alter eine Punkrock-Band gründen.

Im deutschsprachigen Raum kommt das Phänomen „Hot Flush-Lit” erst langsam an. Bis jetzt liegt der Fokus auf Ratgebern und Non-fiktionalem. Hot-Flush-Lit kann dabei viel mehr sein als ein Phänomen oder Trend, der den Buchmarkt für einige Monate dominiert. Im Zentrum der Geschichten stehen komplexe, weibliche Figuren. Sie erzählen humorvoll, ungewöhnlich, mitunter aufwühlend, immer vielschichtig. Egal ob man selbst von Hot Flushes heimgesucht wird oder nicht, das ist vor allem eines: Absolut erfrischend.

Ein neuer Blick auf historische Frauen

Biografien historischer Frauen aus einer feministischen Perspektive haben in den letzten Jahren zunehmend das Interesse von Leser:innen geweckt. Sie sind oft mehr als nur Lebensgeschichten bekannter Persönlichkeiten. Sie sind ein Spiegelbild der sozialen, politischen und kulturellen Bedingungen, die Frauen über die Jahrhunderte hinweg geprägt haben. Doch in vielen Fällen wurden diese Frauen – trotz ihres Einflusses – in der Geschichte entweder nur am Rande erwähnt oder durch die Linse männlicher Erzählungen betrachtet. Heute jedoch wird ihre Geschichte zunehmend aus einer feministischen Perspektive erzählt, die nicht nur ihre Leistungen würdigt, sondern auch die Strukturen und Umstände beleuchtet, die ihre Möglichkeiten einschränkten.

Das Schreiben solcher Biografien geht weit über die bloße Dokumentation eines Lebens hinaus. Es fordert eine kritische Auseinandersetzung mit den sozialen und politischen Systemen, die diese Frauen umgaben, und einem tiefgehenden Verständnis der Kräfte, die sie sowohl begünstigten als auch hemmen konnten. In den letzten Jahren sind zahlreiche Werke erschienen, die einen neuen Blick auf das Leben von Frauen werfen – sei es in Bezug auf ihren Beruf, ihre Beziehungen zu Männern, ihre Rolle in der Familie oder die gesellschaftlichen Erwartungen, die sie prägten.

Die Reihe des Molden Verlags zu historischen Frauen, die bereits Werke u. a. über Anna Mahler, Marie Antoinette und Wallis Simpson hervorgebracht hat, zeigt einen Blick auf bedeutende Frauen der Geschichte. Sie stellt nicht nur bekannte Persönlichkeiten in den Mittelpunkt, sondern auch jene weniger sichtbaren Akteurinnen, die auf ihre Weise maßgeblich zur Gestaltung ihrer Zeit beigetragen haben. In diesem Kontext wird auch Peggy Guggenheim in einem kommenden Band vorgestellt, eine Frau, die das 20. Jahrhundert und die Kunstwelt nachhaltig beeinflusst hat.

Internationale Aufmerksamkeit hat auch die Reihe historischer Romane der amerikanischen Autorin Marie Benedict erlangt, die auf Deutsch bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist. In ihrem Werk Die einzige Frau im Raum beleuchtet Benedict das Leben von Hedy Lamarr, einer Schauspielerin und Erfinderin, die weit über ihre glamouröse Karriere hinauswirkte und einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung von Kommunikationstechnologien leistete.

Indem diese Werke die Perspektive der Frauen in den Mittelpunkt stellen, erweitern sie das Verständnis der Geschichte. Sie bieten wertvolle Einblicke in die sozialen und kulturellen Herausforderungen, mit denen Frauen konfrontiert waren, und in den Kampf um Anerkennung in einer von Männern dominierten Welt. Sie zeigen, dass die Geschichte nicht nur von prominenten männlichen Figuren geschrieben wurde, sondern auch von den oft übersehenen Frauen, die hinter den Kulissen und trotz großer Widerstände Großes leisteten.

Feministische Perspektiven auf die Arbeitswelt

Ein weiteres aktuelles Thema, dem sich die Verlagswelt zunehmend widmet, ist die Auseinandersetzung mit der Arbeit aus einer feministischen Perspektive, insbesondere im Hinblick auf die Herausforderungen, die Frauen in der modernen Arbeitswelt gegenüberstehen. Diese Werke werfen nicht nur einen kritischen Blick auf bestehende Arbeitsstrukturen, sondern fordern auch eine Neubewertung und Transformation von Arbeit und Arbeitskultur, die den Bedürfnissen aller Geschlechter gerecht wird.

Ein Beispiel für diese Auseinandersetzung auf belletristischer Seite ist Susanne Gregors Halbe Leben (Zsolnay), in dem sie die Zerrissenheit von Frauen zwischen Beruf und Familie, zwischen Karriereambitionen und der Verantwortung für Care-Arbeit thematisiert. Das Buch beleuchtet die oft unsichtbare und unterbewertete Arbeit, die Frauen leisten, und zeigt auf, wie gesellschaftliche Strukturen diese Ungleichheiten verstärken.

Veronika Fischer geht in ihrem Werk Female Working (Kremayr & Scheriau) der Frage nach, wie die Arbeitswelt aussehen könnte, wenn wir nicht mehr ausschließlich in den Prinzipien von Höher, Besser, Weiter denken würden. Fischer fordert eine Neubewertung von weiblichen Qualitäten wie Intuition, Solidarität und zyklischem Arbeiten, die in der gegenwärtigen Arbeitskultur oft abgewertet oder unsichtbar gemacht werden. Sie setzt sich für eine Transformation der Arbeitswelt ein, die diese Qualitäten stärker in den Vordergrund rückt und auf eine ganzheitlichere, gesündere Arbeitsweise ausgerichtet ist.

Auch Bianca Jankovska wirft in ihrem 2024 erschienenen Buch Potenziell furchtbare Tage – Über Anti-Work, Menstrual Health und das gute Leben einen kritischen Blick auf die Verbindung zwischen Menstruation und Lohnarbeit. Sie thematisiert die problematische Tatsache, dass Menstruierende in einer Leistungsgesellschaft oft dazu gezwungen werden, trotz körperlicher Beschwerden und Krankheitssymptomen weiter zu arbeiten. Jankovska kritisiert, dass diese spezifischen Herausforderungen von Menstruation und zyklusbedingten Schmerzen weitgehend ignoriert werden und die körperlichen und psychischen Ressourcen vieler Frauen überbeansprucht werden.

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