PIAAC-Erhebung

Erwachsene in Österreich lesen weniger und schlechter

Die Studie über die Kompetenzen von Erwachsenen (PIAAC), koordiniert von der OECD, erhebt im Zehnjahresrhythmus, wie gut Menschen zwischen 16 und 65 Jahren in den Bereichen Lesen, Alltagsmathematik und Problemlösen abschneiden – also in jenen Kompetenzen, die als Grundvoraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe und beruflichen Erfolg gelten. 31 Länder nahmen an der aktuellen Erhebung teil.

Rückgang vor allem bei Älteren und geringer Qualifizierten

Während die Jüngeren – insbesondere die 16- bis 34-Jährigen – keine signifikanten Veränderungen zeigen, ist der Rückgang bei den 35- bis 65-Jährigen deutlich spürbar. Auch der Bildungshintergrund spielt eine entscheidende Rolle: Personen mit maximal Pflichtschulabschluss, Lehre oder berufsbildender mittlerer Schule (BMS) verzeichneten einen signifikanten Rückgang ihrer Lesekompetenz. Bei Personen mit höheren Abschlüssen blieb das Niveau hingegen weitgehend stabil.

Wer weniger liest, verliert an Kompetenz

Auffällig ist nicht nur die sinkende Lesekompetenz, sondern auch die abnehmende Leseaktivität in Österreich – sowohl in der Freizeit als auch am Arbeitsplatz. Damit unterscheidet sich Österreich deutlich von Deutschland, wo die Lesekompetenz stabil blieb und am Arbeitsplatz sogar mehr gelesen wird als noch 2011.

Laut Statistik Austria ging in Österreich insbesondere das Lesen sogenannter „komplexer“ Texte (Zeitungsartikel, Magazine, Newsletter) stark zurück. Gleichzeitig stieg die Nutzung kurzer Texte wie E-Mails oder Notizen leicht an – allerdings weniger deutlich als in Deutschland.

PIAAC-Projektleiter Eduard Stöger sieht einen klaren Zusammenhang. Sprich: Wer weniger liest, liest mit der Zeit auch schlechter. Die geringere Leseaktivität sei daher ein zentraler Erklärungsfaktor für den Kompetenzverlust.

Internationale Vergleichsstudie mit Weckruf-Charakter

Die Ergebnisse der PIAAC-Studie liefern damit nicht nur ein aktuelles Bild der grundlegenden Kompetenzen der österreichischen Bevölkerung – sie fungieren auch als Weckruf. Denn der Trend zeigt klar: Lesen will geübt sein. Und ohne regelmäßige Übung nimmt nicht nur die Freude am Lesen ab, sondern auch die Fähigkeit, komplexe Inhalte zu verstehen – sei es im Alltag, im Berufsleben, in der Freizeit oder im demokratischen Diskurs.

Weiterführende Links

Weitere Informationen zur Studie

Österreich-Ergebnisse – Statistik Austria

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