„Die Gruppe der Freunde ist im erwachsenen Leben angekommen, folgt aber weiterhin den Ritualen der jungen Jahre. Eines davon ist der wiederkehrende gemeinsame Zelturlaub in der Maremma. Ferienimprovisation und Gespräche bestimmen die Tage, der Wechsel der Witterungen am Strand und im Pinienwald beeinflusst die Stimmung. In diesem Buch passiert nicht viel, es besticht stärker durch sein Wie als durch sein Was. Im Fließen der subtil beschriebenen Wahrnehmungen, in der Atmosphäre der jedes Jahr wieder altvertrauten Naturumgebung tauchen unabweisbare Ahnungen auf. Nicht nur die Freunde, die während des Jahres in vielerlei Hinsicht weit voneinander entfernt leben, erscheinen in verändertem Licht. Auch der im normalem Leben oft verdrängte Zustand unserer Welt steht eindrücklich vor den Augen der Gruppe. Der Roman zeigt einen Moment der Verharrung sowohl des persönlichen Lebens als auch der Geschichte. Klimaveränderung und politische Umwälzungen beeinflussen das Leben, die Erkenntnisse sickern jedoch erst nach und nach ein. „Maremma“ von Anna Maria Stadler ist ein Buch von elegantem sprachlichem Understatement, das seine Geheimnisse nie gänzlich preisgibt, und das gerade dadurch vieles sehr deutlich zeigt. Sich auf das Buch einzulassen belohnt auch die Leser:innen mit neuen Sichtweisen.“