„Oberflächliche Effekte sind Reinhard Kaiser-Mühleckers Sache nicht, vielmehr interessieren ihn Tiefenstrukturen und Atmosphäre. Obwohl noch jung an Jahren verfügt dieser 1982 in Oberösterreich geborene Schriftsteller mit mehr als einem halben Dutzend Romanen und einem Erzählband bereits über ein umfangreiches Werk, das Motive wie existenzielle Verlorenheit, fragile Zweisamkeit von Frau und Mann sowie das Schweigen über die Vergangenheit grundieren. Ort der Handlung ist oft das bäuerliche Umfeld, aus dem Kaiser-Mühlecker stammt. Es wird allerdings nicht als antiurbane Idylle beschworen, auch nicht als Unort verdammt, sondern als Bestandteil einer sich auch ökologisch im Umbruch befindenden Kulturlandschaft und Gesellschaft gezeigt. Das ist auch in „Wildern“, seinem achten Roman, nicht anders, der aus der Er-Perspektive vom Jungbauern Jakob erzählt. Dieser Jakob ist ein Befremdeter, vielleicht auch ein Lebensfremder, der den heruntergewirtschafteten Hof vom Vater übernimmt und ihn mit seiner Frau Katja auf Vordermann bringt. Ein Kind wird geboren, Erfolg stellt sich ein. Alles sieht bestens aus und ist doch zum Zerbrechen verurteilt. Das „Warum“ ist in diesem Roman, der um einen dunklen Kern kreist, wichtig, noch überzeugender ist, wie Reinhard Kaiser-Mühlecker erzählt und in ruhigem Ton ein komplexes Netz abgründiger Handlungsfäden auswirft, dem man sich nicht entziehen kann.“
