
„Beste Buchhandlung 2026“: Was bedeutet Ihnen der Preis persönlich?
Der Preis ist Lohn und Bestätigung für die Arbeit, die unser ganzes Team leistet. Wenn das von einer fachkundigen Jury bewertet wird, ist es eine besondere Anerkennung und dass wir nach 2020 jetzt schon zum zweiten Mal ausgezeichnet wurden, macht es noch spezieller.
Nach der Übernahme durch die Familie Hofer im Jahr 2021 war die Skepsis bei unseren Stammkunden groß, aber durch die Kontinuität im Team und die Unterstützung von den Hofers konnten wir die Zweifel rasch beseitigen. Ich bin jetzt seit 30 Jahren Buchhändler, die letzten 26 davon hier in Horn. Zu Beginn meiner Lehrzeit sind gerade die letzten dicken VLB-Kataloge verschwunden. Obwohl sich das Produkt Buch ja nicht wirklich verändert, ist die Branche immer in Bewegung und bringt stets Überraschungen, wie den derzeitigen New Adult Hype.

Das Schöne am Buchhandel ist für mich das Miteinander und die gegenseitige Wertschätzung aller Beteiligten. Es „menschelt“ – und wenn man nach einer Lesung noch mit den Autorinnen bei einem Glas Wein zusammensitzt, mit Vertretern essen geht und auch bei Verlagen immer ein offenes Ohr findet, hat man das Gefühl, Teil von etwas Besonderem zu sein. Ich darf Geschichten verkaufen und das ist immer noch das Schönste an meinem Beruf.
Wie würden Sie die Philosophie Ihrer Buchhandlung beschreiben?
Das Frau Hofer Konzept mit der Kombination aus klassischer Buchhandlung und ausgewählten Geschenkartikeln verleiht unseren Geschäftslokalen eine ganz eigene Atmosphäre und bringt neue Käuferschichten. Durch die hauseigene Druckerei samt Werbeagentur zieht sich die Optik und das Design durch alle Bereiche und macht die Marke Frau Hofer mit hohem Wiedererkennungswert sichtbar.
Darüber hinaus haben wir auch „Fräulein Hofer“ entwickelt. In jeder Buchhandlung gibt es einen Bereich im eigenen Design, wo wir hochwertige Plüschtiere und ausgesuchtes Spielzeug für Babies und Kleinkinder präsentieren.
Da die Dichte an Buchhandlungen im Wald- und Weinviertel nicht sehr hoch ist, ist auch unser Einzugsgebiet entsprechend groß. Daher bieten wir in unseren Filialen (Retz, Hollabrunn, Eggenburg und Gmünd) ein möglichst breites Sortiment an. Da gehören Regionalia als wichtiges Segment dazu, wo wir auch Autoren aus der Umgebung Gelegenheit geben, ihre Bücher bei uns zu präsentieren.
Nicht nur als Schulbuchhändler ist uns die Leseförderung ein besonderes Anliegen. Die Kinder sind unsere Kunden von morgen, aber noch viel wichtiger: Sie sind auch die Zukunft für unsere Gesellschaft. Wenn wir da einen Beitrag leisten können, kritische und mündige Bürger zu erziehen, haben wir schon viel erreicht. Wir sehen auch bei unseren Buchausstellungen immer wieder, dass viele Kinder dort erstmals mit Büchern in Berührung kommen und vielleicht konnten wir da schon den einen oder anderen neuen Bücherwurm gewinnen.

Damit wir auch unsere „großen“ Leser bei der Stange halten, haben wir vor drei Jahren den „Frau Hofer Lesefrühling“ ins Leben gerufen. Die Idee war, an jedem Filialstandort eine Lesung mit einem Top-Autor zu veranstalten und das gemeinsam zu bewerben. Der Erfolg hat uns dann doch überrascht, aber auch gezeigt, dass wir da offenbar eine Lücke schließen konnten. Nach Vea Kaiser folgen heuer noch Dirk Stermann, Klaus Eckel und Andreas Gruber.
Welche Projekte und Ideen möchten Sie als Nächstes umsetzen – und wofür wollen Sie das Preisgeld konkret einsetzen?
Ich war vor kurzem bei einem Poetry Slam eingeladen und die Qualität der Texte und das Engagement der jungen Künstlerinnen und Künstler hat mich sehr berührt und beeindruckt. Obwohl die Szene eher in Wien beheimatet ist, würde ich gerne einen Slam in der Buchhandlung veranstalten. Wir haben heuer auch bei unserem Frau Hofer Lesefrühling eine Poetry Slammerin im „Vorprogramm“, das hat voll eingeschlagen. Vielleicht gibt es auch noch andere Möglichkeiten, das Programm zu erweitern.
Durch unsere Mitgliedschaft bei Buch Media haben wir ein tolles Kundenmagazin, das sehr gut ankommt. Da wir ja eine hauseigene Druckerei haben, möchte ich einmal eine kleine Broschüre herausgeben, die wir ausschließlich mit eigenen Inhalten befüllen – zum Beispiel Buchtipps, Porträts der Mitarbeiterinnen und Filialen und einem Gewinnspiel. Ansonsten bin ich gespannt, was noch alles auf uns zukommt und wenn ich mir von den Buchhandelsgöttern etwas wünschen dürfte, würde ich gerne wieder die Buchhandlung um Mitternacht aufsperren (müssen), weil alle den neuen „Was auch immer“ sofort haben wollen.
Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Buchhandlung Frau Hofer.
Alle Preisträger:innen des Österreichischen Buchhandlungspreises finden Sie hier.