Joanna Bators „Die Flucht der Bärin. Erzählungen, aus dem Polnischen von Lisa Palmes“ (Suhrkamp) ist das Ö1 Buch des Monats Mai.
Jurybegründung
2024 wurde Joanna Bator mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur für ihren Roman „Bitternis“ ausgezeichnet. Darin schreibt die polnische Autorin über eine düstere Familiengeschichte aus weiblicher Perspektive. Düsteres, Unheimliches und Abgründiges schwingt auch in ihrem Erzählband „Die Flucht der Bärin“ mit.
Der umfasst 16 Erzählungen, die raffiniert miteinander verbunden sind, aber auch einzeln gelesen werden können. Die Figuren (hauptsächlich Frauen) erzählen vom Auseinanderleben, sich fremd werden, vom Scheitern und Verlassenwerden. Von Träumen, Enttäuschungen und Verlusten.
„Manchmal ist die Sehnsucht nach etwas, zu dem man nie wieder zurückwill, am stärksten.„
Einige Protagonisten sind Außenseiter, alle sind sie eigenwillige und starke Persönlichkeiten. Da ist die Frau, die sich wöchentlich Immobilien anschaut, mit ausreichend Platz für ihren erfolgreichen Mann und ihren verspielten Sohn. Die Realität der alleinerziehenden Mutter schaut allerdings ganz anders aus. Da ist der Vater, der schnell mal den Weihnachtskarpfen holen geht und erst Jahre später zurückkehrt. Oder die Frau, die sich nach einer Autopanne in einem geheimnisvollen Haus einnistet, sich von Konserven ernährt und ein haariges Ende erlebt.
Joanna Bator überrascht dabei immer wieder und ist bei aller Düsternis und Melancholie im besten Sinne komisch und originell – auch in Lisa Palmes gelungener Übersetzung.
„Die Flucht der Bärin“ ist eine Flucht aus dem Alltag – rein in eine wunderbare und fantastische, merkwürdig verdrehte und geheimnisvolle bis unheimliche Welt voller Überraschungen.
Alle Infos zum aktuellen Ö1 Buch des Monats, und zu allen vorhergehenden Titeln, finden Sie unter oe1.orf.at/buchdesmonats.
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