Gastkommentar von Sascha Wittmann zur Jurytätigkeit beim Leo-Perutz-Preis

„Es ist eine lohnende Arbeit, weil sie Literatur vor den Vorhang holt“

Bei dieser ersten Sitzung bestand die Aufgabe darin, fünf für den Preis nominierte Bücher auszuwählen. Kein leichtes Unterfangen. „Glücklicherweise“ konnten ein paar Titel gleich ausgeschieden werden, weil der Wien-Bezug, der für den Preis Voraussetzung ist, fehlte. Es blieben aber immer noch mehr als zwanzig übrig, die wir heftig diskutierten: Ist die Geschichte glaubwürdig? Wie wird sie sprachlich umgesetzt? Natürlich spielen persönliche Vorlieben eine Rolle. Dessen waren wir uns bewusst und haben sie auch offengelegt. Nach langer, doch sehr konstruktiver Diskussion konnten wir uns auf die fünf Nominierten einigen.

Bis zur entscheidenden Sitzung Anfang September, bei der die Gewinnerin oder der Gewinner gekürt werden sollte, waren drei Monate Zeit. Drei Monate, in der jedes Jurymitglied die persönliche Favoritin/den persönlichen Favoriten festlegen musste. Ich war sehr neugierig auf die Wahl der anderen. Für mich hatte ich eine Reihung vorgenommen, schließlich konnte ich nicht davon ausgehen, dass meine Wunsch-Siegerin auch die Erstgereihte aller anderen war. Und natürlich gab es nicht sofort ein eindeutiges Ergebnis. In der Diskussion wurden viele Faktoren einbezogen; es war deutlich, dass jede und jeder sich der Verantwortung bewusst war. Schließlich sind wir zu einem gemeinsamen Beschluss gekommen, weil wir konstruktiv und kompromissbereit waren, niemand die eigene Meinung absolut setzte.

Alle Nominierten hätten den Preis verdient, es kann aber nur eine Siegerin geben, die wir nach bestem Wissen und Gewissen ausgewählt haben.

Mein persönliches Fazit: Es ist nicht nur eine Ehre, als Jurymitglied ausgewählt zu werden, es ist auch viel Arbeit. Doch es ist eine lohnende Arbeit, weil sie Literatur vor den Vorhang holt, sodass sie von vielen interessierten Leserinnen und Lesern entdeckt wird. Ich freue mich jedenfalls, dass ich im kommenden Jahr wieder dabei sein darf!

Text: Sascha Wittmann

Weitere Informationen zum Leo-Perutz-Preis und der Preisträgerin Petra Hartlieb finden Sie hier.

Sascha Wittmann, Foto Didi Artlover
(c) Didi Artlover
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