1. Denken Sie in Struktur.
Bei einem analogen Buch oder einer Zeitung enden die Layout-Grenzen an der Papierkante. Im digitalen Raum haben die Inhalte virtuell unendlich viel Platz. Zudem lässt sich die Vielfältigkeit der Ausgabegeräte wie Smartphones, Tablets, Laptops und E-Reader kaum mit einem Universal-Layout bedienen. Durch Voreinstellungen können CSS-Anweisungen überschrieben werden und die meisten E-Ink-Displays können nur Graustufen anzeigen. Im Zweifel kommen verlagsseitige Gestaltungen also gar nicht erst bei den Endnutzer:innen an.
Umso wichtiger ist es, dass inhaltliche Kontexte eindeutig erkennbar sind. Inhalte sollten mit den korrekten semantischen Bedeutungen ausgezeichnet werden, zum Beispiel durch Einsatz der korrekten HTML-Tags oder ARIA-Rollen. Nur tabellarische Inhalte sollten in Tabellen abgebildet werden, Listen müssen echte Listen sein und Sekundär-Inhalte wie Marginalien oder Endnoten sollten als solche ausgezeichnet werden. Analysieren Sie also zunächst Ihre Inhalte auf die Bedeutung und zeichnen Sie entsprechend aus.
2. Gestalten Sie klar.
Die (visuelle) Gestaltung dient im besten Fall nicht nur einer ansprechenden Ästhetik, sondern unterstützt die Bedeutung der Inhalte. Da das endgültige Layout von einigen Faktoren beeinflusst wird (siehe Tipp 1), ist es wichtig, dass die Grundgestaltung ihrer digitalen Medien auch ohne Farben und/oder nur in einer Schriftart funktionieren kann. Versuchen Sie zuerst eine Unterscheidung durch grundlegende Parametern zu erzeugen. Mit Fettungen, Kursivierungen, Schriftgrößen und Abständen oder Textrahmen können Elemente visuell voneinander getrennt oder zusammengefasst werden. Hinzufügen von Farben und Schmuckschriften können Sie danach immer noch.
3. Kennen Sie Ihre Output-Kanäle.
Egal ob Sie E-Books produzieren, ein Informationsportal mit Bezahlschranken betreiben oder digitale Produkte im eigenen Webshop anbieten: Machen Sie sich die Anforderungen und Möglichkeiten der jeweiligen Ausgabe- und Kommunikationskanäle bewusst. Verpassen Sie nicht die Chancen, Ihren Kund:innen eine gute Erfahrung mit Ihrem Produkt zu ermöglichen.
In HTML-Daten können zum Beispiel keine echten „Fußnoten“ gesetzt werden. Als Alternative können Endnoten semantisch ausgezeichnet und mit Hyperlinks verknüpft werden.
HTML hat auch den Vorteil, dass Langbeschreibungen zu visuellen Darstellungen (Fotos, Tabellen, Grafiken etc.) entsprechend ausgezeichnet werden können. Für PDF ist das Tag-Set wesentlich kleiner, wodurch andere Formen der Auszeichnung oder Darstellung gefunden werden müssen. Und auf Webseiten ist durch Interaktivität einiges mehr möglich. Besonders dann ist es wichtig, die Funktionalitäten zu kennen und zusätzliche technische Hürden durch vermeintlich falsche Auszeichnungen vorzubeugen.
4. Halten Sie Metadaten aktuell.
Korrekte und verlässliche Metadaten helfen bei der Auffindbarkeit Ihrer Produkte, verbessern ggf. die Platzierung des Webshops und geben auch Kund:innen Orientierung bei der Kaufentscheidung. Halten Sie Ihre Metadaten deshalb stets aktuell und synchronisieren Sie sie mit den Realprodukten.
Besonders zwischen der ersten Lieferung von ONIX-Metadaten und der Produktion der betroffenen E-Books kann einige Zeit liegen. Umso wichtiger ist es, nach der Produktion gegenzuprüfen, ob zum Beispiel die angekündigten Barrierefreiheit-Funktionen wirklich im Produkt eingebaut sind oder ob ein ONIX-Update nötig ist.
Auch auf Webseiten sollten Sie Ihre Metatexte wie Seitenbeschreibungen oder Tooltips regelmäßig auf Aktualität und Sinnigkeit überprüfen und ggf. nachbessern. So können Sie Ihr SEO-Ranking verbessern und treten im digitalen Raum als verlässliches und vertrauensvolles Unternehmen auf.
5. Kommunikation ist alles.
Besonders im Bereich der Barrierefreiheit ist es wichtig, zu verstehen, warum etwas gemacht wird und wie es umgesetzt werden kann. Sprechen Sie also miteinander. Ob im eigenen Verlagsteam, mit Agenturen oder Dienstleistern und besonders mit Ihren Zielgruppen und Vertretungsverbänden. Stellen Sie Fragen, wenn etwas unklar ist und teilen Sie Ihr Wissen, wenn es für andere hilfreich ist oder zur Verbesserung der Prozesse führen kann. Nur durch einen guten Austausch und das Verständnis füreinander, für die Inhalte, die Strukturen und technischen Möglichkeiten, können sinnvolle Lösungen und Produkte entstehen.
Im Rahmen solcher Kommunikation sind auch die Leitfäden der Taskforce Barrierefreiheit entstanden. Auf der Webseite des Börsenvereins zum Thema Barrierefreiheit können Sie Informationen zur erfolgreichen Erstellung von barrierefreien PDF, EPUB3-E-Books und Webseiten und weiteren Unterthemen finden.
Paul Gilius ist aktuell Projektmanager für Barrierefreiheit bei 3w+p und seit 2021 aktives Mitglied der Taskforce Barrierefreiheit des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Durch eine Ausbildung zum Buchhändler, Mediapublishing-Studium und bisherige Anstellungen als Verlags- und XML-Hersteller hat er einen breiten Blick auf Verlagsprodukte und versucht stets passende und verständliche Lösungen für aktuelle Anforderungen der Barrierefreiheit zu finden. In seiner Freizeit spielt er Impro-Theater und ist nebenbei als Fotograf tätig.
Wenn Sie mit ihm in Verbindung treten wollen, können Sie ihn über sein Linkedin-Profil oder per Mail an info@typopaul.de erreichen.
