Der mit 15.000 Euro dotierte Preis für Lyrik und Prosa würdigt Schriftsteller:innen, die in ihrem literarischen Schaffen – so wie Christine Lavant – einen hohen ästhetischen Anspruch mit humaner Haltung und gesellschaftskritischem Blick vereinen. 2025 zeichnet die Jury die deutsche Autorin Ulrike Draesner mit dem Christine Lavant Preis aus.
Die Jurybegründung
„Ulrike Draesner überzeugte mit ihrem ebenso vielfältigen wie umfangreichen Gesamtwerk. Sowohl ihre Gedichtbände als auch ihre Romane gehören seit Jahrzehnten zum Lesenswertesten, was die deutschsprachige Gegenwartsliteratur zu bieten hat.
Mit Themen wie Erinnerung und Körperlichkeit, Vertreibung und Flucht sowie Neuinterpretationen von Geschichte und Mythen aus Frauenperspektive behandelt die Autorin im Großen wie im Kleinen die drängenden Fragen unserer Zeit. Ihre Freude am Erzählen und der auch physischen Wirkmacht poetischer Sprache ist ansteckend, fast unmerklich werden dabei die Grenzen unserer Wahrnehmung von Literatur und Welt erweitert.
Ulrike Draesners Bücher sind sprachlich anspruchsvoll, aber nie überfordernd, lehrreich, aber nie belehrend. Ob sie nun das Entstehen menschlichen Sprechens in einem mehrspaltigen Versepos darstellt oder heiter über die Wechseljahre philosophiert: Sie schreibt Literatur, die uns alle angeht, Literatur, die man gerne rezipiert, kurz: Literatur, wie sie heute gebraucht wird.“
Preisträgerin Ulrike Draesner
Ulrike Draesner stammt aus München. Sie studierte an den Universitäten München, Salamanca und Oxford Anglistik, Germanistik und Philosophie und arbeitete als wissenschaftliche Assistentin am Münchner Institut für Deutsche Philologie. Im Jahre 1993 gab sie ihre wissenschaftliche Laufbahn zugunsten der schriftstellerischen Arbeit auf. Seit 2018 ist sie Professorin für Deutsche Literatur und Erasmus-Koordinatorin am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.
Draesner verfasst in erster Linie Lyrik und Prosa. Sie arbeitet häufig zusammen mit bildenden Künstler:innen und Schriftstellerkolleg:innen an intermedialen Projekten. Dabei treten Draesners Texte mit Kunstformen wie Bildhauerei, Aktionskunst und Musik in ein Spannungsverhältnis.
Bis jetzt liegen weit über 20 Buchveröffentlichungen vor, u.a. „Subsong. Gedichte“, „Eine Frau wird älter. Ein Aufbruch“, „Schwitters. Roman“, „doggerland. Gedicht“ und „Die Verwandelten“. Im Sommer dieses Jahres sind „penelopes sch( )iff. postepos“ über den größten Mythos der abendländischen Kulturgeschichte im Penguin Verlag erschienen sowie im Wallstein Verlag ihre Göttinger Lichtenberg-Poetik-Vorlesung unter dem Titel „Sich ein Herz fassen“.
Ihr Werk wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, u. a. dem Eichendorff-Literaturpreis, dem Gertrud-Kolmar-Preis, der Frankfurter Poetik-Dozentur, dem Usedomer Literaturpreis. Im Jahre 2021 erhielt Draesner den mit 50.000 Euro dotierten Großen Preis des Deutschen Literaturfonds.
Ulrike Draesner ist auch als Übersetzerin tätig. Von ihr stammen auch einige Übersetzungen aus dem Englischen, darunter zwei Bände der 2020 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichneten amerikanischen Lyrikerin Louise Glück.
Preisverleihung am 5. Oktober
Die Verleihung des 10. Christine Lavant Preises findet am Sonntag, den 5. Oktober 2025, um 11:00 Uhr im RadioKulturhaus in Wien statt. Film- und Theaterschauspielerin Sophie von Kessel wird Lyrik und Prosa von Christine Lavant lesen. Drei Musiker – Edgar Unterkirchner am Saxophon, Hannah Senfter an der Harfe und Tonč Feinig am Piano – werden die Matinee musikalisch umrahmen. ORF Kulturchef Martin Traxl moderiert.
Im Anschluss an Verleihung und die Rede der diesjährigen Preisträgerin, wird ab 12:30 Uhr zu einem Empfang mit der Preisträgerin und den Künstler:innn im Foyer des RadioKulturhaus geladen. Das RadioKulturhaus bietet ein Live-Streaming, ORF III überträgt zeitversetzt die gesamte Verleihung und Matinee am 11. Oktober um 9.00 Uhr.
Bisherige Preisträger:innen des Christine Lavant Preises
Als erster Schriftstellerin wurde 2016 der Preis Kathrin Schmidt zugesprochen; es folgten Bodo Hell, Claus Merz, Angela Krauß, Judith Schalansky, Maja Haderlap, Alois Hotschnig, Yevgeniy Breyger und 2024 Ann Cotten. Die sechsköpfige Jury besteht 2025 aus Manfred Müller, Gudrun Hamböck, Andreas Unterweger, Erich Klein, Alma Vallazza, Karin S. Wozonig.
Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der Christine Lavant-Gesellschaft.
