Buch-Wien-Geschäftsführer Patrick Zöhrer zeigte sich erfreut über die hohe Resonanz auf die Weiterentwicklung der Messe: „Wir sind sehr glücklich, dass die Erschließung einer zweiten Messehalle so gut gelungen ist und beim Publikum wie auch bei den Ausstellern derart starken Anklang gefunden hat. Mit einem Plus von 20 Prozent bei den Ausstellerflächen und 72.000 Besucher:innen bestätigt uns das in unserem Weg, die Buch Wien als Ort der Debatte, des Austauschs, des Wissens – aber auch der qualitativ hochwertigen Unterhaltung – weiterzuentwickeln. Mit diesem Rückenwind freuen wir uns auf neue Projekte im kommenden Jahr. Man darf gespannt sein!“
Auch bei Benedikt Föger, Präsident des Hauptverbands des Österreichischen Buchhandels, fällt der Blick nach vorne optimistisch aus: „Seit einigen Jahren dürfen wir uns jedes Mal darüber freuen, noch mehr Menschen für Literatur begeistern zu können. Die Buch Wien hat sich mit Abstand zur wichtigsten Plattform für die Sichtbarkeit rund um das Buch im heimischen Markt entwickelt – und strahlt zunehmend über die Landesgrenzen hinaus.“
Buchpreis, Wissenschaft und und New Adult als Publikumsmagnete
Nach der Verleihung zum Auftakt der Buch Wien am Montag sprachen Buchpreis-Gewinner Dimitré Dinev und Debütpreisträgerin Miriam Unterthiner am Donnerstag auf der ORF-Bühne. Unter der Moderation von Judith Hoffmann (Ö1) sprachen sie über die Entstehungsgeschichte und Arbeitsprozesse ihrer prämierten Werke und lasen aus ihren Texten.
Dinev, der 13 Jahre lang an seinem ausgezeichneten Roman „Zeit der Mutigen“ gearbeitet hat, berichtete auf der Buch Wien auch über die wirtschaftlichen und persönlichen Herausforderungen, die mit einem so langen Projekt verbunden sind. Der reinen Kommerzialisierung der Literatur müsse man laut Dinev entgegenwirken, denn: „Literatur ist mehr als Geschäft, sie ist unser ethischer Rückhalt.“

Im Gespräch rückten zudem Themen wie Erinnerung und Gedächtnis sowie die Bedeutung von Sprache und Bildung für Empathie und den Kampf gegen Faschismus in den Mittelpunkt.
Auch Debütpreisträgerin Miriam Unterthiner gab einen Überblick über ihre Herangehensweise an den Theatertext „Blutbrot“, in dem das Kollektiv – dargestellt durch das Dorf – eine zentrale Rolle spielt. Zu ihren wichtigsten Inspirationsquellen zählen Martin Pollacks „Kontaminierte Landschaften“ sowie Archivmaterialien zu Max Brod. Unterthiner sprach über die spezifische Arbeitsweise beim Schreiben für die Bühne und darüber, wie sie in „Blutbrot“ Aspekte des zeitgenössischen Theaters reflektiert und hinterfragt.

Ein thematischer Schwerpunkt der diesjährigen Buch Wien lag auf Religion, künstlicher Intelligenz und Feminismus. Die Buch Wien 2025 rückte vertiefende Diskussionen stärker in den Mittelpunkt – ein Anspruch, der sich im Debattenprogramm deutlich widerspiegelte. Unter dem Motto „Bücherwissen statt Besserwissen“ bot die Messe zahlreiche Gespräche, die aktuelle gesellschaftliche Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchteten.
Auch das Wissenschaftsprogramm zog großes Interesse auf sich. Auf der ORF-Bühne diskutierten Marissa Giustina und Nobelpreisträger Anton Zeilinger über „Verschränkte Wahrheiten: Das Jahr der Quantenphysik“. Die Google-DeepMind-Forscherin Giustina gab Einblicke in aktuelle Entwicklungen an der Schnittstelle von Quantenforschung, Robotik und KI, während Zeilinger die physikalischen Grundlagen erläuterte. Die Veranstaltung gehörte zu den bestbesuchten Formaten.
Mit der zusätzlichen Messehalle wurde auch der Bereich für Kinder-, Jugend- und New-Adult-Literatur deutlich ausgebaut. Auf der Thalia-New-Adult-Bühne wurde das Genre aus verschiedenen Perspektiven diskutiert, flankiert von Signierstunden, Meet & Greets und einem Pub-Quiz zum Messeauftakt.

Der vergrößerte Kinder- und Jugendbuchbereich bot zahlreiche Angebote für junge Leser:innen sowie Workshops und interaktive Programmpunkte.
Ein Höhepunkt war die Verleihung der Kinder- und Jugendbuchpreise der Stadt Wien am 14. November. 2025 werden zwei Werke von Tyrolia sowie ein Titel aus dem Jungbrunnen Verlag prämiert. Den Illustrationspreis erhält ein Titel aus dem Luftschacht Verlag. Die Preisverleihung, moderiert von Till Köppel (Ö1) und musikalisch begleitet vom Gedankenreiseorchester, wurde von Heide Kunzelmann in Vertretung von Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler durchgeführt. Die prämierten Bücher thematisieren unter anderem Trauer („Theo, Tim, Kurkuma und ich“), Emotionen und Freundschaft („Und dann?“) sowie die kleinen und großen Geschenke des Alltags („Ich hab da was für dich“). Der Illustrationspreis ging an „Tigerträume“ von Julian Tapprich, der die Rolle der kraftvollen Farben in seinem Werk erläuterte.
Erstmals zog auch der unverwechselbare Charme kleiner Buchhandlungen auf die Buch Wien 2025 ein: In der neuen Buchhandelslounge präsentierten sich Buchhändler:innen aus ganz Österreich als Gastgeber:innen und Gesprächspartner:innen. Hier konnten sich Besucher:innen und Autor:innen in gemütlicher Runde begegnen, sich mit Vertreter:innen des regionalen Buchhandels austauschen und persönliche Lesetipps direkt von den Profis erhalten.
Bei der Buchhandelslounge waren Buchhandlungen aus ganz Österreich beteiligt, die das Programm mitgestalteten. Mit dabei waren die Buchhandlung Stockerau, Morawa, die Wagner’sche, o*books, Stierle, Tyrolia, List, die Eckart Buchhandlung, Wirthmiller, Alexowsky, Frau Hofer und die Buchhandlung Leo.
Hier finden Sie alle Veranstaltungen der Buchhandelslounge.
Die nächste Buch Wien findet von 25. bis 29. November 2026 statt.
