Theatertext „Blutbrot" ausgezeichnet

Debütpreis an Miriam Unterthiner

„Unterthiner begegnet diesem schwierigen Stoff nicht mit dokumentarischem Realismus, sondern mit großer poetischer Wut und Wucht. Indem sie ‚Das Dorf‘, ‚Das Brot‘ oder ‚Die Landschaft‘ selbst zu Figuren macht, öffnet sie den Blick auf Mechanismen kollektiven Schweigens und stellt Fragen nach Erinnerung, Verantwortung und Schuld. Das Historische wird so zur Metapher für eine Gegenwart, in der Ressentiments und die Angst vor dem Fremden erneut virulent sind. Unterthiner erschafft eine kraftvolle Sprache, die bildstark und präzise das Verschüttete freilegt und dabei einen schreienden, oft verzweifelten Humor entwickelt. Das Grundnahrungsmittel Brot wird dabei, unterstützt durch die Figur Max Brod, zur schwer verdaulichen Kost. Blutbrot zeigt, wie sich unsere grausame Geschichte in Körper, Sprache und Landschaft einschreibt und wie sie vielleicht doch durch einen ‚Nationalhumanismus‘ überwunden werden könnte“, lobte die Jury das Werk.

Kunst- und Kulturminister Andreas Babler, Debütpreis-Gewinnerin Miriam Unterthiner, AK-Präsidentin Renate Anderl und Moderator Philipp Hauß (c) BMWKMS/HBF/Lechner

Unter Applaus im Theater am Werk aufgeführt – und ab 17. Dezember dort wieder zu sehen – behandelt das Stück Fragen nach kollektiver Schuld. Der Text wurde in diesem Jahr bereits mit dem deutschen Kleist-Förderpreis ausgezeichnet. Für ihren Stückentwurf Mundtot erhielt die 1994 in Brixen geborene Autorin, die in Wien Sprachkunst an der Angewandten sowie Szenisches Schreiben im Drama Forum studierte, außerdem das Hans-Gratzer-Stipendium.

Für die Shortlist-Debüt nominiert waren außerdem: Anna Maschik Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten (Luchterhand Literaturverlag) und Michèle Yves Pauty Familienkörper (Haymon Verlag).

Weitere Informationen zum Preis sowie die Jurybegründung finden Sie hier.

Miriam Unterthiner (c) Florian Dariz
(c) Florian Dariz
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