
„Beste Buchhandlung 2026“: Was bedeutet Ihnen der Preis persönlich?
Für mich ist der Preis eine Anerkennung meines Lebenswerks, meiner Hingabe an die Bücher und unsere Buchhandlung, die seit Jahrzehnten meine Leidenschaft und der Mittelpunkt meines Lebens ist. Völlig überraschend war die überfließende Begeisterung meiner Kundschaft nach Bekanntmachung in den Medien. Gratulantinnen und Gratulanten stellten sich mit so vielen Blumensträußen ein, dass die Vasen ausgingen, mit Kuchen und Pralinen wurde gemeinsam gefeiert. Was für überwältigende Wertschätzung durfte ich damit erfahren.
Aber die Auszeichnung könnte eine weitere große Bedeutung haben, wenn eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger für diese beste Buchhandlung 2026 gesucht wird. Mein großes Anliegen ist, dass dieser besondere Begegnungsort für Lesebegeisterte in Feldkirchs Altstadt noch lange besteht.

Wie würden Sie die Philosophie Ihrer Buchhandlung beschreiben?
Klein und familiär ist unsere Buchhandlung – ein Ort der Begegnung, ein Treffpunkt von Literatur- und Buchbegeisterten, die ihre Leseerfahrungen mit anderen austauschen oder einfach so vorbeikommen. Da findet man im gemütlichen hinteren Bereich des Geschäfts auf der langen, roten Couchbank zusammen und plaudert, auch bei einem Glas Wein. Viele Freundschaften sind hier schon entstanden. Gerne nehme ich mir für die Kundinnen wie Kunden Zeit und gehe auf sie ein. Alles was gerade nicht lagernd ist, wird bestellt und ist meistens am nächsten Tag abholbereit. Und wie ausgefallen auch immer die Buchwünsche sind, ich werde mich bemühen diese zu beschaffen.
Bei der Zusammenstellung des Sortiments lege ich großen Wert auf Literatur, die Ambivalenzen zulässt, jenseits von Ideologien. Um Schwerpunkte zu nennen: gehobene Belletristik inklusive Klassiker der Weltliteratur, Lyrik, Philosophie, Geschichte, Bildbände und Kulinarik. Von meiner Kundschaft sehr geschätzt, wird die sorgsame Auswahl an qualitätsvollen und schön gestalteten Kinderbüchern.
Besonders ist auch, wie sich auf kleinstem Raum – es sind vierzig Quadratmeter – die Fülle an Büchern entfaltet. Architekt Daniel Büchel ist bekannt für kreative Lösungen und außergewöhnliches Design. Er entwickelte über die gesamte Länge von zehn Metern ein gefinkeltes Regalsystem aus Holzleisten in Weißtanne. Mit den zusätzlich eingeschobenen Etageren kann ich hier die Bücher als ein großes, komponiertes Wandbild immer neu inszenieren.

Welche Projekte und Ideen möchten Sie als Nächstes umsetzen – und wofür wollen Sie das Preisgeld konkret einsetzen?
Am 29. September 2006 eröffneten mein Bruder Norbert Nägele und ich „Cervantes & Co – Buch und Wein“. Übrigens, der Name assoziiert Miguel de Cervantes‘ berühmte Geschichte vom belesenen und idealistisch träumenden Don Quijote (Bücher) und seinem eher den weltlichen Dingen zugeneigten Knappen Sancho Pansa (spanischer Wein, Oliven und Olivenöl). Ein Fest zum 20-Jahre Jubiläum wäre eine willkommene Gelegenheit und große Freude, um uns bei den Kundinnen und Kunden zu bedanken.
Angedacht ist auch eine kleine Reise nach Paris, auf den Spuren der legendären Buchhandlung „Shakespeare & Company“ von Sylvia Beach, die in den 1920er Jahren James Joyces „Ulysses“ veröffentlichte und dort einen Treffpunkt zahlreicher literarischer Größen der damaligen Zeit geschaffen hat. Diese Geschichte hat mich inspiriert, und die mit Michael Köhlmeier entstandene Geschäftsnamens-Kreation „Cervantes & Co“ ist auch eine Referenz an sie.
Schön wäre zudem, wenn anlässlich des Jubiläums ein Büchlein – eine Anthologie, sozusagen ein Blütenstrauß – entsteht, mit Texten von Menschen, die unserer kleinen Buchhandlung verbunden sind, die Liste der Anzufragenden wäre lang und erlesen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Buchhandlung Cervantes.
Alle Preisträger:innen des Österreichischen Buchhandlungspreises finden Sie hier.
