Abschied nehmen von einem geliebten Menschen, sich mit seinem langsamen Verschwinden befassen, dem Sterben eine Sprache geben – das steht im Zentrum von Elke Laznias „fischgrätentage“: „wir kennen die Eigennamen der / Gesichter und Gesten von heute (…) müssen aber Worte finden für das / Ende das Sterben artikulieren / den Tod aussprechen zu Beginn“. Elke Laznias Sprache ist rhythmisch und musikalisch, sie findet unerwartete und eindrückliche Bilder und füllt so eine Lücke für das, was wir im Alltag oft nur schwer beschreiben können.
Mit wenigen Strichen evoziert sie ein facettenreiches Familientableau und erkundet in ihren Gedichten das Nebeneinander von zärtlicher Nähe und alten Verletzungen, die im Zwischenmenschlichen hausen. Auch liebevolle Pflege und der Ekel vor körperlichem Verfall schließen einander in Elka Laznias lyrischen Erkundungen keinesfalls aus. Selten wurden das schwierige Thema, eine nahestehende Person zu pflegen, das lange Abschiednehmen, die Trauer der Nachkommen und die familiären Verwerfungen, die das Beisammensein zutage fördert, so empathisch und vorurteilsfrei in eine Sprache gesetzt, bei der jedes Wort sitzt und jedes Bild nachwirkt. Und bei all dem finden die Gedichte auch Raum für hoffnungsfrohe Erinnerungen und singen eine Ode an das Leben.
