„Jacob hat seinen gut bezahlten Job, arbeitet 70 Stunden in der Woche und ist zufrieden mit sich und seiner Leistung, und wenn eine neue Challenge auf ihn zukommt, ist der versprochene Urlaub auch schon auf unbestimmt verschoben, bevor seine Freundin noch davon weiß. Jacob spricht und denkt fließendes Denglisch-Marketingsprech, und so, in dieser intensiven Stimmigkeit, habe ich das noch nicht gelesen in der jüngeren deutschsprachigen Literatur. Doch hat dieses Leben seinen Preis: „There is a crack in everything“, singt Leonard Cohen, der große kanadische Dichter, „and that is where the light gets in.“ Und wie das aussieht, wenn ein so effizient durchgetaktetes Leben einen Sprung bekommt, einen feinen Haarriss, der nie wieder geschlossen werden kann, das ist wirklich gute Literatur und insbesondere stilsicher ausgeführt. Etwas ganz anderes ist es dann, wenn Jacob wieder zu sich selbst finden muss, oder eher sich selbst wieder neu erfinden und lernen, sich seinen Träumen zu stellen. Dieser Roman ist ein sehr zeitgemäßes Buch über die selbstgewählte Entfremdung sich fortlaufend selbst optimierender Individuen, und darüber, wie man da vielleicht wieder herausfindet. Ein schmales Buch von einem jungen Autor auf der Höhe der Zeit, der die Symptome literarisch zu verarbeiten weiß. Ein durchaus überraschendes, ein überraschend gutes Buch.“
