„Da ist der Lehrer, den seine Affäre mit einer ehemaligen Schülerin in jeder Hinsicht überfordert; da ist das vierzehnjährige Mädchen auf der Jugendpsychiatrie, das sein Leben beinah unter einem Zug beendet hätte; da ist der Mann, dessen Frau bei einem Urlaub am Meer spurlos verschwand; und da ist die Therapeutin, mit der die drei Krankengeschichten verknüpft sind und deren Schlaflosigkeit den vierten Fall darstellt. In ihrem mit altmeisterlicher Souveränität komponierten Episodenroman beleuchtet Anna Felnhofer ein Panorama wechselseitiger Abhängigkeiten und Grenzüberschreitungen sowie die Fragwürdigkeit der Begriffe Therapie und Heilung. Die Autorin untersucht das Verhältnis einer charismatischen Psychotherapeutin zu ihren Klientinnen und Klienten aus unterschiedlichen Perspektiven und erstellt psychologisch überzeugende Porträts als „Schnittbilder“, indem sie diagnostische Verfahren in eine präzise poetische Sprache übersetzt. Bei aller Klugheit der Analyse beeindruckt vor allem Felnhofers Sympathie für Lebensbahnen, die aus der Spur geraten sind. Schnittbild beschreibt Menschen in existentiellen Krisen, ohne zu urteilen oder zu verurteilen, der Roman stellt Fragen und bleibt die Antworten auf reizvolle Weise schuldig.“
